Nicht nur auf Facebook und Twitter wurden während des US-Wahlkampf politische Botschaften aus Russland verbreitet und von Millionen Menschen gesehen. Auch Google soll zahlreiche politische Anzeigen aus Russland gefunden haben, mit denen Falschinformationen verbreitet werden sollten. Das berichtet die Washington Post unter Berufung auf informierte Personen.

Zehntausende Dollar seien demnach dafür ausgegeben worden, unter anderem auf Googles Videoplattform YouTube. Die Entdeckung sei besonders bedeutend, da die Anzeigen nach derzeitigem Kenntnisstand aus einer anderen Quelle stammten als die bei Facebook und Twitter. Das lege nahe, dass die Russland zugeschriebenen Aktivitäten noch breiter waren als bisher bekannt.

Google ging in einer ersten Reaktion nicht direkt auf die Informationen ein. Das Unternehmen teilte mit, es gebe bei Google strikte Regeln für politische Werbung und ein Verbot der gezielten Platzierung von Anzeigen nach ethnischer Zugehörigkeit und Religion. Zugleich würden Versuche untersucht, die Systeme zu missbrauchen. Das Unternehmen unterstütze die laufenden Ermittlungen.

Anfang September hatte Facebook die Wahleinmischung öffentlich gemacht: Das Unternehmen fand nach eigenen Angaben heraus, dass 470 Facebook-Konten und etwa 100.000 Dollar für die Werbung verwendet wurden. So seien etwa 3.000 Beiträge in Umlauf geraten, die sich auf umstrittene Themen wie Waffenbesitz, Einwanderung und LGBT-Rechte konzentrierten, teilte Facebooks Kommunikationsvizechef Elliot Schrage Anfang Oktober mit. Die Beiträge hätten "politische Botschaften mit einem weiten ideologischen Spektrum" widergespiegelt. In vielen Fällen hätten die Anzeigen die Nutzer dazu aufgefordert, Facebook-Seiten mit entsprechenden Ansichten zu liken und zu abonnieren, so Schrage. Die gleiche Gruppe bezahlte auch im Anzeigensystem von Twitter, um sich bei mehr Nutzern sichtbar zu machen.

Google wiederum untersucht der Washington Post zufolge derzeit Anzeigen mit einem Volumen von weniger als 100.000 Dollar. Die Nachforschungen befänden sich noch in einer frühen Phase. So sei nicht in Erfahrung zu bringen gewesen, um wie viele Anzeigen es gehe und wie oft die Inhalte angeklickt worden seien.

Die besondere Stärke der Anzeigensysteme der Internet-Plattformen liegt darin, dass man die Zielgruppen, denen sie angezeigt werden sollen, recht engmaschig auswählen kann. Dabei kommen zum Beispiel Kriterien wie Wohnort, Alter, Geschlecht, Interessen oder Sprachen zum Einsatz. Schon länger ist bekannt, dass im vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf die Kampagne des schließlich siegreichen Donald Trump das System nutzte, um eigene Wähler zu mobilisieren und Anhänger der Rivalin Hillary Clinton zu entmutigen. Nach wie vor ist unklar, inwieweit die mutmaßlich russischen Anzeigen von den Möglichkeiten zur gezielten Platzierung Gebrauch machten.

Die Website The Daily Beast berichtete, bei YouTube sei zum Beispiel der im Auftrag Russlands betriebene Account von Williams & Kalvin aktiv gewesen, auf dem Clinton unter anderem als Massenmörderin und Rassistin beschimpft worden sei. Der verwandte Facebook-Kanal sei im August als russische Propaganda blockiert worden.

Facebook- und Twitter-Vertreter vor US-Kongress geladen

Facebook hat die 3.000 Anzeigen aus dem Umfeld der Internet Research Agency, der eine Verbindung zu Russland nachgesagt wird, zwar nicht veröffentlicht, dafür aber dem US-Kongress übergeben. Dort will ein Ausschuss am 1. November Vertreter von Facebook und Twitter hören. Ob auch Google an der Anhörung teilnehmen könnte, ist bisher offen. 

Die russische Regierung wies die Vorwürfe der Einmischung in den vergangenen US-Wahlkampf stets zurück. Die US-Geheimdienste und auch der Geheimdienstausschuss des US-Senats sehen es jedoch als erwiesen oder aber sehr wahrscheinlich an, dass Russland sich in den Wahlkampf eingemischt hat. Wegen dieser Vorwürfe hatte Trumps Amtsvorgänger Barack Obama Sanktionen gegen Russland verhängt.