"Sieben Jahre Inhaftierung ohne Anklage", hob er an. "Sieben Jahre, in denen meine Kinder ohne mich aufgewachsen sind. Das werde ich nie vergessen und nie verzeihen." Er hatte sich den Satz ein paar Stunden zuvor für ein Twitter-Statement ausgedacht, war von dessen politischer Poesie aber so nachhaltig begeistert, dass er ihn nun wiederholte. Dann nahm er sich die Unrechtsregime von Schweden und der Europäischen Union vor. Wie sie politische Gefangene mit ihrem europäischen Haftbefehl folterten! Wie sie sich zum Büttel der Amerikaner machten!

An dieser Stelle hielt er kurz inne: Seine Kritik an den USA sollte nicht allzu vernichtend ausfallend. Zwar ärgerte er sich über die Undankbarkeit von Donald Trump, dem er mit seinen WikiLeaks-Enthüllungen zur Präsidentschaft verholfen hatte. Aber Assange wollte ihn heute nicht provozieren. Wenn die Amerikaner ihm garantieren würden, dass sie ihn angemessen behandeln, könnte er es sich eventuell vorstellen, sich an sie ausliefern zu lassen. Er war der berühmteste Gefangene der Welt. Er würde es ihnen nicht so leicht machen. 

"Sag endlich die Wahrheit", brüllte ein Mann in der dritten Reihe herauf. "Bleibst du jetzt in der Botschaft oder nicht?"

Verärgert nahm Assange den Zwischenruf zur Kenntnis. Dann fiel ihm ein, was ihm sein Freund Wladimir einmal zum Umgang mit Dissidenten gesagt hatte: einfach ignorieren und ausschalten. Assange beschloss, die Leute da unten über die weltweiten Menschenrechte und das Asylsystem aufzuklären. Bestimmt war ihnen nicht bewusst, wie sehr Großbritannien gegen die internationalen Normen verstieß: Es war einfach lächerlich, dass Scotland Yard ihn wegen eines vorliegenden Strafbefehls weiterhin festnehmen wollte! Er schüttelte seinen Kopf über diese Bananenrepublik. Warum waren nicht alle Länder so frei und demokratisch wie Ecuador?!

Er ermunterte seine Anhänger, ihn weiter in seinem Kampf um die Wahrheit zu unterstützen, dann hob er die Hand, trat wieder ins Zimmer und schloss das Fenster. Durch die Glasscheiben hörte er die Reporter aufgeregt nach ihm rufen. Obwohl sie ihm fast 15 Minuten hatten zuhören dürfen, waren sie immer noch voller Fragen. Sie hatten nicht verstanden, was er nun vorhat und warum er so undurchsichtig war. Seine Katze sprang ihm auf den Schoß, er strich ihr übers Fell.

Ach ja, die Menschen und ihre Neugier! Man sollte es mit Transparenz und Aufklärung nicht übertreiben.