Nicht nur für die Kaufhäuser des in Insolvenz befindlichen Versandhändlers Quelle gibt es Interessenten. Auch seine virtuellen Güter sind Geld wert. Die Datei der Kunden beispielsweise. Acht Millionen Datensätze sind darin enthalten und geben Auskunft darüber, wer sich für welche Waren besonders interessiert.

Thomas Schultz, der Sprecher der Insolvenzverwaltung, bestätigt, dass es verschiedene Angebote für diesen Datenschatz gibt. Namen und einen möglichen Preis wollte er nicht nennen, sagt aber: "Wer in den Versandhandel investieren möchte, hat Interesse daran."

Daten- und Verbraucherschützer dagegen sehen den Deal mit Besorgnis, hätten die Kunden doch nie zugestimmt, an andere weitergereicht zu werden, und würden auch nicht gefragt. Verhindern aber können Datenschützer den Verkauf nicht.

Günther Dorn ist Leiter des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht und damit zuständig für die Daten von Quelle. Er sagt, es gebe keine rechtliche Möglichkeit, den Verkauf zu verhindern, solange sich der Insolvenzverwalter an das Datenschutzgesetz und das darin stehende "Listenprivileg" halte.

Das besagt, dass Kundendaten nach bestimmten Kriterien zu Listen sortiert und gehandelt werden dürfen. Erlaubt sind demnach Angaben zu Name, Anschrift und Geburtsjahr. Darüber hinaus darf ein weiteres Merkmal hinzugefügt werden. Im Fall Quelle wäre das dann wohl die bevorzugte Warengruppe, wie Unterhaltungselektronik oder Wein beispielsweise.

Das klingt harmlos, doch macht es den Aufsichtsbehörden trotzdem Bauchschmerzen. Immerhin ist ein Fall vergleichbarer Größe bislang nicht bekannt geworden – noch nie wurden in Deutschland so viele Endkunden offiziell verkauft.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert denn auch, die Daten müssten gelöscht und nicht verscherbelt werden. "Der Insolvenzverwalter muss dafür sorgen, dass Kundendaten nach Abwicklung aller Vertragsbeziehungen gelöscht werden", erklärte Vorstand Gerd Billen.