Street ViewGoogle ins Netz gegangen

Angeblich sollte Street View nur Straßen scannen. Doch auch Daten aus WLANs wurden gespeichert und sollen nun schnell wieder gelöscht werden. Wie es zu der Panne kam. von Kurt Sagatz

WLAN-Router müssen gesichert werden, hat der Bundesgerichtshof gerade entschieden

WLAN-Router müssen gesichert werden, hat der Bundesgerichtshof gerade entschieden  |  © Armin Weigel/dpa

Internet per Wireless Lan (WLAN) ist eine bequeme Sache. Vor allem für den Internetsurfer. Er muss keine Kabel zu seinen Computer ziehen, um ins Web zu gehen. Genau wie bei einem Schnurlostelefon werden die Daten per Funk ausgetauscht. Doch auch ungebetene Gäste werden durch die Funknetze angezogen. Zum Beispiel Menschen, die lieber auf anderer Leute Kosten durchs Netz surfen. Oder Datenkraken wie Google, die in ihrer Sammelwut längst jedes Maß verloren haben, wie die jetzt bekannt gewordene "Datenpanne" zeigt.

In ihrem Ausmaß ist sie ohne Beispiel: 600 Gigabyte haben die Fahrzeuge von Googles Kartendienst Street View im Vorbeifahren gesaugt, als das Unternehmen nicht nur die Straßen und Gebäude für Google Maps erfasste, sondern zugleich die WLAN-Funknetze, mit denen Millionen Deutsche ins Internet gehen. Anders als zunächst vom obersten Google-Datenschutzbeauftragten Peter Fleischer gesagt, wurden dabei nicht nur die Namen der Netzwerke mitgeschrieben, sondern auch die Inhalte des Netzwerkverkehrs, wie Google jetzt auf Nachhaken des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar zugab. 

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Für den Street-View-Dienst wurden bereits sämtliche Städte zumindest einmal erfasst. Die dabei auch gesammelten WLAN-Daten stammen aus ganz Deutschland. Ihre Datenmenge entspricht umgerechnet rund 180.000 Musiksongs, doch in den Daten dürfte wenig Sinnvolles zu hören, zu lesen oder zu sehen sein. Weil die eingesetzte Erfassungssoftware alle fünf Sekunden den Kanal wechselte, um im Vorbeifahren sämtliche verfügbaren Netze unter anderem mit ihrem Namen zu protokollieren, handelt es sich um eine immens große Menge von Datenpaketen, die gerade in dieser Zeitspanne über das WLAN transportiert wurden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass en passant sensible Passwörter, persönliche Mails oder geheime Informationen aufgezeichnet wurden, ist eher gering und bei Weitem nicht so hoch wie der neuerliche Schaden für das bereits angekratzte Image von Google in Sachen Daten- und Verbraucherschutz.

Leserkommentare
  1. Google ist eher dafür bekannt alles mögliches zu speichern .....

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    am liebsten würde ich Ihren Kommentar als bedenklich melden, so sinnlos ist er.

    Ich für meinen Teil finde beide Seiten, Datenschützer/Regierung und leider jetzt auch Google, nicht gerade ruhmreich. Ich will einfach nur ENDLICH Streetview nutzen. Das ist eine tolle "Erfindung", die bspw. Wohnungssuche oder Urlaubsunterkunft-suche um ein Vielfaches effektiver macht....

  2. Wer seine WLAN-Daten nicht schützt, muss einfach damit rechnen, dass sie gelesen werden. Das ist etwa so, wie wenn man ein Plakat öffentlich aufhängt. Das wusste schon Luther, asl er seine Thesen an die Kirchtür nagelte. Nur mit dem Unterschied, das er *wollte*, dass es gelesen wird.

    Man kann insoweit nur hoffen, dass durch die Öffentlichkeit, die durch den Google-Zwischenfall für das Theme hergestellt wurde, jetzt die betroffenen endlich mal ihren WLAN-Router absichern, anstatt ihre Geräte von anno dazumal ewig ohne Absicherung laufen zu lassen.

