Das oberste Gericht in Neuseeland hat die Auslieferung des deutschen Internetunternehmers Kim Dotcom an die USA genehmigt. Richter Murray Gilbert bestätigte die Entscheidung einer unteren Instanz, die der Auslieferung des 43-Jährigen und dreier Mitangeklagter bereits zugestimmt hatte. Dem Deutschen, der in Neuseeland lebt, drohen wegen massiver Urheberrechtsverletzungen, Betrug und Geldwäsche bis zu 20 Jahre Haft in den USA.

Die Anwälte von Dotcom kündigten umgehend an, vor den Berufungsgerichtshof zu ziehen. "Wir sind weit davon entfernt, geschlagen zu sein", sagte Anwalt Ron Mansfield. Die Entscheidung bezeichnete er als "äußerst enttäuschend". Der Angeklagte weist die Vorwürfe zurück und wirft den US-Behörden vor, im Namen der einflussreichen Hollywoodfilmindustrie einen Rachefeldzug gegen ihn zu führen.

Dotcom hatte im Jahr 2005 die Onlineplattform Megaupload gegründet, auf der Internetnutzer Dateien kostenlos hoch- und herunterladen konnten. Das US-Justizministerium wirft ihm und den drei weiteren Betreibern Mathias Ortman, Bram van der Kolk und Finn Batato vor, die Seite ausdrücklich als Tauschbörse für urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Filme, Fernsehprogramme und andere Dateien eingerichtet zu haben.

Star der New Economy in den neunziger Jahren

Nach Berechnungen des Ministeriums soll Megaupload mit Urheberrechtsverletzungen einen Gewinn von 175 Millionen Dollar (165 Millionen Euro) gemacht haben, der Schaden soll sich auf mindestens 500 Millionen Dollar belaufen. Das FBI stuft Dotcoms Aktivitäten als größten Fall von Urheberrechtsverletzung in der US-Geschichte ein.

Dotcom wurde 1974 als Kim Schmitz in Kiel geboren, seine Karriere begann er als Computerhacker. In den 1990er Jahren war er eine bekannte Figur der New Economy. 2002 wurde er vom Amtsgericht München wegen Insiderhandels mit Aktien zu einer Bewährungsstrafe verurteilt – er selbst sah sich schon damals als Opfer einer "Hexenjagd".

2005, als er Megaupload startete, änderte er seinen Namen in Dotcom. Im Januar 2012 wurde Megaupload von den US-Behörden abgeschaltet, neuseeländische Polizisten durchsuchten auf US-Antrag Dotcoms Anwesen in Auckland, beschlagnahmten Kunstwerke und mehrere Luxusautos und nahmen Dotcom fest. Seitdem wehrt er sich gegen seine Auslieferung. Er besitzt in Neuseeland eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung.