Überwachung per Laptop : Schule unter Spionageverdacht

Eine amerikanische Schulverwaltung loggte sich auf den Notebooks ihrer Schüler ein und schaltete unbemerkt die Webcam ein, um sie zu kontrollieren – auch zu Hause.
Der Blick ins private Wohnzimmer der Schüler ist für Lehrer eigentlich tabu

Ein moderner Schüler schreibt nicht mehr mit gespitztem Bleistift von der Tafel ab. Er tippt die Formeln und Vokabeln gleich in seinen Laptop. Und ein moderner Lehrer? Der hält nicht mehr Wache auf dem Pausenhof und ermahnt mal hier einen Rüpel und tröstet da einen Außenseiter. Er setzt sich lieber ins Lehrerzimmer, schaltet sich unbemerkt per Remote Desktop, also per Fernzugriff auf den Laptop seines Schülers, aktiviert ebenso heimlich Webcam und Mikrofon, und beobachtet dann das wilde Treiben seines Schützlings. Der übrigens schon längst zu Hause ist.

Interessant, was der besorgte Lehrer da entdeckt: Die Mutter läuft nackt in der Wohnung herum, der Sohn lädt illegal Pornovideos herunter und Papa trinkt schon nachmittags das erste Bier. Da ist es an der Zeit, das auf dem nächsten Elternsprechtag auf die Tagesordnung zu setzen.

Was wie eine überzogene Neuauflage alter Überwachungsängste klingt, scheint laut dem Courthouse News Service, einem amerikanischen Nachrichtendienst für Anwälte, tatsächlich so passiert zu sein. Die Verwaltung der Harrington High-School in Pennsylvania hat ihren Schülern offensichtlich nicht nur tragbare Rechner zur Verfügung gestellt, um sich den Anschein digitaler Weltläufigkeit zu geben. Sie hat diese Rechner wohl auch benutzt, um die Aktivitäten ihrer Schüler per Remote Control zu überwachen. Und auf diesem Wege möglicherweise sogar einen Blick in die Wohnzimmer ihrer Schüler erhascht.

Die Eltern eines betroffenen Schülers jedenfalls haben jetzt Anklage erhoben (hier die Klageschrift). Soweit sich der Fall aus Sicht der Betroffenen darstellt, war der Auslöser eine Ermahnung der stellvertretende Schulleiterin Lindy Mastko. Sie hatte den betroffenen Schüler darüber informiert, dass er sich "zu Hause unangemessen verhalten würde". Auf Nachfrage habe sie auf die Möglichkeit der Schulbehörden hingewiesen, die Webcam am Rechner von außen zu aktivieren und zudem Screenshots vom Bildschirm des Schülers machen zu können. Sowohl die Überwachung per Remote Desktop als auch das Einschalten der Webcam sei aber ohne die Zustimmung und das Wissen des Betroffenen erfolgt.

Der zuständige Superintendent Christopher McGinley hat inzwischen auf seiner Webseite offiziell Stellung zu dem Fall genommen: Das Tracking-Feature auf den Schul-Laptops sei nur installiert worden, um gestohlene und verlorene Laptops wieder zu finden. Und das auch nur, wenn dafür eine schriftliche Zustimmung der Eltern vorlag. Dieses Feature sei zu keinem anderen Zweck benutzt worden, versichert McGinley.

Dass dies womöglich kein Einzelfall ist, belegt ein Ausschnitt aus der Sendung Digital Nation des Magazins Frontline. Auch darin kommt ein IT-Administrator einer Schule zu Wort, der in erstaunlicher Unbefangenheit davon berichtet, wie er die Rechner seiner Schüler kontrolliert. "Die merken gar nicht, dass sie beobachtet werden", sagt er darin. "Ich erlaube mir gerne einen kleinen Spaß mit ihnen und schieße ein Foto."

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Das ist echt

die Härte!
Lehrer die über die Webcam spannern.
Sollten die nicht Arbeiten kontrollieren und sich auf die nächsten Unterrichtsstunden vorbereiten?

Was ich als Individum Zuhause mache geht ja wohl niemanden etwas an. Wenn ich gerne nackt durch die Zimmer laufe (falls ich mir die Energiekosten für die Heizung leisten kann, Eon Hanse!!) ist das meine ganz persönliche Angelegenheit.

Persönlichkeitsschutz hat seit 9/11 wohl keine Bedeutung mehr in Usaland. Jeder Schüler ist eine potenzieller Terrorist, oder wie?

Na ja, wer an seinen Schulen die Kreationstheorie unterrichten lässt hat sowieso nicht alles Tassen im Schrank. Die USA, ein Land voller Möglichkeiten und Wiedersprüche.

