Datenschutz Der Diktatur der Daten entrinnen
Vorsichtige Deutsche, unbekümmerte Amerikaner – wieso sich die Leidenschaft beim Sammeln von Daten in vielen Ländern so stark unterscheidet, erklärt Jens Jessen.
- Datum 08.03.2010 - 17:43 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 5
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Deutschland bleibt auch im 21. Jahrhundert ein stark strukturiertes Land, aufgeteilt nach Klasse und Status.
Während des Preisgeben von Persönlichem im US-amerikanischen Raum als Ausdruck der Individualität gilt, mit Potential für das nächste weltbewegende Start-Up, werden hierzulande entsprechende Daten genutzt um die vorgegebene Ordnung aufrecht zu erhalten.
So nach dem Motto: Oh nein, der Kerl mag Bratwürste, dann reicht es nicht für den Unternehmer-Erbadel, Das ist einfach zu schlicht.
Als zweiten Grund möchte ich die latente Technikfeindlichkeit in unserem Land erwähnen.
Zugespitzt formuliert: Alles was nach dem alterwürdigen Buchdruck erfunden wurde ist irgendwie verdächtig. Internet? Gott bewahre!!
Ziemlich widersprüchlich für ein Land das hauptsächlich vom Maschinenbau lebt.
zumindest haben schon so manchen Gewalttäter überführt – was Jens Jessen stören dürfte aber mich freut.
Aus den histrischen Erfahrungen lässt sich die Abneigung gegen das Sammeln von Daten seitens des Staates in Deutschland nicht erklären. Diktaturerfahrungen taugen nicht als Erklärungsansatz.
Ausschlaggebend könnte vielmehr der im Vergleich zu den USA fürsorgliche Sozialstaat sein. Wo viel Fürsorglichkeit ist, da besteht auch die Gefahr des Mißbrauchs.
Hier bleibt Herr Jesse etwas unklar. Meint er den Mißbrauch bzw. das Erschleichen von Sozialleistungen? In diesem Fall müsste man dem staatlichen Datensammeln eher positiv gegenüber stehen, da sich so dieser Mißbrauch beheben ließe. Oder meint der Autor den Mißbrauch der seitens des Staates gesammelten Daten? Dann stellt sich jedoch die Frage, inwieweit damit der fürsorgliche Sozialstaat in Deutschland oder schweden in Zusammenhang steht.
Hier wäre ich für eine weitere Ausführung dankbar.
Schließlich stellt sich doch die Frage, warum das Datensammeln durch Unternehmen, welches sowohl in den USA als auch in Deutschland stattfindet, gerade bei der deutsche Bevölkerung zu einer kritischen Haltung gegenüber der Preisgabe persönlicher Daten in praktisch allen Lebensbereichen führt, während die U.S. Bürger dem Treiben eher gelassen bis gleichgültig gegenüberstehen.
Leider konnte ich dem Beitrag von Herrn Jesse auch keine Antwort auf diese Frage entnehmen
Insgesamt lässt mich dieser Beitrag daher doch recht ratos zurück und ich will eine gewisse Enttäuschung darüber nicht verhehlen.Vielleicht kann mir da jemand weiterhelfen?
Herr Jessen, dessen Kommentare ich mir normalerweise gern anhöre, hat seine eigene Frage (weshalb der Datenschutz den Deutschen so wichtig, den US-Amerikanern aber ziemlich egal ist) nicht beantwortet. Denn US-Firmen sammeln sicher eben so viele Daten über die Menschen wie deutsche Firmen, wenn nicht noch mehr.
Ich lebe seit einigen Jahren in den USA, und ich kann nur feststellen, dass die US-Amerikaner insgesamt die Privatsphäre nicht so schützen, und zwar in beide Richtungen: (a) Menschen geben ohne weiteres sehr Privates (deutschen Vorstellungen gemäß) von sich Preis, und (b) Dritte erwarten ganz selbstverständlich, Auskünfte über Dinge zu bekommen, die in Deutschland als sehr privat gelten würden.
In Evelyn Waughs "Vile Bodies" (deutsch: "Lust und Laster"), einem Roman von 1930, gibt es eine Szene, in der eine Amerikanerin ungeschützte emotionale Offenheit in die englische Gesellschaft einbringen will und an den englischen Vorstellungen von Privatheit kolossal (und absolut göttlich zu lesen) scheitert - das US-amerikanische Fehlen unseres Gefühls für Privatheit ist also kein neues Phänomen. Dies spricht eher gegen Herrn Jessens Idee, dass diese Kulturunterschiede ihre Gründe in der Gegenwart haben. Warum das aber so ist, weiß ich auch nicht.
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