"Zur Selbstbestimmung gehört auch die Möglichkeit der nachträglichen Kontrolle. Es muss möglichst einfach sein zu erfahren, was mit den eigenen Daten geschehen ist." Dieser Satz stammt nicht von einem Datenschützer sondern von Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Geschrieben hat er ihn in einem Essay für die Zeitung Der Tagespiegel am Sonntag, in dem er versichert, die Bundesregierung wolle "die Freiheit des Internets bewahren".

All jene, die fürchten, dass das Internet mehr und mehr überwacht und reguliert wird, werden das gerne hören. Und nicht nur das. Immerhin hat der Innenminister in dem Text auch eine Lieblingsidee des Chaos Computer Clubs (CCC) gelobt: den Datenbrief.

Der meint die Forderung, gesetzlich zu regeln, dass Unternehmen ihre Kunden über alle Daten informieren müssen, die sie von ihnen gespeichert haben. Einmal im Jahr, so die Idee, sollen sie jeden Betroffenen per Brief darüber aufklären: was wurde über ihn gespeichert, was wurde daraus an neuen Informationen generiert, beispielsweise eine Bewertung der Kreditwürdigkeit und an wen und zu welchem Zweck wurden die Daten weitergegeben.

De Maizière schreibt: "Auch wenn hier der Teufel im Detail steckt, ist der Vorschlag prüfenswert. Das Bundesinnenministerium wird daher Vertreter der Netz-Community, des Datenschutzes und der Wirtschaft einladen, gemeinsam ein Konzept für einen solchen Datenbrief zu entwickeln und dieses in einem Pilotprojekt ergebnisoffen zu testen."

Das klingt nicht schlecht, findet Frank Rieger. Er ist einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs und so etwas wie der Wiederentdecker des Datenbriefes, dessen Idee bereits aus den achtziger Jahren stammt. Rieger begrüßt die Haltung des Innenministers: "Ich hoffe, dass der neue Trend in der Politik, den Dialog mit der Netzgesellschaft zu suchen und über Grundwerte nachzudenken, ernst gemeint und nicht nur leere Rhetorik ist." Für Rieger und den CCC bietet der Brief die Chance, "grundlegende Weichen für den Schutz der Rechte des Individuums im Digitalzeitalter zu stellen".