Apple will trotz des Drucks durch Bundespolizei und Justiz das iPhone des Angreifers von San Bernardino nicht entsperren. In einem Interview mit dem Sender ABC News verteidigte Apple-Chef Tim Cook die Entscheidung des Technologiekonzerns, die US-Behörden nicht bei der Entschlüsselung von iPhones zu unterstützen. Den Forderungen nachzugeben, wäre "schlecht für die USA". In dem Streit wolle er nun das Gespräch mit US-Präsident Barack Obama suchen. Cook sei sogar bereit, den Fall vor dem Obersten Bundesgericht auszutragen.

Laut einem Bericht der New York Times arbeitet Apple inzwischen an einer neuen Technik, die es für Regierungen künftig noch schwerer machen soll, sich Zugang zu den Daten auf iPhones zu verschaffen.

Der Streit zwischen dem US-Justizministerium und Apple über die Entsperrung des iPhones hat größere Ausmaße als bislang bekannt. Aus Unterlagen von Behörden geht hervor, dass sich das Ministerium in den vergangenen vier Monaten bei Gerichten landesweit bei 15 Geräten um eine Umgehung von Schutzmechanismen bemüht hat. Bislang war nur bekannt, dass es sich mit Apple um das Handy von einem der Attentäter von San Bernardino streitet.

In dem bislang bekannten Fall will das Justizministerium Apple per Gerichtsurteil zwingen lassen, das iPhone des Angreifers von San Bernardino für die Ermittler zu knacken. Apple weigert sich mit der Begründung, dafür müsse erstmals eine Software geschrieben werden, mit der man die Zugangssperre aushebeln kann. "Wenn ein Gericht von uns verlangen kann, eine solche Software zu schreiben, bedenken Sie, was sie noch von uns fordern könnten – vielleicht ein Betriebssystem für Überwachung oder die Möglichkeit, die Kamera einzuschalten", sagte Cook.

Apple stört sich unter anderem daran, dass die rechtliche Grundlage für die Anweisung ein Gesetz aus dem 18. Jahrhundert ist, das Richtern die Befugnis gibt, alle nötigen Maßnahmen anzuordnen. Wenn es erst einmal einen solchen Präzedenzfall gebe, könnten andere Gerichte ihn vielleicht auch auf Scheidungs- oder Steuerfälle anwenden, sagte Cook und warnte vor einem "Trampeln auf Bürgerrechten". Bei dem Anschlag in San Bernardino hatten zwei Islamisten 14 Menschen erschossen, bevor sie selbst von der Polizei getötet wurden. Die Bundespolizei FBI untersucht derzeit, ob die Attentäter mit der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" und anderen militanten Gruppen in Kontakt standen.