Die US-amerikanischen Geheimdienste haben laut einem Zeitungsbericht den Zugang zu einem Dienst verloren, der Twitter-Nachrichten analysiert. Es geht um den Service Dataminr, der Tweets maschinell auswertet. Mit Hilfe dieser Auswertungen kann der Dienstleister erkennen, wo auf der Welt etwa eine Gefahr droht und seine Nutzer entsprechend warnen.   

Twitter habe darauf gedrungen, den Zugang der US-Geheimdienste zu Dataminr nach zwei Jahren zu kappen, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Geheimdienstquellen. Twitter teilte mit, Firmen zu untersagen, Analyseergebnisse an Regierungsstellen zu liefern, die die für Überwachungszwecke nutzen.

Twitter wies darauf hin, dass die meisten Daten ohnehin zugänglich seien: "Die Daten sind größtenteils öffentlich und die US-Regierung kann offen zugängliche Profile selbst im Blick behalten, so wie jeder Nutzer das kann", zitierte die Zeitung das Unternehmen.

Die Entscheidung des Unternehmens erinnert an den Streit zwischen der US-Regierung und Apple. Die Bundespolizei FBI hatte von dem Konzern verlangt, das iPhone eines Terrorverdächtigen zu entsperren. Apple weigerte sich jedoch und begründete das mit dem Schutz seiner Kunden vor staatlichen Zugriffen. Das FBI soll sich später mithilfe von Hackern Zugang zu dem iPhone des Verdächtigen verschafft haben – gegen eine hohe Summe. Der Streit hatte eine sicherheitspolitische Debatte ausgelöst. Auch Microsoft schaltete sich in den Streit ein und klagte gegen das US-Justizministerium. Möglicherweise sah sich Twitter durch durch den Widerstand der Branche gegen die Begehrlichkeiten der Behörden ermutigt, den US-Diensten den Zugang zu den Daten seines Dienstleisters zu sperren. 

Dataminr ist der einzige Anbieter, der einen Echtzeit-Zugriff auf die gesamte Masse an Twitter-Nachrichten hat und die Auswertungs-Ergebnisse verkaufen darf. Zuletzt konnte die Firma ihre Kunden zum Beispiel schnell über die Terroranschläge in Paris und Brüssel alarmieren. Twitter hält fünf Prozent an Dataminr.

Das Verhältnis zwischen amerikanischen Internet-Unternehmen und der Regierung hat sich stark verschlechtert, seit Edward Snowden vor knapp drei Jahren die ausufernde Überwachung durch US-Geheimdienst enthüllte. Unter anderem setzen die Firmen auf Verschlüsselung, mit der sie keine Inhalte mehr als Behörden liefern können.