Google Dashboard Datenschutz auf Google-Art
Mehr Transparenz und Kontrolle über Daten verspricht der Konzern. Dabei bietet "Dashboard" nur Überblick über verschiedene Konten. Mit Datenschutz hat es nichts zu tun.
Wenn Google von sich aus etwas zum Thema Datenschutz sagen will, dann ist das durchaus erstaunlich. Vor allem, wenn es solche Sätze sind: "Das ist ein großer Schritt, Nutzern Transparenz und Kontrolle über ihre Daten zu geben." So zumindest steht es in der Erklärung, mit der das sogenannte Dashboard heute gestartet wurde, eine neue Funktion des Suchmaschinenunternehmens.
Und das ist ein erstaunlicher Satz, ist die Firma doch bislang eher dadurch aufgefallen, dass sie nicht sehr transparent war, wenn es um die Daten ihrer Nutzer geht. Und sehr daran interessiert, selbst so gut wie möglich Kontrolle darüber zu behalten.
Nicht umsonst gibt es unabhängige Angebote wie "Scroogle", die nichts weiter tun, als zu verhindern, dass Google Informationen über diejenigen erhält, die die Suchfunktion benutzen. Gleichzeitig erheben immer mal wieder Datenschützer ihre Stimmen, wenn die kalifornische Firma einen neuen Dienst startet und beispielsweise alle Städte der Welt per "Street View" abfotografieren lässt.
Nun also "Dashboard", zu deutsch Armaturenbrett oder Instrumententafel: Eine Seite, auf der angemeldete Benutzer all ihre Googlekonten sehen und verwalten können. Das ist wenigstens insofern praktisch, da angesichts der Vielzahl von Google-Anwendungen sicher der ein oder andere längst den Überblick verloren hat, wo er sich überall der Dienste des Unternehmens bedient. Dass sich vom Dashboard aus die Einstellungen all dieser Anwendungen steuern lassen, ist ebenfalls prima.
Gut auch, dass nun zu sehen ist, welche persönlichen Informationen öffentlich einsehbar sind. So steht dann unter dem Punkt "Picasa", wenn man den Dienst nutzt, dass man dort beispielsweise angegeben hat, weiblich und 29 Jahre alt zu sein. Und dass die erste Information jeder sehen kann, die zweite aber nicht. Mit wenigen Klicks lässt sich das vom Dashboard aus ändern.
Mit Datenschutz aber hat das alles nur bedingt zu tun. Denn neue Informationen darüber, was über einen gespeichert wird, liefert Dashboard nicht. Alle Einstellungsmöglichkeiten gibt es längst bei den einzelnen Anwendungen wie Blogger, Google Alerts, Kalender, Mail oder Reader. Man kann sie nun lediglich auf einen Blick erkennen.
Ganz zu schweigen davon, dass die Firma nun preisgeben würde, was beim Stöbern in den Gmail-Mails alles an werberelevanten Informationen aggregiert werden konnte. Oder was sich aus der Dokumentenverwaltung Docs über den Nutzer destillieren lässt, oder aus den Suchabfragen, die er im Laufe der Zeit so tätigt.
- Datum 05.11.2009 - 18:16 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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das bringt leider die technologie mit sich. ich bin auch nicht begeistert von googles mangelnder transparenz. aber mir scheinen die daten bei google etwas besser aufgehoben als in sozialen netzwerken, diese laden zum sammeln der daten geradezu ein.
Bei Stellen wie "Google sollte Nutzerprofile rausrücken" oder "sollte öffentlich machen, welche Daten aus Dienst XXX gewonnen werden" wundere ich mich doch über den Autor des Artikels. Wie stellt sich dieser denn solche Profile oder Daten vor? Als Exceltabelle à la "Lieblingssportart: Tennis"? Googles Kapital sind die Techniken zur Datengewinnung und effektiven -verwaltung. Ein Veröffentlichen der Daten würde gleichzeitig eine Veröffentlichung der Techniken (zumindest zu großen Teilen) bedeuten. Und für einen Normalsterblichen wäre es wahrscheinlich eh nur ein großer Berg seltsamer Zahlen - von "Offenheit" kann da keine Rede sein.
Das Dashboard hat eine ganze Menge mit Datenschutz zu tun. Ich z.B. wusste nicht, dass Google meine Suchanfragen auswertet und mit meinem Account verbindet. Jetzt weiß ich es und weiß auch, wie ich diesen Dienst jederzeit abstellen kann. Tun werd ich dies aber nicht, denn im Internet gibt es zwei Arten zu bezahlen: Cash oder Daten. Und was das Vertrauen zu Google angeht: Ich telefoniere über T-Mobile und benutze das zwischendurch das deutsche Festnetz. Da gibt es wirklich mehr Anlass, misstrauisch zu sein, bisher.
P.S.: Was für "Serverlogdateien" für Durchschnittsnutzer von Interesse sein sollen, ist mir auch schleierhaft.
P.P.S.: Bei den meißten Punkten steht übrigens sehr wohl beispielhaft, welche Daten aggregiert wurden, z.B. die letzten Suchanfragen etc.
Ich hab übrigens gerade (nach der Lektüre des Dashboard-Artikels bei golem und dem Google-Video zum Thema) verstanden, was Sie mit den Serverlogfiles gemeint haben: Ja, die werden nicht offen gelegt. Sie werden anonymisiert und sind damit nicht mehr mit dem Profil des Nutzers in Verbindung zu bringen. Anders gesagt: Weil Google aus Datenschutz-Gründen gar keine Serverlogs zum Nutzer anzeigen können darf! Google kann Ihnen keine persönlichen Serverlogs angeben, weil Google selbst sie nicht hat - und das wollen Sie jetzt als ein ungeheuerliches Vergehen gegen den Datenschutz darstellen?
