Hacker haben in den vergangenen Monaten offenbar erneut im großen Stil deutsche Parteien und Politiker angegriffen. Das berichtet der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Demnach wurde das Cyberabwehrzentrum des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BIS) am 7. September von der Nato und dem Bundesnachrichtendienst (BND) über die Attacken informiert. Sie hätten unter anderem den Bundestagsfraktionen von SPD und Linkspartei sowie zahlreichen Abgeordneten gegolten, unter ihnen auch die Fraktionsvorsitzende der Linken, Sahra Wagenknecht.

In einer E-Mail, die vorgeblich aus dem Hauptquartier der Nato versandt wurde, waren den Betroffenen Informationen zum Erdbeben in den Abruzzen angeboten worden. Der mitgeschickte Link aber führte dem Bericht zufolge zu einer Spähsoftware. Die E-Mail erhielten auch Personen außerhalb des Bundestages, darunter die Bundesgeschäftsstelle der Jungen Union und der Linkspartei sowie die CDU im Saarland.

Das BSI informierte die Betroffenen in einem kurzfristig anberaumten Treffen über den Angriff, die Polizei ermittelt. Die Attacke wird den Berichten zufolge einer russischen Gruppierung zugeordnet, die unter dem Namen apt28 oder auch Sofacy Group bekannt ist. "Es gibt Indikatoren, die auf apt28 hindeuten", sagte BSI-Präsident Arne Schönbohm. Die Gruppe wird nach Einschätzung von westlichen Sicherheitsbehörden von den russischen Nachrichtendiensten GRU und FSB gesteuert.

Manipulation als Ziel?

In Deutschland wird der Vorgang sehr ernst genommen. Laut Bericht wird befürchtet, dass sensible Informationen gesammelt werden sollen, um die öffentliche Meinung im Land durch gezielte Veröffentlichungen zu manipulieren. Ein solches Szenario gilt etwa im Rahmen der Bundestagswahl im kommenden Jahr als denkbar.

Ähnliches hatte sich kürzlich in den USA abgespielt. Die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte Tausende E-Mails aus der Demokratischen Partei, die ihr offenbar von einem Hacker zugespielt worden waren. Aus dem Material ergab sich, dass die Parteispitze im Vorwahlkampf gezielt die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton unterstützt hatte. Daraufhin musste unter anderem Parteichefin Debbie Wasserman Schultz zurücktreten.