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    Ihre Analogie passt wie die Faust aufs Auge, nur in einem Punkt ist diese problematisch: Anders als bei einem im öffentlichen Raum angeschlagenem Plakat ist für einen Menschen ohne (zumindest geringfügigem) technischem Hintergrund bzw. Verständnis nicht sofort ersichtlich, dass sein Anschluss und vor Allem auch alles darüber Gesendete oder Empfangene (wobei hier die Einschränkung, dass Verschlüsselung auf Applikationsebene, z.B. SSL, wiederum für Sicherheit sorgen kann, die Angelegenheit nur weiter verkompliziert) öffentlich ist. Ohne dieses Verständnis fehlt aber auch der Antrieb, sich in schwer verständliche Handbücher einzulesen - zumal ja "alles funktioniert".

    Ich schließe mich gerne Ihrer Hoffnung an, dass die Berichterstattung über diesen Fall dazu beiträgt, die Anzahl der ungeschützten Netzwerke zu reduzieren, die Ursache des Problems sehe ich jedoch nicht in dem Unwillen, sondern in der Unkenntnis der Betreiber.

  3. tatsächlich gesammelt werden kann?

    In der Regel fährt das Auto normal durch die Gegend, selbst ein Zugriff von 20-30 Sekunden auf das heimliche Netz stellt im schlimmsten Fall irgdedwelche Datenfragmente zur Verfügung, deren Sinn und Zweck ohne weitere Arbeit nicht erkennbar ist.

    Es ist eben nicht so wie im Fernsehen, dass sich jemand hinsetzt und nach ein paar Sekunden in jedem Netz fündig wird. Die Wirklichkeit besteht aus einer wirren Anzahl von kleinen Datenpaketen, deren Anaylse sehr aufwendig werden kann.

    Aber ein guter Zankapfel, um von den kaum mehr überschaubaren Aktionen unserer Politik zum Thema Datenspeicherung abzulenken.

  4. am liebsten würde ich Ihren Kommentar als bedenklich melden, so sinnlos ist er.

    Ich für meinen Teil finde beide Seiten, Datenschützer/Regierung und leider jetzt auch Google, nicht gerade ruhmreich. Ich will einfach nur ENDLICH Streetview nutzen. Das ist eine tolle "Erfindung", die bspw. Wohnungssuche oder Urlaubsunterkunft-suche um ein Vielfaches effektiver macht....

    Antwort auf "Panne oder Absicht ?"
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    Ja, "ENDLICH" wird Ihr Leben erträglicher. "ENDLICH" muss man nicht mehr vor die Tür gehen. "ENDLICH" spielt sich das Leben auf einem kleinen Bildschirm ab.

    Ich frage mich, wie wir Menschen im 20. Jahrhundert gelebt haben. Muss ja schlimmer gewesen sein als im Mittelalter...

    So "bedenklich" ist der Kommentar übrigens nicht. "Panne oder Absicht?" Das ist die Frage, die man sich stellen sollte. Ihre Naivität ist um einiges "bedenklicher".
    Eine Auto fährt durch die Straßen und sammelt dabei Daten aus WLAN-Netzen. Entweder Google hat erstmals eine Künstliche Intelligenz geschaffen oder es handelt sich bei diesem Vorfall eben um kein Versehen.
    Und selbst wenn es sich um ein "Versehen" handelt, sollte sich die Frage gestellt werden, warum diese Autos mit der Technik ausgerüstet werden, dass sie eben diese Daten speichern können.

    Moin,

    einerseits verständlich andererseits: Wer heutzutage als Vermieter eines Ferienobjektes oder als Anbieter von Wohnraum nicht in der Lage oder willens ist, das Objekt der Begierde im Netz entsprechend anzubieten, der hat in den vergangenen zehn Jahren geschlafen und/oder möchte die Realität lieber nicht zeigen.

    Streetview (eigentlich eher Googles Datensammeleien insgesamt, insbesondere auch G-Analytics, G-Code, G-Kalender, G-Text und Tabellen usw. usf.) halte ich persönlich für hochproblematisch.

  5. Ja, "ENDLICH" wird Ihr Leben erträglicher. "ENDLICH" muss man nicht mehr vor die Tür gehen. "ENDLICH" spielt sich das Leben auf einem kleinen Bildschirm ab.

    Ich frage mich, wie wir Menschen im 20. Jahrhundert gelebt haben. Muss ja schlimmer gewesen sein als im Mittelalter...

