Datenmissbrauch Meine Identität gehört mir!
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Fortsetzung folgt

Nur wenige Tage später liegt erneut ein Mahnschreiben im Briefkasten. Diesmal von Domnowski Inkasso. Rund 1600 Euro möchte das Unternehmen von mir haben – für eine Bestellung bei einer Modefirma aus Norddeutschland, deren Name ich noch nie gehört habe. Allmählich dämmert mir, dass ich, soll der Spuk aufhören, Kontakt zu allen großen Auskunfteien aufnehmen muss.

Wieder versende ich die Briefe per Einschreiben. Wieder warte ich tagelang auf Antwort. Und lerne einige Wochen später, dass dies nicht genügt und vor Gericht auch nicht beweisbar wäre – denn ein Einschreiben weist nicht nach, was versandt wurde. Fortan stelle ich Schriftstücke zuvor per Fax zu, archiviere den Sendebericht und schicke danach die Briefe mit der Post.

Jeden Abend begleitet mich das gleiche ungute Gefühl, wenn ich den Briefkasten leere. An einen längeren Urlaub ist derzeit nicht zu denken. Denn wenn die meist sehr kurzen Fristen in den Mahnungen verstreichen, kündigen die Inkassounternehmen Pfändungen durch Gerichtsvollzieher an. Versäume ich eine dieser Fristen, riskiere ich, dass mein Gehalt oder Konto gepfändet werden. Meine Freizeit verbringe ich fast ausschließlich mit Schadensbegrenzung. Jeden Abend schreibe ich Briefe an Auskunfteien und Unternehmen, an Inkassofirmen und immerzu das Update für die Ermittlungsbehörden. 400 Arbeitsstunden scheinen eine eher optimistische Rechnung zu sein.

Irgendwann erzähle ich die Geschichte einem Freund, der Schriftsteller ist. Er findet sie furchtbar – furchtbar anregend. "Das ist ein toller Stoff für einen Thriller!", sagt er. Ja, das hatte ich auch schon überlegt. Er spinnt weiter: "Stell dir vor, du würdest so herausfinden, dass du eigentlich eine multiple Persönlichkeit bist – und noch ein zweites Leben führst, von dem du nichts ahnst." Mich gruselt diese Idee. Aber ich muss auch darüber lachen. Das erste Mal nach Wochen.

Wie sich unsere Redakteurin gegen den Betrug wehrt, was Experten zur Rechtssituation sagen und wie sich die geschädigten Unternehmen sowie die Auskunfteien gegenüber den Opfern verhalten, werden wir in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge berichten. Fortsetzung folgt. Wer selbst schon einmal Erfahrungen mit Datenmissbrauch und Identitätsdiebstahl im Internet gemacht hat, kann sich gerne in der Redaktion melden.

 
Leserkommentare
  1. das thema ist neu und interessant >.<
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    also, entschuldigung, ich kann mir das jetzt auch einfach nicht verkneifen, aber das wundert mich nicht von jemandem, der seinen reifen fast bis zum platzen auffüllt und nicht weiß, daß im winter, wenn die temperaturen unter den gefrierpunkt sinken, frostschutz im wassser nötig ist.

    ;-)))

  2. betrügerischer Identitätsdiebstahl sollte mit drastischen mehrjähriger Gefängnisstrafe belegt werden.

    Hat der Normalbürger seine Computersicherung nicht richtig im Griff können ihm Hacker wichtige Daten klauen. Das halte ich persönlich für sehr kriminell und dazu ihn noch seine Identität stehlen u.a in fremde Computer sich einnisten ist verabscheuenswert. Da sollte sich mal mehr unsere Kripo im Internet einschalten um Häcker den garaus zu machen.

    Aber mit Radarfallen auf unseren Straßen die dann ja auch noch bearbeitet werden müssen mit viel Aufwand kann man ja mehr Geld bei uns abzocken.

  3. imhobegibt sich auch das Inkassounternehmen mit seinen unbelegten (und unbelegbaren) Behauptungen auf ein dünnes Eis. Da sollte man sich nicht lange abwimmeln lassen, sonden gegebenenfalls selber diese Firma anzeigen. Dann wird man ja schnell sehen, wie weit es mit den Belegen dafür her ist.

