Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat Tausende Dokumente veröffentlicht, die von dem US-Geheimdienst CIA stammen und neue Methoden der Onlinespionage enthüllen sollen. Das unter dem Titel Vault 7 publizierte Material gibt Einblick in die Versuche der CIA, Hacking-Werkzeuge für offensive Operationen zu entwickeln.

Außerdem werden in den Dokumenten Schwachstellen von Smartphones, Computern und Elektronikgeräten beschrieben. Die CIA kommentierte den Vorgang nicht. "Wir äußern uns nicht zur Authentizität oder dem Inhalt von angeblichen Geheimdienst-Dokumenten", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Auch der Sprecher von US-Präsident Donald Trump, Sean Spicer, wollte die Veröffentlichung nicht kommentieren.

Laut einer Pressemitteilung von Wikileaks soll Frankfurt am Main ein Ausgangspunkt der Überwachungen gewesen sein. So hätten die Hacker vom dortigen Generalkonsulat aus ihre Angriffe in Europa, dem Nahen Osten und Afrika gesteuert. Die nun veröffentlichte Tranche stamme aber aus dem CIA-Hauptquartier in Langley (US-Bundesstaat Virginia), in der Nähe von Washington. Auf dem Gelände des Frankfurter Konsulats befindet sich laut Wikileaks eine Sensitive Compartmented Information Facility, SCIF, die nur Mitarbeitern der CIA und anderer US-Geheimdienste offensteht. Die Hacker würden mit Diplomatenpässen ausgestattet und arbeiteten als vermeintliche Mitarbeiter des Außenministeriums.

Es sei eine neue NSA geschaffen worden

Die CIA habe laut Wikileaks heimlich ihre Cyberaktivitäten ausgebaut und so eine neue NSA geschaffen, heißt es – nur mit dem Unterschied, dass diese neuen Aktivitäten noch weniger reguliert seien. Wikileaks will die Informationen in mehreren Tranchen publik machen. Der CIA war ursprünglich vor allem mit der Sammlung wichtiger Geheimdienstinformationen im Ausland mit Hilfe von menschlichen Quellen beauftragt. Zuletzt stand die Behörde aber zunehmend im Wettbewerb mit der NSA, die für die breite Sammlung und Verarbeitung von Telekommunikationsdaten zuständig ist.

Jake Williams, Gründer der US-Datensicherheitsfirma Rendition InfoSec, sagte nach einer ersten Sichtung der Daten, er gehe von der Echtheit der Dokumente aus. "Es würde mich nicht überraschen, wenn das die Karriere etlicher Leute verändert und beendet", sagte er. Die vielen Bezugnahmen zur operativen Sicherheit deuteten nach seiner Erfahrung nahezu mit Gewissheit darauf hin, dass es sich tatsächlich um CIA-Akten handelt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand diese Menge an Bedenken zur operativen Sicherheit fabriziert hat." Und noch etwas mache ihn nahezu sicher, dass die Daten echt seien: "Die einzigen Leute, die diese Art von Debatte führen, sind Leute, die auf der Staatsebene im Hacking aktiv sind."

Angeblich Telefone und Fernseher verwanzt

Zum Hacking-Arsenal der CIA gehören laut Wikileaks Malware, Viren und Trojaner. Demnach können etwa iPhones, Android-Geräte oder Windows-Rechner ausspioniert werden. Meist braucht es für die Infektion mit der entsprechenden Malware aber einen physischen Zugang zum jeweiligen Gerät. Zudem hat die CIA den Dokumenten zufolge versucht, über eine spezielle Software Samsung-Fernsehgeräte des Modells F8000 mit eingebauter Kamera und Mikrofon in eine Wanze zu verwandeln. Das Gerät soll den Anschein erwecken, ausgeschaltet zu sein, stattdessen aber Gespräche aufzeichnen und diese an einen CIA-Server senden. Ob die Software mittlerweile einsatzbereit ist oder schon eingesetzt wurde, geht aus dem zunächst veröffentlichten Material allerdings nicht hervor.

Wikileaks hat seine Informationen nach eigenen Angaben von anonymen Quellen bezogen. Die Quelle wünsche, mit der Veröffentlichung eine öffentliche Diskussion über die Frage zu entfachen, ob die CIA ihre Kompetenzen überschreitet. Erstmals hat die Enthüllungsplattform Dokumente vor Veröffentlichung bearbeitet und etwa Namen von CIA-Mitarbeitern oder andere Daten geschwärzt. Wikileaks steht in der Kritik wegen seiner angeblichen Verbindungen zu Russland.

US-Präsident Donald Trump könnte die Veröffentlichung vom Dienstag in eine politische Zwangslage bringen. Trump hatte die Arbeit der US-Geheimdienstbehörden immer wieder kritisiert und ihnen vorgeworfen, geheime Informationen an die Medien weiterzurreichen. Die Arbeit von Wikileaks hatte er dagegen im Wahlkampf gelobt, nachdem die Plattform E-Mail-Kommunikationen der Demokraten veröffentlicht hatte. Aufgabe der CIA ist es, den Präsidenten und den Kongress mit Informationen über Entwicklungen im Ausland zu versorgen. Bislang hat sich das Weiße Haus nicht zu den jüngsten Enthüllungen geäußert.

Update: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es "Zudem sollen über eine spezielle Software Samsung-Fernsehgeräte des Modells F8000 mit eingebauter Kamera und Mikrofon in eine Wanze verwandelt worden sein." Das geht so aber nicht aus den Dokumenten hervor, wir haben den Abschnitt verbessert.