Leserdebatte Hacken gegen den Faschismus?

Der Holocaust-Leugner David Irving wurde zum Opfer einer Hacker-Attacke. Daraufhin musste er Lesungen absagen. Darf Hacken erlaubt sein, um Neonazis zu entlarven?

Öffentliche Auftritte des umstrittenen Historikers David Irving sind regelmäßig von Protesten begleitet

Öffentliche Auftritte des umstrittenen Historikers David Irving sind regelmäßig von Protesten begleitet

Computer-Hacker haben das private Mail-Konto des Holocaust-Leugners David Irving geknackt und Inhalte daraus im Netz veröffentlicht. Er musste daraufhin Stationen seiner aktuellen Lesereise absagen. Die Gruppe, die sich selbst "Antifaschistische Hacker" nennt, machte auch die Namen von Anhängern, Spendern und Teile privater Korrespondenzen publik. Sie bezeichneten das als eine "Warnung an all diejenigen, die Leute wie David Irving unterstützen".

So sehr man Irving wünscht, dass seine Lesereise ausfällt - heiligt der Zweck alle Mittel? Darf man sich in private Mail-Konten hacken, um Neonazis, Geschichtsrevisionisten oder andere Übeltäter zu outen? Und wer darf das entscheiden?

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Leser-Kommentare
    • j-ap
    • 18.11.2009 um 12:24 Uhr

    Niemals.

    Es ist genau anders herum: Die Mittel sprechen die Wahrheit über den Zweck. Wer Recht und Unrecht zu einer Frage des »richtigen« Lagers, also der Gesinnung macht, der zerstört in letzter Konsequenz den Gedanken und die Essenz des Rechtes selbst.

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    Schlimm genug, dass es 65 Jahre nach Auschwitz schon wieder so weit ist. Man schämt sich, ein Deutscher zu sein.
    Deshalb spielt es keine Rolle, was man gegen den Faschismus tut. Hauptsache man tut überhaupt was!

    Schlimm genug, dass es 65 Jahre nach Auschwitz schon wieder so weit ist. Man schämt sich, ein Deutscher zu sein.
    Deshalb spielt es keine Rolle, was man gegen den Faschismus tut. Hauptsache man tut überhaupt was!

    • outis
    • 18.11.2009 um 12:39 Uhr

    Mein erstes Gefühl lässt sich am ehesten mit HäHä beschreiben, zugegben.
    Aber was in anderen Fällen großes Unrecht ist, nämlich das Ausspionieren eines Menschen zum Zweck seiner öffentlichen Demütigung und das mutwillige Beschädigen seines Eigentums, kann auch hier nicht Recht sein.
    Vor allen Dingen widerlegt ein solches Vorgehen gegen die Person Irving dessen Irrtümer nicht, es ist vielmehr geeignet den Ruf eines "Märtyrers für die unterdrückte Wahrheit" bei den Gleichgesinnten zu festigen. Von der flüchtigen Genugtuung der Schadenfreude abgesehen, ist das Vorgehen der Hacker im rechtlichen Sinn strafwürdig und in der Sache kontraproduktiv.

  1. Einerseits freut es mich natürlich, wenn Irving sein Fett abkriegt, insbesondere, wenn bekannt wird, daß er sich durch Geheimhaltung seiner Lesetermine einem für ihn wohl ziemlich unangenehmen Diskurs entzieht. Es beweist, daß das ausschließliche Interesse von rechtsradikalen Geschichtsverdrehern, zu denen Irving zweifellos zählt, darin besteht, sich gegenseitig in ihren ohnehin nicht zu erschütternden Ansichten und Glaubenssätzen zu bestätigen.

    Doch all dies hätte man auch ohne diesen Hack wissen können, insofern finde ich diesen kontraproduktiv, weil er es Irving und seinen Anhängern mal wieder ermöglicht, sich als Märtyrer der Meinungsfreiheit hinzustellen, wie vor einigen Jahren nach seiner Festnahme in Österreich. Damals landete er sogar auf der WiPC-Caselist des International PEN, der in einer Bekanntmachung an seine Mitglieder sinngemäß betonte, daß man Anschauungen á la Irving am besten durch offene Diskussionen aus der Welt räumt.

    Und der Hack hat durchaus einen Haugout, wenn man weiß, daß die Rechtsradikalen seit Jahren ihre Hatz auf mißliebige Personen durch die Veröffentlichung von persönlichen Angaben auf ihren Internetseiten betreiben - vermutlich, damit in nächster Nähe wohnende "Kameraden" den Betreffenden "mal Bescheid stoßen" können.

    Ich will Irvings Privatdaten nicht haben und verbitte mir deshalb derartige "Hilfsaktionen" von selbsternannten "Antifaschisten", die sich insofern kaum zivilisierter aufführen als ihre braunen Pendants.

  2. Unrecht ist es auf jeden Fall, denn es verstoesst gegen geltendes Recht. Aber Gerechtigkeit ist ein verwaschene Grauzone, die der subjektiven Interpretation unterliegt. Ich selber finde es gerecht und unterstuetze diese Aktion, trotzdem wuerde ich keine Aenderung des Rechts in diesem Punkt befuerworten, denn wenn man anfaengt Ausnahmen zu machen, endet das nie gut. Also konesquent bleiben!
    Ist eine aehnliche Frage wie bei Robin Hood.

    Koennt ihr mir folgen oder klingt das zu paradox?

    • cansu
    • 18.11.2009 um 12:59 Uhr

    Die "Hacker" suspendieren genau die Werte, die sie zu verteidigen vorgeben.

