Im Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Europa haben sich Hacker Zugang zu zahlreichen prominenten Twitter-Profilen verschafft und Schmähungen gegen Deutschland und die Niederlande verbreitet. Betroffen waren unter anderem die Konten Unicef, Amnesty International, ProSieben und Borussia Dortmund. Wer hinter der Attacke steckt, war zunächst unklar.

Der Angriff erfolgte über den Twitter-Analysedienst TwitterCounter. Bei der Verknüpfung des Kontos mit dem Dienst wird häufig das Recht eingeräumt, Tweets zu veröffentlichen. Das Unternehmen kündigte an, den Fall zu untersuchen. Twitter bestätigte den Vorgang und teilte mit, dass keine weiteren Konten betroffen seien.

Auf den gehackten Konten fanden sich Nachrichten mit den Hashtags #Nazialmanya und #Nazihollanda sowie Hakenkreuz-Symbole. Außerdem wird auf den 16. April verwiesen. An diesem Tag will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan das umstrittene Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems abhalten, das dem Präsidenten mehr Befugnisse einräumen würde.

Im Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in europäischen Ländern hatte Erdoğan Deutschland und den Niederlanden wiederholt vorgeworfen, "Nazimethoden" anzuwenden. In mehreren deutschen Städten waren Auftritte türkischer Politiker abgesagt worden, die Niederlande hinderten mehrere Minister an Wahlkampfauftritten.

Die türkischen Politiker wollten bei den im Ausland lebenden Türken für die Einführung des Präsidialsystems werben. Alleine in Deutschland sind 1,4 Millionen Türken stimmberechtigt.

Türkei - Was in der Verfassungsreform Erdoğans steht Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan strebt eine Verfassungsreform für das Präsidialsystem an, die ihm mehr Macht verleihen würde. Hier die Punkte der Reform im einzelnen