Hauptziel Terroristen? Nein, Filesharer
Dadurch wächst eine Gefahr: Viel Honig zieht viele Fliegen an. Oder, wie Klaus Landenfeld, Vorstand Infrastruktur und Netze beim Internetverband Eco, es formuliert: "Es ist klar, dass alle Daten, die erhoben werden, irgendwann auch abgefragt werden." Innenminister Thomas de Maizère (CDU) bestreitet das. Nicht die Sammlung von Daten sei das Problem, sagte er kürzlich, sondern der Zugriff darauf.
Gegner der Vorratsdaten glauben das nicht. Ist doch nicht einmal sicher, dass jeder Provider die richtigen Haken in den richtigen Kästchen auch setzt. Muss er doch selbst prüfen, was eine erlaubte Anforderung der Polizei ist und was nicht. Fragen können die Beamten, was sie wollen. Bei unerfahrenen oder schlicht kleinen Providern erfahren sie im Zweifel mehr, als sie eigentlich dürften. "Das Interface sollte so gestaltet werden, dass es nur legale Antworten auswirft", fordert daher Landefeld. Er meint damit, es sollte vom Gesetzgeber so gestaltet werden, nicht vom Provider.
Zustande kommt die lange Liste dadurch, dass die rechtlichen Anforderungen der verschiedenen europäischen Länder zur Vorratsdatenspeicherung in einen Topf geworfen wurden. Es gab kein Abwägen, oder aussortieren. In Schweden und Polen beispielsweise ist viel mehr erlaubt als in Deutschland. Doch die "Harmonisierung" erfolgte auf dem maximalen Niveau.
Erklärbar ist das nur mit einem Motiv: Je mehr Daten, desto besser. Offensichtlich geht es nicht nur darum, Kommunikation nachzuvollziehen und Bewegungsprofile zu erstellen. Die Nutzer sollen einerseits umfassend identifiziert werden können. Andererseits will man auch Kommunikationsstile erkennen können, um diese wieder zu finden. Nach dem Muster: 3x klingeln und dann auflegen = Terrorist.
Oder eigentlich: Filesharer. Denn um Terrorismus geht es gar nicht, auch das macht die Liste klar.
"Man erwischt so nur die Leute, die das Netz von zu Hause nutzen", sagt Landefeld. Ganz normale User. Terroristen wüssten schon, wie sie das umgehen könnten. Doch um schwere Kriminalität gehe es nicht, sondern um "Massenstraftaten".
Das belegen auch Zahlen des Verbandes Eco über die Anfragen von Strafermittlern. Schätzungsweise mehr als neunzig Prozent der Delikte, bei denen seit 2008 Vorratsdaten angefordert wurden, waren Beleidigungen, Urheberrechtsverletzungen und Betrug, sogenannte minder schwere Straftaten.
Gleichzeitig stieg die Zahl die Anfragen stark, vor allem beim Urheberrecht. Eine kriminologische Studie des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht prognostizierte bereits Anfang 2008: "Im Zusammenhang mit einer längerfristigen Speicherung von Verkehrsdaten wird insoweit der Zugriff im Rahmen des in § 101 (Urheberrechtsgesetz) (...) verankerten Auskunftsanspruchs gegen Internetzugangsanbieter jedenfalls eine Option bleiben, die sich auf die künftige Struktur und Häufigkeit des Zugriffs auf Bestands- und Verkehrsdaten erheblich auswirken kann." Heißt übersetzt: Je mehr dieser Daten gesammelt werden, desto häufiger wird sie jemand sehen wollen, vor allem, um Filesharer zu fangen.
Eine komplette Beobachtung der Bevölkerung also, um Diebstähle aufzuklären. Will man das alles nicht, gibt es nur eine Konsequenz, die Vorratsdatenspeicherung müsste wieder abgeschafft werden. Allerdings ist das eine Lösung, die als unwahrscheinlich gelten darf. Oder, wie Landefeld sagt: "Los wird man das Thema Überwachung an dieser Stelle nicht mehr."
- Datum 04.02.2010 - 11:22 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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http://www.schneier.com/e...