    So "bedenklich" ist der Kommentar übrigens nicht. "Panne oder Absicht?" Das ist die Frage, die man sich stellen sollte. Ihre Naivität ist um einiges "bedenklicher".
    Eine Auto fährt durch die Straßen und sammelt dabei Daten aus WLAN-Netzen. Entweder Google hat erstmals eine Künstliche Intelligenz geschaffen oder es handelt sich bei diesem Vorfall eben um kein Versehen.
    Und selbst wenn es sich um ein "Versehen" handelt, sollte sich die Frage gestellt werden, warum diese Autos mit der Technik ausgerüstet werden, dass sie eben diese Daten speichern können.

    Antwort auf "Bedenklich"
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    nicht jeder der mit der Zeit geht ist ein Rausgeh-Muffel. Woher nehmen Sie diese Vermutung?

    Und ja ehrlich gesagt frage ich mich manchmal wie wir vor 20 Jahren gelebt haben.... Sie sollten mehr Respekt vor dem Fortschritt haben oder mal prüfen wie ihr tägliches leben ohne solchen aussehen würde.

  6. Moin,

    einerseits verständlich andererseits: Wer heutzutage als Vermieter eines Ferienobjektes oder als Anbieter von Wohnraum nicht in der Lage oder willens ist, das Objekt der Begierde im Netz entsprechend anzubieten, der hat in den vergangenen zehn Jahren geschlafen und/oder möchte die Realität lieber nicht zeigen.

    Streetview (eigentlich eher Googles Datensammeleien insgesamt, insbesondere auch G-Analytics, G-Code, G-Kalender, G-Text und Tabellen usw. usf.) halte ich persönlich für hochproblematisch.

    Antwort auf "Bedenklich"
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    Bedenklich ist es, wenn hier jetzt Google der Schwarze Peter zugeschoben wird. Wie viele Trottel sind denn so verrückt, ihr Netzwerk nichtmal (total simpel zu knacken!) mithilfe von WEP zu sichern, dass Google an 600 GB an (winzigen!) Datenfragmenten gekommen ist???

    Wer so fahrlässig handelt, dem gehört der Router weggenommen. Dann muss man eben doch verkabeln, wenn man es nicht anders kann.

    Aber wer hat Schuld? Google. Klar.

    Würde mich mal interessieren, wie viele GB der Nachbar schon aus dem heimischen Netzwerk gesaugt hat. Und wie viele TB an Daten aus illegalen Netzen. Und wenn dann die Polizei vor der Tür steht, hat man wieder nix gewusst.

    Google macht nix mit diesen Fragmenten - der Nachbar im Zweifel schon.

  7. Also dass WLAN Netze der Ortung dienen sollten ist glaube ich eine der lahmsten Ausreden die möglich sind.

    Ja, man kann die eigenen Position per Funkpeilung bestimmen - ABER: Dazu muss man wissen von wo die Signale kommen
    Daher ich nehme 2 Radiosender deren Position mir bekannt ist und orientiere mich dann an jenen - besser sind sogar 3.
    Da bei WLAN die Position der "Sender" (Router) nicht bekannt ist, sind sie für eine Positionsbestimmung nutzlos.
    (Oder will jemand ernsthaft behaupten die Position relativ zu einer paar Routern deren Aufenthaltsort unbekannt ist wäre zur Positionsbestimmung hilfreich?)
    Dazu kann man das gleiche WLAN Netz eventuell aufgrund von Gebäuden an Postion A empfange, 5m weiter an Position B nicht aber wieder 5m weiter an Position C.
    (A,B,C liegen auf einer Linie)

    Und zum Thema "Zufall" - wenn die Festplatten ausgewertet werden dann muss so ein Datenhaufen doch auffallen...
    Ich denke schon dass es Absicht war - aber wozu ist eine andere Frage...

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    Es geht nicht direkt um eine genaue Positionsbestimmung, sondern vielmehr darum, eine Idee des eigenen Standpunktes zu bekommen. Dies dient zum Beispiel dazu schnellere GPS-Positionsbestimmungen möglich zu machen. Ist die eigene Position bekannt können gleich die richtigen Satelliten und Kanäle etc. gewählt werden. Zu diesem Zweck wird von den Streetview-Autos auch ein GSM-Empfänger benutzt um die gerade sichtbaren Basisstationen zu bestimmen.

