Social Networks : Was verraten soziale Netzwerke? Alles!

Das Internet ist die beste Möglichkeit, sich mit anderen zu vernetzen. Es gibt aber auch jedem die Gelegenheit, solche Verbindungen zu sehen. Und die zeigen viel von uns.
Was Besucher darüber verraten, wer im Weißen Haus wichtig ist und wer nicht

Wenn es um Privatsphäre ging, war die größte Sorge von Datenschützern lange, den Inhalt von Kommunikation zu sichern. Briefe lesen, Telefonate mitschneiden, Gespräche belauschen – diese Dinge sollten unbedingt verhindert oder auf ein absolutes Mindestmaß beschränkt werden.

Aber je besser die Netzwerke, in denen wir Menschen uns so organisieren, öffentlich einsehbar sind, desto stärker wird auch offensichtlich, wie viel allein diese Vernetzungsdaten über uns verraten. Und dass sie im Zweifel die bedrohlicheren Informationen über uns bereithalten.

Deutliche Hinweise darauf liefert die Vorratsdatenspeicherung. Wer mit wem, wann, wie viel und von wo aus telefoniert, kann aufschlussreicher sein als der Inhalt der Gespräche selbst, schrieb der Chaos Computer Club in einem Gutachten für das Bundesverfassungsgericht. Glücklicherweise also sind solche sogenannten Verbindungsdaten nicht jedem zugänglich.

Doch gilt das nur für das Telefonieren. In Netzwerken wie Twitter oder Facebook dagegen kann jeder sehen, wer mit wem wie oft kommuniziert. Womit wir jedem, der es wissen will, aussagekräftige Daten liefern.

Wie aussagekräftig sie sind, zeigt beispielsweise eine gerade veröffentlichte Studie von Jan Kratzer von der TU Berlin und Christopher Lettl von der Universität Arhus in Dänemark. Sie untersuchten die Beziehungen von 537 Schülern aus 23 Schulklassen – nicht in einem sozialen Netzwerk, sondern ganz klassisch, indem sie die Schüler befragten, wer sich in ihrer Klasse wie verhält und mit wem redet.

"Meinungsmacher" und "Anführer" sind klar erkennbar

Sie wollten wissen, wie zwei bestimmte Persönlichkeitstypen in diesen Netzwerken verknüpft sind und ob sie sich anhand ihrer Vernetzung identifizieren lassen. Beileibe kein neuer Ansatz. Beeindruckend an der Studie aber ist, wie klar sich zwei – auch für Staaten und Sicherheitsdienste interessante – Nutzergruppen zeigen lassen. "Meinungsmacher" und "Anführer" sind, so das Ergebnis, anhand ihrer Verbindungsdaten klar erkenn- und unterscheidbar.

Nach Definition der Forscher sind "Anführer" diejenigen, die mit vielen verschiedenen Gruppen vernetzt sind und dank diesen diverse Informationen erhalten sowie verschiedenen Einflüsse ausgesetzt sind. Eine solche Brückenfunktion erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass sich derjenige zu einem "lead user", also einem Vorreiter oder Leitwolf entwickele.

"Meinungsmacher" dagegen sind nur innerhalb einer bestimmten Gruppe vernetzt, in dieser aber sehr gut und durch viele direkte Beziehungen. Sie würden als "Hub" in dieser Gruppe funktionieren, also als Knoten- oder Mittelpunkt und Haltungen innerhalb der Gruppe stark beeinflussen.

Die beiden Wirtschaftswissenschaftler interessierten sich für diese Typen aus rein wirtschaftlicher Sicht. Wollten sie doch untersuchen, wie Produktideen entstehen und verbreitet werden, und wer für die Verbreitung neuer Produkte verantwortlich ist – wie viele Trendsetter es also braucht, bis irgendeine neue Marke für Massen interessant wird und so viel Geld einbringt.

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Die Frage ist, was man will

Will man sich ganz normal vernetzen, ist facebook ok bei entsprechend niedrigen Einstellungen. Will man etwas Grenzwertiges mnachen, sollte man auf jeden Fall die Finger davon lassen, lieber ein eigenes Netzwerk aus alternativen Instant-Messengers, eigenen Websites, toten Briefkästen etc. machen. Außerdem steht noch Kurzwelle und UKW zur Verfügung, wenn man einen entsprechenden Schein besitzt.

Ansonsten kann man doch nicht so naiv sein, daß es irgend etwas Geheimes gibt, wenn schon Briefe geöffnet werden, wie im Umfeld der Hamburger "alternativen Szene" 2008 zum G8-Gipfel in Heiligendamm geschehen. Wer militärisch oder geheimdienstlich operiert, findet fast alles heraus.
Ich sage mal so: die Telekom gehört zum großen Teil dem Staat, und jeder, der Telefon oder Internet über ein Telekomkabel nutzt, ist den Geheimdiensten wehrlos ausgeliefert, ebenso auch der Neugier und Geschäftstüchtigkeit einiger Telekomangestellten. Wer sagt uns, daß nicht das gesamte Telefon - und Datennetz gefiltert wird? In USA ist so etwas schon einmal aufgeflogen.

