Google Google veröffentlicht Regierungssperrlisten

Welches Land bat wie oft um Zensur? Diese Daten sind nun einsehbar. Doch hat die Offenheit Grenzen, den Brief von Datenschützern aus zehn Ländern kommentiert man nicht.

Google-Chef Eric Schmidt findet Datenschutzbedenken oft übertrieben

Google-Chef Eric Schmidt findet Datenschutzbedenken oft übertrieben

Alle sechs Monate will Google künftig veröffentlichen, welche Regierungen sie gebeten haben, Ergebnisse der Suchmaschinenseite zu zensieren. Das hat der Chefjustiziar des Unternehmens, David Drummond, wie üblich im Firmenblog angekündigt.

Die Lösch-Liste ist Teil einer neuen Strategie: In den vergangenen Jahren wurde Google oft dafür gescholten, unüberschaubare Mengen an Nutzerdaten zu sammeln. Sein Datenkraken-Image würde Google gerne loswerden. So startete das Unternehmen vor Kurzem eine Initiative namens Data Liberation, Datenbefreiung. Registrierte Nutzer können seitdem alle ihre bei Google gespeicherten Daten mitnehmen, wenn sie etwa zu einem anderen Anbieter für Mails oder Blogs wechseln.

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Nun also die government requests. Zwei Arten von Regierungsanfragen werden dabei ausgewiesen: Die Bitte um Herausgabe der Daten, und die Bitte um Löschung. Der erste Punkt bezieht sich auf Versuche von Regierungen, mehr über angemeldete Nutzer zu erfahren. Der zweite den Versuch, Inhalte von Googleseiten zu entfernen, beispielsweise auch von YouTube.

Ein Blick auf die Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2009 fördert erstaunliches zu Tage: Bei den Löschanfragen belegt Deutschland unter allen Ländern den zweiten Platz mit 188 Anfragen. Insgesamt die meisten Anfragen in beiden Bereichen stellte Brasilien. Bei den Datenanfragen folgen die USA mit 3580 und Großbritannien mit 1166 Anfragen.

Die Liste ist allerdings nicht vollständig. Sonst wäre der erste Platz in beiden Kategorien wohl einem anderen Land sicher. China steht nicht darauf – das hat die chinesische Regierung erfolgreich verhindert. Man könne die entsprechenden Zahlen nicht veröffentlichen, sagt Google, da sie von Peking als Staatsgeheimnis eingestuft würden. Für Google ist es erklärte Politik, sich an nationale Gesetze zu halten.

Noch etwas lässt sich aus den gezeigten Informationen nicht ablesen: die Art der gesperrten Inhalte und der Zweck der Nutzeranfragen. Aus der Liste ist lediglich ersichtlich, dass einige auf Anordnung von Gerichten erfolgten. Bei den 70 Löschanfragen für das deutsche YouTube könnte es sich sehr gut um Anfragen der Industrie handeln, die gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen will. Drummond schreibt dazu im Blog, die meisten Anfragen seien zulässig und korrekt und dienten der Strafermittlung oder der Löschung von Kindesmisshandlungsdokumenten.

Leser-Kommentare
  1. 1. Danke

    Danke für die Übersicht und die aufgezeigten Parallelen in Googles Doppelstrategie PR.

    Schön wären vermutlich noch genauere Kategorien, sowie eine zeitlich verzögerte, nachträgliche Veröffentlichung der Dokumente.

  2. Könnte doch wetten, die Daily Show nutzt das als Aufhänger zur nächsten Nazi-Revival-Meldung. Und einige Trottel werden es auch noch ernstnehmen.
    Ich würde allerdings zu gern wissen, wo Deutschland ohne GEMA in der Statistik auftauchen würde. Schätzungsweise unter ferner liefen. ;-)

  3. Die DAten die dort einsehbar sind hätte ich nun wirklich nicht erwartet. Zwar steht bei China ein "?" weil dort ja per Automatesierunge gearbeitet wird, aber das danach bei den "removel Requests" Deutschland auf Platz 2 steht überrascht mich schon.
    Nach einen kick auf deutschlend um die genauere Aufteilung zu sehen überrascht mich da auch das es Fälle ohne "Cord Order" gibt wo also Deutschland Löschen wollte ohne Gerichtsbeschluss.