  4. 4. -

    In diesem Fall duerfte Frau Groll noch Glueck haben, weil sie nachweisen kann, dass sie unter den anderen Adressen nie gemeldet war. Was aber inzwischen haeufig vorkommt ist, dass Mitbewohner, Nachbarn im selben Mehrparteienhaus oder sogar Familienmitglieder Bestellungen auf die Namen anderer abschliessen - und dann ist es unmoeglich, zu seinem Recht zu kommen - denn Sendungen gelten seit einigen Jahren dann als "sicher zugestellt", wenn sie unter der korrekten (Melde)Adresse angenommen wurden - eine durch Unterschrift oder gar Vorzeigen des Personalausweises bestaetigte Annahme ist nicht mehr noetig. Dies sollte DRINGEND geaendert werden!

    • TDU
    • 11.02.2010 um 17:58 Uhr

    Unfassbar, dass ein Delikt, was tausendfach in den USA seit Jahren auf dem Postweg passiert, die haben, wenn man einem Krimi glaubt sogar einen eigene Polizeiabteilung dagegen, jetzt auch so leicht im Internet passieren kann. Meine aufgeklebten Anschriften auf Postsendungen zerreiße ich seitdem in kleine Stücke.

    Aber wenn gegen Geldwäsche und EDV Kriminalität allgemein angeblich deutschlandweit 50 Beamte im Einsatz sind, muss man sich nicht wundern. Da sind Daten CD`S und der Zugriff der Finanzämter auf Privatkonten wichtiger.

    Wenn es nach mir ginge, wären 10 Jahre Mindesstrafe angemessen. Man wird um seine Zeit und seinen Ruf bestohlen und kann nicht mal auf genügend Beistand hoffen. Abgesehen, was das ganze Wehren kosten kann.

    Irgendwelche Verweise auf Datenschutzmaßnahmen sind hilfreich aber entlasten die Täter nicht. Oder muss ich meine Wohnung verriegeln und verrammeln. Es wird langsam Zeit, dass Internet Deilkte vom Kavaliersprivileg befreit werden.

  5. Nur so interessehalber, warum braucht man das Geburtsdatum einer Person? Der Fall ist natürlich schlimm, ich habe auch mal ein Inkasso-Schreiben bekommen und bin entsetzt über deren Einschüchterungsmethoden. Der Irrtum lag beim Händler, der sich nie bei mir entschuldigt hat... Aber wie immer gilt leider: es hätte immer noch schlimmer kommen können. Es ist ja keine große Geschichte mehr, Fake-Profile realer Personen anzulegen, wo diese Personen diskreditiert werden. Fotos gibts es ja von jedem im Netz, die Daten müssen nur ungefähr stimmen und keines der mir bekannten Netzwerke, auch Xing, überprüft tatsächlich, ob die Person, die sich anmeldet, auch die ist, für die sie sich ausgibt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Lieber Zaitberg: In meinem Fall brauchten die Betrüger das Geburtsdatum, weil sie in so großen Summen (meist einige 100 bis einige 1000 Euro) bestellten. Bei diesen Summen machen die meisten Onlineshops eine Bonitätsprüfung und fragen die Identität bei den Auskunfteien (Schufa, Bürgel u.a.) ab. Darum funktionieren fiktive Identitäten ja nicht, denn dann würden die Versandhäuser merken, dass diese Personen nicht real sind. Zu realen Personen gibt es indes reale Bonitäten. Meine Kreditwürdigkeit war entsprechend gut. Das einzig "Gute" daran ist, dass die Betrüger die Kreditwürdigkeit entsprechend ruinieren. Zwischendurch sank sie bspw. bei der Schufa von 100 auf 5 Prozent. Dann funktioniert der Betrug nicht mehr. Kein Shop versendet Waren für eine Person, deren Bonität so gering ist. Wenn das eintritt, ziehen die Betrüger in der Regel weiter und suchen sich eine neue Identität, mit der sie das gleiche Spielchen erneut treiben.
    Die realen Personen erfahren erst Monate später - oder durch Zufall, weil sie auf einmal kein Auto kaufen können, keinen Kredit mehr bekommen oder keinen Handyvertrag abschließen können - oder eben eine Selbstauskunft von den Auskunfteien anfordern.
    Im Netz bei den Socialnetworks dagegen benötigt man das Geburtsdatum nicht, um sich einen Fake-Account unter einer fremden Identität anzulegen.

