WikiLeaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London (Archivbild) © Anthony Devlin/Pool/Reuters

"100.000 Euro für Europas gefragtestes Geheimnis" – mit diesem Spruch lockt WikiLeaks Insider, die etwas über das geplante Freihandelsabkommen TTIP preisgeben wollen. Mit einer Crowdfunding-Kampagne wird seit Dienstag dafür Geld gesammelt. Innerhalb weniger Stunden spendeten Unterstützer nach WikiLeaks-Angaben 15.000 Euro.

Unter den ersten Spendern finden sich einige prominente Namen. So beteiligen sich etwa der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis, der US-Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald und die Modedesignerin Vivenne Westwood an der Kampagne.

Im Kampagnentext begründet WikiLeaks die Aktion mit der Heimlichkeit, mit der das Abkommen verhandelt werde. Bisher habe die Öffentlichkeit keinen Einblick in die Inhalte erhalten. Dabei habe TTIP insbesondere für Europa weitreichende Folgen. "TTIP betrifft jeden Europäer und zieht Europa in einen langfristigen Konflikt mit Asien. Die Geheimniskrämerei muss jetzt beendet werden", wird WikiLeaks-Gründer Julian Assange in einer Mitteilung der Enthüllungsplattform zum Start der Kampagne zitiert.

Die EU-Kommission verwahrt sich gegen solche Kritik an TTIP. Auf der offiziellen Website zum Freihandelsabkommen heißt es, es werde "so offen wie möglich" verhandelt. Bisher veröffentlichte die Kommission mehrere kurze Papiere zu den Inhalten von TTIP und einige Verhandlungstexte, die an die US-Verhandlungspartner weitergegeben wurden. Auch Publikationen wie die 10 Mythen über TTIP (PDF) sollen für Aufklärung im Sinne der Kommission sorgen. Weitere inhaltliche Dokumente sollen "so bald möglich" zugänglich gemacht werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass WikiLeaks eine Belohnung für Whistleblower auslobt. Bereits im Juni hatte die Plattform eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um Insidern Anreize zur Preisgabe von Einzelheiten zum Freihandelsabkommen Trans-Pacific Partnership (TPP) geben zu können. Das Ziel lautet auch in diesem Fall 100.000 Euro. Bisher sind etwa 80 Prozent erreicht.