Im Streit um das Entsperren von iPhones hat Apple die US-Regierung aufgefordert, ihre Forderungen zurückzuziehen und stattdessen eine Kommission mit Experten einzuberufen. Diese könnte sich generell mit den Auswirkungen des Falls für Ermittlungen, nationale Sicherheit und die Privatsphäre beschäftigen, teilte das Unternehmen mit.

Apple wurde von einem Gericht dazu angewiesen, der Bundespolizei beim Entsperren des iPhones des toten Attentäters zu helfen, der zusammen mit seiner Frau 14 Menschen im kalifornischen San Bernardino getötet hatte. Apple weigert sich, der Forderung nachzukommen und will sich rechtlich dagegen zur Wehr setzen.  

Das Unternehmen warnte, für diesen Schritt wäre eine neue Software notwendig, die auch missbraucht werden könnte. Apple würde damit eine Hintertür ins iPhone möglich machen und am Ende die Sicherheit für alle gefährden. "Wir sind überzeugt: Der einzige Weg zu verhindern, dass ein solch mächtiges Werkzeug missbraucht wird oder in falsche Hände gerät, ist, es nie zu erschaffen", teilte das Unternehmen mit.

FBI-Chef James Comey hatte in einem offenen Brief versichert, das FBI strebe keinen Präzedenzfall für spätere Überwachung an: "Es geht um die Opfer und um Gerechtigkeit." Das FBI wolle keine Verschlüsselung brechen oder einen Generalschlüssel in die Welt setzen. Zugleich räumte Comey aber ein, dass es mit der Verschlüsselung einen Konflikt zwischen Sicherheit und Privatsphäre gebe. "Dieser Konflikt sollte nicht von Unternehmen gelöst werden, die davon leben, Dinge zu verkaufen", schrieb er. Allerdings auch nicht vom FBI, sondern grundsätzlich vom amerikanischen Volk.

Schützenhilfe von Google und Facebook

Das FBI verlangt vor allem, dass Apple per Software-Eingriff eine Funktion aushebelt, die den Inhalt eines Telefons löscht, nachdem zehnmal ein falsches Passwort eingegeben wurde. Außerdem soll Apple die Passworteingabe über eine Schnittstelle so einrichten, dass die Ermittler mithilfe eines Computers verschiedene Kombinationen testen können. Das Gericht räumte Apple eine Frist bis zum 26. Februar ein, in der der Konzern auf die Anordnung reagieren muss.

Unterstützung bekam Apple unterdessen von Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Er habe "ziemliche Sympathie" für die Position von Apple und Cook, sagte der 31-Jährige auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Facebook sei sich als große Plattform der Verantwortung bewusst, wenn es darum gehe, Terrorismus zu verhindern. "Das ist uns wichtig." Zugleich glaube er nicht, dass Hintertüren in Geräten jemals ein effizienter Weg sein werden, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Auch Google und WhatsApp haben sich an die Seite von Apple gestellt. Google-Chef Sundar Pichai warnte, die Forderung an ein Unternehmen das Hacken von Geräten und Daten seiner Kunden zu ermöglichen, "könnte ein besorgniserregender Präzedenzfall werden" und die Privatsphäre von Nutzern verletzen. WhatsApp-Gründer Jan Koum schrieb, man dürfe "diesen gefährlichen Präzedenzfall nicht zulassen".