Es sind schwere Vorwürfe, die drei frühere Google-Mitarbeiterinnen erheben: "Systematische und allgegenwärtige Diskriminierung" zuungunsten weiblicher Angestellter, wollen die Frauen in dem US-Unternehmen erfahren haben. In der Klage, die am Donnerstag bei einem Gericht in San Francisco eingereicht wurde, heißt es, Frauen würden bei Google bei gleicher "Kompetenz, Erfahrung und Position" geringer bezahlt. Außerdem würden ihnen weniger Beförderungen angeboten als ihren männlichen Mitstreitern.

Die Klägerinnen werfen Google außerdem vor, diese Probleme "seit Langem zu kennen" und trotzdem nichts dagegen zu unternehmen. Das habe mittlerweile zu "bedeutenden Schäden" für die Frauen geführt.

Die Anwälte der früheren Google-Mitarbeiterinnen streben eine Umwandlung in eine Sammelklage an, um mehr Frauen zu erreichen, die derzeit bei Google angestellt sind oder es einmal waren. Bislang hätten 90 Frauen, die in den vergangenen vier Jahren bei Google angestellt waren, mit den Anwälten Kontakt aufgenommen. Viele wollten sich aber der Klage nicht anschließen – aus Angst vor den Reaktionen.

Mehr Geld für männliche Kollegen

Nach Überzeugung der Klägerinnen verstößt Google mit seiner Unternehmenspolitik gegen das Gesetz zur Geschlechtergleichheit bei der Bezahlung (Equal Pay Act) sowie gegen das Arbeitsrecht des Staates Kalifornien. "Wir sprechen seit Langem über diese Missstände und nichts hat sich geändert", sagt die Klägerin Kelly Ellis im Gespräch mit dem Guardian. Doch außer PR habe sich nichts geändert, weshalb man nun andere Wege gehen müsse, um die Unternehmen zu einem Umdenken zu bewegen.

Ellis begann 2010 als Programmiererin bei Google. Der Anklage zufolge habe sie eine Level-3-Position erhalten, die gemeinhin für Uni-Absolventen gilt. Wenige Wochen später habe Google dann einen männlichen Programmierer mit der gleichen Berufserfahrung eingestellt und ihn als Level 4 eingestuft, was höheres Gehalt, Bonuszahlungen und Aktienoptionen bedeutet. Später seien noch weitere männliche Kollegen, teils auch mit weniger Erfahrung, höher eingestuft worden. 2014 kündigte Ellis, ein Jahr später kritisierte sie öffentlich die mutmaßlich sexistische Kultur in dem Unternehmen.

Google weist Vorwürfe zurück

Bereits im April rügte das US-Arbeitsministerium Google, weil es Hinweise auf Benachteiligung bei der Bezahlung von Frauen gebe. Anfang des Jahres wies ein Richter das Unternehmen an, Gehaltsabrechnungen offenzulegen.

Google selbst weist die aktuellen Vorwürfe zurück. Das Unternehmen werde die Klage noch "im Detail prüfen", stimme den "wesentlichen Anschuldigungen" jedoch nicht zu, erklärte Firmensprecherin Gina Scigliano. "Wir arbeiten wirklich hart für ein gutes Arbeitsumfeld und dafür, dass jeder hier Erfolg haben kann." Positionen und Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen würden streng geprüft, auch nach dem Gesichtspunkt der Geschlechtergleichheit.

Bei Google arbeiten derzeit 69 Prozent Männer, bei den technischen Jobs liegt die Quote bei 80 Prozent. Vorwürfe ungleicher Behandlung verbunden mit Sexismus-Anschuldigungen sind im Silicon Valley seit Jahren ein Thema. Im August sorgte ein Google-Entwickler mit einem sexistischen Schreiben über den geringen Anteil von Frauen in der Technologiebranche für viel Aufregung. Er hatte ihn mit "biologischen" Unterschieden erklärt –und wurde kurz darauf entlassen.