...denn Datenschutz bedeutet ja schon dem Wortlaut nach, dass Daten, die ich in das Unternehmen einspeise, in erster Linie vor dem unbefugten Zugriff Dritter besSCHÜTZT werden.
In der Vielzahl an Anwendungen, die der Google-Nutzer verwendet, gibt er eine Vielzahl von teils öffentlichen Daten ein. Dass man nun zentral einen Überblick hat und all das steuern und anpassen kann, finde ich sehr löblich und steigert die Transparenz ungemein.
Alles andere hat eher mit Verbraucherschutz zu tun. Aber auch da gilt die Faustformel: sobald du irgendwas verwendest, was Google im Namen hat, kannst du davon ausgehen, dass alles was du machst, gespeichert wird. Da wäre dann deine Transparenz.
Aber: was sollte mehr Transparenz da bringen? Nur weil man weiß, was über einen gespeichert wird, gibt einem das noch lange nicht das Recht, dem zu widersprechen. Das gälte es dann im Einzelfall zu klären. Denn was macht Google am Ende des Tages mit den erhobenen Daten? Sie verwenden diesen Wust an Informationen nur dazu, Werbung noch besser auf den einzelnen Nutzer zuzuschneiden. Da hat der Autor recht: Google gewinnt immer.
Was der Autor übersieht: der Nutzer gewinnt in einem ähnlich hohen Maße. Denn wo sonst kriegt man eine so hervorragende Suchmaschine und so geniale Tools, sei es als Privatuser oder als Administrator, geboten - umsonst? Das alles ist faktisch werbe-finanziert.
Und so ...
Und so wird daraus eine Win-Win Situation für User UND Google: der User kriegt massig Leistung für umsonst und muss dafür Werbung über sich ergehen lassen, die er sowieso über sich ergehen lassen müßte (auch überall anders, wo es was umsonst gibt). Diese Werbung ist im Zweifel auf ihn zugeschnitten und interessiert ihn somit eventuell sogar und Google verdient halt Geld damit.
Was soll also die ganze Transparenz-Diskussion? Ich bin froh, wenn Google es schafft diesen Haufen Informationen zu beschützen, Daten nicht an Dritte verkauft oder verliert und somit den DatenSCHUTZ-Anforderungen nachkommt.
Wenn Google die Daten intern verwendet um mir nur Werbung zu liefern, die ich sowieso kriegen würde - dann soll mir das recht sein.
re: JKrems -- 1
Der Datenschutz hat kein Regulierungs- sondern ein Durchsetzungsproblem, heute mehr denn je. Und auch wenn Google ein Moloch wie alle anderen großen Firmen auch ist -- mit den entsprechenden Kundenkontaktproblemen, die ja im Normalfall im Frust auf Seiten letzterer münden -- die Daten scheinen mir dort deutlich besser verwaltet und für mich zugänglich als bei vielen anderen Firmen -- siehe Telekom, Microsoft, SchülerVZ, etc.
"..was beim Stöbern in den Gmail-Mails alles an werberelevanten Informationen aggregiert werden konnte"
Manchmal würde es nicht schaden, die Datenschutzbedingungen zu lesen bevor man ein Produkt nutzt.
http://www.google.com/pri...
"Das Filtersystem von Google Mail sucht in den E-Mails der Nutzer außerdem nach Keywords, die dann abgestimmt und für die Schaltung von Anzeigen verwendet werden. Sobald ein Nutzer eine E-Mail-Nachricht öffnet, wird der Text überprüft und es werden umgehend relevante Informationen angezeigt, die auf den Text der Nachricht abgestimmt sind. Sobald die Nachricht geschlossen wird, werden keine Anzeigen mehr geschaltet. Dieser Vorgang ist vollständig automatisiert und die Abstimmung der Anzeigen auf die Google Mail-Inhalte wird nicht von Menschen durchgeführt."
Ich finde das durchaus ok. Es steht dort zwar nicht genau was gefunden wurde (z.B. Fußballfan) aber viel wichtiger is m.E. wie sie das durchführen. So wie ich diese Angabe von Google verstehe, wird kein (Werbe-)Profil zu einem User angelegt sondern nur pro aktuell dargestellter Mail Werbung angezeigt und danach wieder vergessen.
… scheint auf der Agenda der ZEIT zu stehen. Warum nur? Zunächst einmal scheint der Autor den Datenschutz-Ansatz Googles grundsätzlich missverstanden zu haben, denn meines Wissens speichert Google eben keine Daten aus den Googlemails, sondern lässt das System dynamisch Werbebotschaften zu Stichwörtern der aufgerufenen Mail einblenden. Beim Schließen der Seite verschwindet alles – ohne Datenrückstände. Dies entspricht dem Verfahren bei der Google Websuche, nennt sich Adwords und ist nicht nur das unangefochtene Spitzen-Werbesystem im weltweiten Web, sondern unter Datenschutzaspekten, jedenfalls aus meiner Sicht, ein vorbildliches und in anderen Bereichen nachahmenswertes Prinzip. Nach einem ersten Blick auf Google Dashboard fällt mir auch nicht ein, wie man verantwortungsvoller und nutzerfreundlicher mit dem Thema Datenschutz umgehen könnte: hier werden anscheinend alle gespeicherten Daten an einem Ort dargestellt und mit Links zu den Orten versehen, an denen man sie verändern oder löschen kann, inklusive den bei der Google Websuche zu meiner Person gesammelten Daten. Was wollen Sie denn mehr, Herr Biermann? Falls Ihnen hier Defizite aufgefallen sind, dann erläutern Sie diese doch bitte, das haben Sie in Ihrem Artikel versäumt.
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