Die Whistleblowerin Chelsea Manning ist freigelassen worden. Das berichten die BBC und die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf einen Sprecher der US-Armee. Der Schritt war am Sonntag von der American Civil Liberties Union (ACLU) angekündigt worden, die Manning juristisch vertritt.

Nach ihrer Freilassung twitterte die heute 29 Jahre alte Manning ein Foto von ihren ersten Schritten in Freiheit. "Nach weiteren angstvollen vier Monaten des Wartens ist der Tag endlich gekommen", hieß es außerdem in einer Stellungnahme, die ihre Anwälte veröffentlichten. "Alles, was vor mir liegt, ist wichtiger als die Vergangenheit."

Manning war 2010 verhaftet und im Jahr 2013 zu 35 Jahren Haft verurteilt worden, weil sie 200.000 geheime Dokumente über Vorkommnisse bei den Kriegen im Irak und in Afghanistan an die Plattform WikiLeaks weitergeleitet hatte. Nach jahrelangen Protesten und Petitionen hatte der damalige US-Präsident Barack Obama ihre Strafe 2016 auf sieben Jahre reduziert.

Nach Angaben ihrer Anwälte saß Manning die längste Strafe aller Whistleblower in den USA ab. Die Strafe sei "viel zu lang, viel zu hart, viel zu drakonisch" für eine Soldatin gewesen, die so viel riskiert habe, um Informationen zu veröffentlichen, die dem Interesse aller dienten. Dank Manning war unter anderem bekannt geworden, dass US-Hubschrauberpiloten im Irakkrieg 2007 Zivilisten und Journalisten erschossen hatten. Auch belegten die Dokumente Folter durch US-Soldaten. Manning erhielt dafür international mehrere Menschenrechtspreise.

Der WikiLeaks-Gründer Julian Assange bezeichnete die Freilassung der Whistleblowerin auf Twitter als "epischen Sieg". Ein Video, das Manning veröffentlicht hatte, war der erste große Enthüllungserfolg der Plattform WikiLeaks. Deren Gründer Assange hält sich seit Juni 2012 in der Botschaft Ecuadors in London auf, um einer Auslieferung an Schweden im Zusammenhang mit Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs zu entgehen. Er hatte angekündigt, im Falle der Freilassung Mannings freiwillig in die USA zu gehen, hatte das später aber wieder relativiert. Ob dies rechtlich möglich wäre, ist strittig.