    Die Fälle mir Cord order sind für mich ok da es immer Leute gibt die gegen Gesetzt verstoßen, und das auch im internett tun, da sollte man also nicht freigabe fordern. Aber ich würd schon gere wissen welcht Sachen denn die REgierung ohne Richterliche Anweisung löschen wollte, da das dann doch den Rechststatlichen Prinzipien wiederspricht.

    Alles in allen find ich die Veröffentlicheung gut, da sich so vielleicht mehr Staaten an ihre eingenen Rechte halten.

  4. Befohlene Zensur der Google-Suchergebnisse:
    Deutschland: 94, Luxemburg: 0.

    Darum ist jedem, der sich nicht gern vorschreiben läßt, was er sehen darf, www.google.lu zu empfehlen. Noch gibt es das freie Ausland!

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    • Timo K
    • 21.04.2010 um 16:33 Uhr

    Die EU wird's schon richten.

    Ihre Anfragen bei google.lu liegen den staatlichen Organen genauso offen, wie die bei google.de, mit dem Unterschied, dass man sich für Ihre anfragen bei google.lu erst recht interessieren wird.

    Noch ein Tip: Wer mal Holocaust-Leugner in Aktion sehen will, der geht am Besten mal zu einer Wahlkampfveranstaltung einer unserer staatstragenden Parteien und verlangt ein paar klare Aussagen zur Rolle des Durschschnittsdeutschen und -soldaten bei der Einsetztung und Aufrechterhaltung des Mordsystems in den Lagern und an der Front.

    • Timo K
    • 21.04.2010 um 16:33 Uhr

    Die EU wird's schon richten.

    Ihre Anfragen bei google.lu liegen den staatlichen Organen genauso offen, wie die bei google.de, mit dem Unterschied, dass man sich für Ihre anfragen bei google.lu erst recht interessieren wird.

    Noch ein Tip: Wer mal Holocaust-Leugner in Aktion sehen will, der geht am Besten mal zu einer Wahlkampfveranstaltung einer unserer staatstragenden Parteien und verlangt ein paar klare Aussagen zur Rolle des Durschschnittsdeutschen und -soldaten bei der Einsetztung und Aufrechterhaltung des Mordsystems in den Lagern und an der Front.

    • Timo K
    • 21.04.2010 um 16:33 Uhr

    Die EU wird's schon richten.

    Antwort auf "Luxemburg"
  5. eigentlich keine Überraschung, ist ja schon lange bekannt.

    Aber kein wunder bei denen die in der Labour Regierung sitzen - man will ja nicht dass das Volk intelligent genug ist sich aufzulehnen (Bildung zerfällt - lächerlich der Inhalt meines A-Level...) - und dann schön überwachen damit das Zentralkomitee an der Macht bleibt...
    Keine Sorge Deutschland schafft es da auch noch hin.

    Hier noch ein Artikel der Times:
    Zitat: "Ex-spy chief Dame Stella Rimington says ministers have turned UK into police state"
    http://www.timesonline.co...

  6. kallewestrich: Political Correct werden Anfragen bearbeitet und jetzt auch gezeigt. Wenn man jetzt noch wüsste, was die Anträge wollten, wäre man ein erhebliches Stück schlauer.

  7. Ihre Anfragen bei google.lu liegen den staatlichen Organen genauso offen, wie die bei google.de, mit dem Unterschied, dass man sich für Ihre anfragen bei google.lu erst recht interessieren wird.

    Noch ein Tip: Wer mal Holocaust-Leugner in Aktion sehen will, der geht am Besten mal zu einer Wahlkampfveranstaltung einer unserer staatstragenden Parteien und verlangt ein paar klare Aussagen zur Rolle des Durschschnittsdeutschen und -soldaten bei der Einsetztung und Aufrechterhaltung des Mordsystems in den Lagern und an der Front.

    Antwort auf "Luxemburg"

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