Facebook hat im Mai eine neue Foto-App in China auf den Markt gebracht, ohne dabei mit dem Markennamen in Erscheinung zu treten. Ein entsprechender Bericht der New York Times wurde von Facebook bestätigt.

Mit der Foto-App Colorful Balloons umging das Unternehmen offenbar eine Sperre, die in China für sonstige Facebook-Produkte gilt. Die New York Times berichtete, die App gleiche in Form, Funktion und Bedienungsweise der Moments-App von Facebook. Colorful Balloons sei in China von einer lokalen Firma auf den Markt gebracht worden, deren Chefin sei aber auf älteren Fotos neben Facebook-Repräsentanten zu sehen.

Der chinesische Internetmarkt umfasst geschätzte 700 Millionen Nutzer und gilt als der wichtigste potenzielle Zukunftsmarkt, auch für westliche Technologieunternehmen.  

Der New York Times zufolge wollte Facebook mit der App besser verstehen, wie und mit wem chinesische Kunden Fotos teilen. Während die Moments-App ihre Nutzer in aller Welt mit Facebook verbindet, stellt Colorful Balloons eine Verbindung mit dem größten chinesischen Netzwerk WeChat her.

Dienste von Facebook sind auf chinesischem Boden nicht abrufbar, da die regierende Kommunistische Partei in China den Zugang zu Tausenden Webseiten unterbindet, darunter auch Twitter und YouTube. Die Blockade der ausländischen Dienste wird von der chinesischen Regierung mit Gefahren für die nationale Sicherheit begründet. Erst im vergangenen Monat wurde der bis dato zugelassene Messenger-Dienst WhatsApp, der ebenfalls zum Konzern Facebook gehört, eingeschränkt.

Ohne den Gebrauch einer VPN-Verbindung waren WhatsApp-Nutzer nicht mehr dazu in der Lage, sich gegenseitig Bilder zu schicken. In China gab es zur gleichen Zeit Bemühungen, Berichte und Gespräche über den Tod des politischen Gefangenen und Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo zu unterdrücken.

Der größte Internetanbieter Chinas hatte zudem im vergangenen Monat in einem Brief an seine Kunden mitgeteilt, dass auch solche verschlüsselten Verbindungen per VPN-Anbieter bald nur noch erlaubt seien, wenn man die Homepage einer Firmen-Webseite erreichen wolle. Dieser Schritt könnte die Verbreitung von Inhalten unabhängiger Medien, sozialer Netzwerke und anderer Webseiten weiter einschränken.