Der einzige Weg dies zum umgehen ist es, dieses Spiel nicht zu spielen.

Wer öffentliches mit privaten vermischt, in einer Zeit, die für eine solche Transparenz noch nicht reif ist, oder es vielleicht auch nie sein wird, sollte sich über die vielfältigen Arten des Missbrauchs von Daten nicht wundern.

Wer seinen Freunden Briefe schrieben will, sollte dies per Mail tun, wer mehr zu sagen hat, kann sich auf Blogs, Twitter und Mailingslisten austoben. Wer gerne Fremde Menschen trifft, kann sich irgendwo engagieren – auch im Internet, wenn dies nicht alles ist.

Wer sich oder seine Kinder gruseln möchte sollte mal nach den Seiten suchen die „soziale Netzwerke haben mein Leben ruiniert“-Momente sammeln. Es gibt eine Menge davon.

Das Internet ist nichts für Kinder. Datenschutz und Aufklärung sollten hier an erster Stelle stehen, soziale Dienste vermitteln das falschen Gefühl von „mitmachen können“ – Man macht erst mit, danach wird mit den freiwilligen herausgegebenen Daten etwas gemacht, dass man dann nicht mehr steuern kann; sei es von Fremden oder von Firmen.

Was ist "Alles!"?

Ich lese ZEIT online deswegen lieber als andere News Sites, weil ich hier normalerweise nicht mit reißerischen Headlines gekördert werde.

Dieser Artikel hält aber nicht, was seine Headline verspricht. Statt mir endlich mal zu verraten, was die Datenschnüffler denn nun wirklich herausfinden, verkündet er nur die altbekannte Tatsache, dass Netzwerke bevorzugte Stätten des Datamining sind und viele, viele Studien dies belegen.

Mich würde wirklich interessieren, a) welche Firmen und Institutionen b) welche Informationen und Daten über d) einen Nutzer von Sozialen Netzwerken, der KEIN 15-jähriger Schüler ist, der alle Daten ungeschützt in die Welt posaunt, zu e) welchem Zweck und mit welcher Konsequenz ausspionieren.

*Diese* Geschichte habe ich noch nirgends gefunden. Alles bleibt immer sehr im Allgemeinen und Simplen. Es gibt Anführer und Meinungsmacher, und das kann man herausfinden. Aha. Vor acht Jahren hat ein Programmierer herausgefunden, dass die 9/11 Terroristen miteinander vernetzt waren. Ok. Nun wies er nnsten belästigt wurden? Und welche Daten wurden dabei ausspioniert?
ach, dass nicht Michelle Obama, sondern eine Frau Tchen die wichtigste Person im Weißen Haus ist, anhand von veröffentlichten Besucherdaten. Teufel nochmal!

Was mich interessieren würde: Was sind die konkreten Gefahren und welche Verstöße gibt es - sind Fälle von Nutzern bekannt, die aufgrund ihrer Aktivitäten von Werbefirmen traktiert oder von Geheimdie

Konkreten Gefahren sind immer so eine Sache – Menschen schätzen „Gefahren“ (Was ist Sicherheit?) verschieden und oft recht falsch ein. Aber Sie haben ja konkrete Fragen gestellt, dass finde ich gut.

Hier könnte man mal im Umfeld der BigBrotherAwards suchen. Einige Fälle werden zu den Fragen passen, anderen mögen überzogen paranoid erscheinen.

Ansonsten müsste DIE ZEIT mal einen Mathematiker/Modellierer der in diesem Bereich arbeitet interviewen – auf welcher Datengrundlage werden Modelle für Preise, Märkte, Angebote bei Versicherungen und Banken erstellt werden und in wieweit hier schon neuen Methoden und Daten einfließen.

Herrschen noch „klassische“ Methoden (Stebe-, Geburten-, Krebsregister) vor oder werden auch schon neuen Data Mining Quellen eingebunden? Amerikanische Banken/Versicherungen sind hier recht aktuell, sie nutzen sogar Facebook und zugekaufte Daten zur „Erforschung“ ihrer Kunden mit, meist aber eher zur „Ergänzung“ bei „Einzelfällen“.

Hier in DEU gilt dies eher für die GEZ und die Werbung. Für einige CRM-Systeme kann man auch in DEU „Füllungen“ bekommen, die Analyse „welcher Kunde ist für mich wertvoll“ steckt in allen Systemen, auch eine Bewertung nach Postleitzahl/Straße ist teilweise üblich…

Es geht hier nicht so sehr um die "Stalkbarkeit" des einzelnen (dies geht auch schon sehr gut) sonder um die Ablesbarkeit und Manipulierbarkeit der gesellschaftlichen Gruppen. Hier freut sich die Marktforschung/Betrieb und der Konsument/Wähler wundert sich.