    Tina Groll, ZEIT ONLINE, Redakteurin

    Redaktion

    Lieber Zaitberg: In meinem Fall brauchten die Betrüger das Geburtsdatum, weil sie in so großen Summen (meist einige 100 bis einige 1000 Euro) bestellten. Bei diesen Summen machen die meisten Onlineshops eine Bonitätsprüfung und fragen die Identität bei den Auskunfteien (Schufa, Bürgel u.a.) ab. Darum funktionieren fiktive Identitäten ja nicht, denn dann würden die Versandhäuser merken, dass diese Personen nicht real sind. Zu realen Personen gibt es indes reale Bonitäten. Meine Kreditwürdigkeit war entsprechend gut. Das einzig "Gute" daran ist, dass die Betrüger die Kreditwürdigkeit entsprechend ruinieren. Zwischendurch sank sie bspw. bei der Schufa von 100 auf 5 Prozent. Dann funktioniert der Betrug nicht mehr. Kein Shop versendet Waren für eine Person, deren Bonität so gering ist. Wenn das eintritt, ziehen die Betrüger in der Regel weiter und suchen sich eine neue Identität, mit der sie das gleiche Spielchen erneut treiben.
    Die realen Personen erfahren erst Monate später - oder durch Zufall, weil sie auf einmal kein Auto kaufen können, keinen Kredit mehr bekommen oder keinen Handyvertrag abschließen können - oder eben eine Selbstauskunft von den Auskunfteien anfordern.
    Im Netz bei den Socialnetworks dagegen benötigt man das Geburtsdatum nicht, um sich einen Fake-Account unter einer fremden Identität anzulegen.

    Tina Groll, ZEIT ONLINE, Redakteurin

    • TDU
    • 11.02.2010 um 18:11 Uhr

    Telefonflatrate, 40 Stundenwoche bei Zeitarbeit und Geringverdiener. 0180 Nummern überall, teuer in der Flatrate und während der Arbeitszeit ist telephonieren nicht erlaubt. Man kann keinen Anwalt bezahlen kommt um 19.00 Uhr nach Hause, wenig Urlaub und keiner glaubt einem, und einige witzeln noch. Bei längerer Dauer der Angelegenheit ist man sehr schnell weg vom Fenster.

    Das zeigt, dass diese Delikte im Gegensatz zu einem Diebstahl eines Teils des Geldes eine Bedrohung der Existenz darstellen.

  6. Selbst Gutachter im Auftrag einer Landesärztekammer unter Vorsitz eines Juristen sind nicht davor gefeit, so genanntem Identitätsdiebstahl aufzusitzen: Laut eines solchen durch eigene Gerichtsbarkeit erstellten Gutachtens soll ich im Sommer des Jahres 2003 einen Facharzt für Neurologie und Psychiatrie konsultiert haben. Zur fraglichen Zeit behandelte mich indes eine Universitätsklinik stationär. Wenig später rief unter meinem Namen und Wohnort eine männliche Person darüber hinaus bei einem öffentlich-rechtlichen Radiosender an und nahm an einer Befragung eines Studiogastes teil. Tatsächlich erfüllt Identitätsklau also den Straftatbestand der Nachstellung. Zwar wandte ich mich an eine Polizeiwache und der diensthabende Polizist hielt auch Rücksprache mit seinem Vorgesetzten. Allerdings räumte die Polizei ein, zum derzeitigen Stand keine Handhabe zu besitzen und riet mir, die Nachstellungen zu beobachten und gegebenenfalls einem Rechtsanwalt vorzulegen, weil Nachstellungen meist in Tateinheit nicht allein mit Betrug begangen werden.

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