    Jemanden auf Grund seiner politischen Gesinnung als vogelfrei zu erklären, eröffnet ungeahnte Möglichkeit für jede Form totalitärer Aktionen. Wenn das Schule macht, kann man sich wieder Weib, Haus und Geld seines Nachbarn sichern, wenn man ihn als Nazi "enttarnt".

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    Ich frage ob irgend jemand die Buecher von D.Irving gelesen hat?65 Jahre nach Kriegsende waere es eigentlich an der Zeit, dass eine kritische Betrachtung der Hauptfiguren moeglich sein sollten. Im Grunde genommen Ist die BRD ein Staat, in dem keine Meinungsfreiheit herrscht.Weder die Parteien noch die Regierenden respektieren das Grundgesetz, und der Gestapo- aehnliche Verfassungsschutz schuetzt die Regierenden und nicht die verfassung.

    Ich frage ob irgend jemand die Buecher von D.Irving gelesen hat?65 Jahre nach Kriegsende waere es eigentlich an der Zeit, dass eine kritische Betrachtung der Hauptfiguren moeglich sein sollten. Im Grunde genommen Ist die BRD ein Staat, in dem keine Meinungsfreiheit herrscht.Weder die Parteien noch die Regierenden respektieren das Grundgesetz, und der Gestapo- aehnliche Verfassungsschutz schuetzt die Regierenden und nicht die verfassung.

    • Wien4
    • 18.11.2009 um 13:03 Uhr

    Wenn ein Historiker wie David Irving, ein Holocaust-Leugner, sich unter Angabe falscher Informationen Räume für seine öffentlichen Auftritte mietet, finde ich es legitim, auf die Daten, die eine freie Gruppe im Internet veröffentlicht, zurückzugreifen, um gegen diese Öffentlichkeit Position zu beziehen. Wichtig ist dabei, nicht den emotionalen Aspekt ausser acht zu lassen. Provokant gefragt, hätte man einer historischen Figur wie Hitler auch sein Briefgeheimnis garantieren müssen?

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    • bivi
    • 25.11.2009 um 17:49 Uhr

    David Irving ist alles mögliche, aber KEIN HISTORIKER!!!!!

    Er hat 'mal versucht Physik, Wirtschaftswissenschaften und Geschichte zu studieren, alles abgebrochen, also ohne Abschluss und Qualifikation beendet, dann ein Jahr als Stahlarbeiter bei Krupp gejobbt (siehe.z.B. bei Wikipedia) und dilletiert seitdem als selbsternannter Historiker.
    Er trägt nicht nur Scheuklappen, sieht also nur das was er sehen will, sondern verbreitet nachweislich historische Unwahrheiten.
    Ihn einen Historiker zu nennen beleidigt nicht nur eine ganze Berufsgruppe, sondern darüber hinaus jeden wachen, kritischen Bürger!

    • bivi
    • 25.11.2009 um 17:49 Uhr

    David Irving ist alles mögliche, aber KEIN HISTORIKER!!!!!

    Er hat 'mal versucht Physik, Wirtschaftswissenschaften und Geschichte zu studieren, alles abgebrochen, also ohne Abschluss und Qualifikation beendet, dann ein Jahr als Stahlarbeiter bei Krupp gejobbt (siehe.z.B. bei Wikipedia) und dilletiert seitdem als selbsternannter Historiker.
    Er trägt nicht nur Scheuklappen, sieht also nur das was er sehen will, sondern verbreitet nachweislich historische Unwahrheiten.
    Ihn einen Historiker zu nennen beleidigt nicht nur eine ganze Berufsgruppe, sondern darüber hinaus jeden wachen, kritischen Bürger!

  3. Wer spielt in diesem Spiel welche Rolle:
    *Die ZEIT* ist derjenige, der das Material von Wikileaks Nutzt um daran zu verdienen. Dass wurde, wie ich finde, in einer rein journalistischen Form mit nur minimalem ansehen der Person getätigt. Das ist OK
    *Wikileaks* ist nur die Plattform auf der etwas veröffentlicht wird. Die unterscheiden lediglich ob etwas über eine bestimmte Bedeutungshöhe kommt oder eben nicht. So ist der Steuerbescheid von Tante Frieda auf Wikileaks garantiert unter; der von Angela Merkel garantiert über dieser Höhe.
    David Irving ist, so seltsam es klingen mag, das Opfer. Mag man zu Ihm stehen wie man will, "unschuldig" mag ungewohnt sein, jedoch ist es hier passend. Selbst das Passwort hat genug Komplexität, dass nicht jeder dahergelaufene Vollstopfen das errät. AOL ist auch nicht unbedingt dafür bekannt, dass die private Daten Ihrer Nutzer auf Handzettel verteilen. Irving hat eigentlich alles richtig gemacht (vom Inhalt der Mails mal abgesehen)
    *Die Hacker* haben eindeutig eine Vorauswahl der Mails getroffen, die sie veröffentlicht haben. Was übriggeblieben ist, ist ein Reiseführer durch die private Kommunikation eines Nazis, nicht die eines Privatmannes. Dazu ist zuwenig Spam drin. Allerdings muss man mal wieder Kant hervorholen: http://bit.ly/1qtn5S
    Wollen die Hacker, das ihre eigene Konversation im Netz breitgetreten wird?
    Wenn es hier einen schuldigen gibt, dann am ehesten die Hacker, obwohl deren Werk noch gerade im dunkelgelben Bereich einzuordnen ist.

    • Loki45
    • 18.11.2009 um 13:19 Uhr

    Ist es gestattet, dass man(n) Diebe verprügeln und Autoknacker hängen darf?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
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  • Schlagworte David Irving | Bevölkerung | Hacker
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