    Im Artikel oben wurde auch eine der wichtigsten Informationen irgendwo falsch abgeschrieben. Der WLAN-Empfänger wechselt nicht alle 5 Sekunden sondern 5 mal in der Sekunde den Kanal.

    "Also dass WLAN Netze der Ortung dienen sollten ist glaube ich eine der lahmsten Ausreden die möglich sind.

    Ja, man kann die eigenen Position per Funkpeilung bestimmen - ABER: Dazu muss man wissen von wo die Signale kommen"

    Quatsch. Wenn ich mit meinem WLAN-Handy die Netze mit den MAC-Adressen 00:11:22:33:44:55, aa:bb:cc:dd:ee:ff und 01:23:45:67:89:ab empfange und Google mir sagt, dass sein Street View Auto genau diese Netze in der Lindenallee zwischen den Hausnummern 78 und 84 empfangen konnte, dann befinde ich mich wohl auch in der Lindenallee, unweit von Hausnummer 80.

    Wenn ich dazu noch die Signalstärke messe und von Google gesagt kriege, wo er welche Signalstärke gemessen hat, kann ich meine Position noch genauer interpolieren.

    Mal ganz abgesehen davon, dass Google (wie auch jeder anderer mit entsprechender Ausrüstung) die genaue Position der WLAN-Sender triangulieren könnte... Ich glaube zwar nicht, dass Google es tut, weil es aufwändig ist und keinen praktischen Vorteil gegenüber dem o.g. Verfahren hat (weil Handys in der Regel keine Richtantennen haben), technisch möglich ist es trotzdem.

    (Und ja: Google speichert auch die MAC-Adressen, wie sie hier hätten lesen können---falls Sie die Artikel, die Sie kommentieren, überhaupt lesen)

  8. Bedenklich ist es, wenn hier jetzt Google der Schwarze Peter zugeschoben wird. Wie viele Trottel sind denn so verrückt, ihr Netzwerk nichtmal (total simpel zu knacken!) mithilfe von WEP zu sichern, dass Google an 600 GB an (winzigen!) Datenfragmenten gekommen ist???

    Wer so fahrlässig handelt, dem gehört der Router weggenommen. Dann muss man eben doch verkabeln, wenn man es nicht anders kann.

    Aber wer hat Schuld? Google. Klar.

    Würde mich mal interessieren, wie viele GB der Nachbar schon aus dem heimischen Netzwerk gesaugt hat. Und wie viele TB an Daten aus illegalen Netzen. Und wenn dann die Polizei vor der Tür steht, hat man wieder nix gewusst.

    Google macht nix mit diesen Fragmenten - der Nachbar im Zweifel schon.

    Antwort auf "Zeichen der Zeit"
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    • evel
    • 18. Mai 2010 14:44 Uhr

    Natürlich nutzt Google die gesammelten Daten nicht. Deswegen haben sie sich auch die Mühe gemacht, alle Fahrzeuge mit dem System auszurüsten und, sobald Klagen entstanden, die Festpaltten mal ganz schnell heim zu Papi nach Amerika geschickt.
    Das uns nichts passieren kann, liegt daran, dass Google total lieb ist und nie Daten auswertet, obwohl es von dieser merkwürdigen Sammelleidenschaft befallen ist.
    Die Debatte erinnert mich ziemlich an den sinnlosen Aspekt der Streetview-Debatte, ob Einbrecher das Haus ausspionieren können. Google hat wirklich Glück, dass die meisten Menschen meist gar nicht, und wenn, dann nicht mehr als zwei Zentimeter über Ihren Tellerrand hinausgucken.

    Ich bin auch davon überzeugt, dass Google nicht viel mit diesen Datenfragmenten anfangen wird oder kann. Die Analyse wäre wahrscheinlich viel zu kostenaufwendig, um daraus noch irgendwie Gewinn einzufahren, auf welche Art auch immer (da dürfen sich die Google-Paranoiden jetzt was ausdenken ;-).

    Viel wichtiger: Spätestens seit wiederholter Bekanntgebung, dass Netzwerk-Eigner für in ihrem Netzwerk begangene Straftaten (p2p, etc) haften, sollte auch bei Menschen mit dem kleinsten Technikverständnis der Alarm gehen. Ein Netzwerk muss gesichert sein, genauso wie eine Haustür normalerweise geschlossen ist!

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