Der Schlusssatz ist prägnant:
"It's bad civic hygiene to build technologies that could someday be used to facilitate a police state. No matter what the eavesdroppers and censors say, these systems put us all at greater risk. Communications systems that have no inherent eavesdropping capabilities are more secure than systems with those capabilities built in."
"Ein Netz, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden"
>.<
[Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]
Erich Mielke in seiner letzten Rede vor der Volkskammer:
http://geschichtspuls.de/...
Es ist doch ein wunderbares und zugleich schönes Gefühl, dass man in dieser Demokratie die Menschen noch mehr liebt.
Warum beklagen wir uns eigentlich dann noch?
ist offensichtlich noch mit dem Verfassen einer Protestnote gegen den Ankauf der Steuersünder-CD beschäftigt.
Ist doch schon der Überwachungsstaat.
Ich hoffe auf die Verfassungsrichter, mehr denn je zuvor.
1. "Der Zugriff auf die gespeicherten Daten ist nur unter engen Voraussetzungen (z.B. richterliche Anordnung) zulässig."
Verbindungs- und Standortdaten werden schon heute in tausenden von Strafverfahren jährlich abgefragt, 2008 allein 4,2 Mio. mal .
s. auch hier:
http://www.bundesjustizamt.de/cln_101/nn_1635504/DE/Themen/Justizstatistik/Telekommunikations_C3_BCberwachung/downloads/_C3_9Cbersicht_20Vd_C3_BC_202008,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Übersicht Vdü 2008.pdf
2. "Durch die Vorratsdatenspeicherung werden Bürgerrechte nicht beschnitten."
Ohne jeden Verdacht einer Straftat werden sensible Informationen über die sozialen Beziehungen (einschließlich Geschäftsbeziehungen), die Bewegungen und die individuelle Lebenssituation (z.B. Kontakte mit Ärzten, Rechtsanwälten, Psychologen, Beratungsstellen) von über 80 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern gesammelt.
3. „Die Überwachung erfolgt ausschließlich zur Bekämpfung schwerer Straftaten.“
Das Bundesverfassungsgericht warnt: „Die Befürchtung einer Überwachung mit der Gefahr einer Aufzeichnung, späteren Auswertung, etwaigen Übermittlung und weiteren Verwendung durch andere Behörden kann schon im Vorfeld zu einer Befangenheit in der Kommunikation, zu Kommunikationsstörungen und zu Verhaltensanpassungen […] führen.“ Staat seine Bürger biometrisch vermisst, datenmäßig durchrastert und seine Lebensregungen elektronisch verfolgt.“
http://www.vorratsdatensp...
Die gesamte Debatte um die Datenspeicherung ist sowieso viel mehr eine Grundsatzfrage. Wie es übrigens auch bei der Steuersünder-Diskussion der Fall ist.
Da hier schon so viel zitiert wurde, kann man nahtlos ein (freies) Benjamin-Franklin-Zitat anfügen: Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren. Eigentlich sagt Franklin, dass derjenige beides nicht verdient habe - richtig sind beide Aussagen.
Es geht ja offenkundig auch weniger oder gar gar nicht mehr um Sicherheit, denn Kontrolle. Eventuell noch mit der an Kontrolle geknüpften Hoffnung, dass daraus Sicherheit entstehe. Was natürlich (wie man empirisch selbst in Alltagssituationen immer wieder nachempfinden kann) eine Illusion ist.
Es brauch ja auch nicht unbedingt den Missbrauch durch die Polizei; das Thema kann (und hat teilweise schon) ganz eigene Dynamiken entwickelt, besonders im Hinblick auf wachsendes Misstrauen und somit sinkendes Vertrauen in der Gesellschaft. Ich frage mich auch, wie viel kürzer der Rückzugsradius der Privatperson noch gezogen werden soll, in Anbetracht der Tatsache, dass die Privatsphäre durch elektronische Kommunikationsmittel immer mehr ("freiwillig") in die Öffentlichkeit rutscht. Ein stetes Beschneiden der persönlichen Freiheit, des Gefühles, mal einfach so "für sich" zu sein.... Gut, das ist man ja auch einfach nicht mehr.
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