Die Härte...

... ist lediglich Ihr von Rechtschreibfehlern nur so strotzender Beitrag. Nur mal als Gedankenanstoß: Individuum, spannen...

Anscheinend sind Sie auch noch nicht oft bzw. überhaupt nicht in den USA gewesen, denn die europäische und die Kultur der Amerikaner kann man sicherlich nicht miteinander vergleichen.

Die Aktion ist zutiefst verwerflich, was aber staatliche Behörden wie FBI, CIA etc. damit zu tun haben, erschließt sich mir nicht. Oder haben die die Schule unterwandert, um dieses Netzwerk zu etablieren? Mit so einem Unfug wären Sie zumindest nicht besser als die Personen, über die Sie so schimpfen.

P.S.: Was soll die Abrechnung mit e.on hier erreichen?

Lavalampe hatte einen schlechten Tag

@ Lavalampe:

Zunächste, Rächtschraibfähler die Sie finden dürfen Sie gerne behalten. Frei nach dem Motto, den Splitter im Auge des Anderen sehen, aber nicht den Balken vor dem eigenen Kopf.

Ich schreibe hier keine Bewerbungen, sondern poste neben der Arbeit. Entschuldigung wenn Ihnen meine Fehler so im Auge brennen. Lesen Sie doch auf www.bild.de

CIA, FBI? Müssen die eingentlich immer und für jeden Unsinn herhalten? Die können gar nichts, schon gar keine Schüler ausspionieren.

Ja, Europa und Usaland sind Kulturel zum Glück sehr unterschiedlich. Die Amis haben nämlich keine Kultur, darum gehen Sie weltweit auf Eroberungsmissionen und versuchen ihre Lowlevel Culture unter die Leute zu bringen.

Wie ich schon sagte, ein Land der Möglichkeiten und Wiedersprüche.
Das "Alte Europa" ist mir da wesentlich lieber.

Einer der Verantwortlichen luegt ganz offensichtlich!

Eine Lehrerin sagt, der Schueler wuerde sich zuhause unangemessen verhalten und das werde ueberwacht. Der Superintendent der Schule aber behauptet, dass sei nur bei Diebstahlsfaellen und nur nach Zustimmung der Eltern geschehen.

Eine von beiden Aussagen muss offensichtlich eine Luege sein. Auch nicht gerade das beste Vorbild fuer die Schueler. Wer im Glashaus sitzt...

Ein bisschen Staat muss sein

Na, ein bisschen Vertrauen muss man der Behoerde schon entgegenbringen, dort wird ja wohl kaum jemand Schueler einfach aus Spass beobachten (sie ist ja schliesschlich keine Datenkrake und Textdieb wie zB Google).

Es kann ja auch nicht sein, dass vor den Computern ein rechtsfreier Raum ensteht, und der Staat einfach wegsieht!

"Beobachtung wohl kaum aus Spass"

"Na, ein bisschen Vertrauen muss man der Behoerde schon entgegenbringen, dort wird ja wohl kaum jemand Schueler einfach aus Spass beobachten (sie ist ja schliesschlich keine Datenkrake und Textdieb wie zB Google)"

Dass ihre Vermutung (leider) zu positiv ist, kann man dem Artikel selbst entnehmen:

"Auch darin kommt ein IT-Administrator einer Schule zu Wort, der in erstaunlicher Unbefangenheit davon berichtet, wie er die Rechner seiner Schüler kontrolliert. "Die merken gar nicht, dass sie beobachtet werden", sagt er darin. "Ich erlaube mir gerne einen kleinen Spaß mit ihnen und schieße ein Foto."

Ziemlich naiv...

Die Überwachung von Schülern zu Hause fällt erstens nicht in de Bereich der Schule, sondern würde wohl eher die Aufgabe der Exekutive, also der Polizei sein. Eine richterliche Erlaubnis, ganz normale Schüler pauschal zu überwachen, würde aber auch in den USA wohl niemand ausgeben... Das ganze ist ein nicht hinnehmbarer Eingriff in die Privatsphäre.

Außerdem sollte man den Behörden wohl eher Misstrauen als Vertrauen entgegen bringen. Dass Menschen ihre Macht missbrauchen, ist nun wirklich keine Neuigkeit.

So etwas wie ein rechtsfreier Raum existiert meines Wissens weder vor dem Computer noch im Internet. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein staatliches Recht auf Pauschalüberwachung gibt.

P.S. Was Google mit dem ganzen zu tun hat, bleibt mir schleierhaft.