Internet per Wireless Lan (WLAN) ist eine bequeme Sache. Vor allem für den Internetsurfer. Er muss keine Kabel zu seinen Computer ziehen, um ins Web zu gehen. Genau wie bei einem Schnurlostelefon werden die Daten per Funk ausgetauscht. Doch auch ungebetene Gäste werden durch die Funknetze angezogen. Zum Beispiel Menschen, die lieber auf anderer Leute Kosten durchs Netz surfen. Oder Datenkraken wie Google, die in ihrer Sammelwut längst jedes Maß verloren haben, wie die jetzt bekannt gewordene "Datenpanne" zeigt.

In ihrem Ausmaß ist sie ohne Beispiel: 600 Gigabyte haben die Fahrzeuge von Googles Kartendienst Street View im Vorbeifahren gesaugt, als das Unternehmen nicht nur die Straßen und Gebäude für Google Maps erfasste, sondern zugleich die WLAN-Funknetze, mit denen Millionen Deutsche ins Internet gehen. Anders als zunächst vom obersten Google-Datenschutzbeauftragten Peter Fleischer gesagt, wurden dabei nicht nur die Namen der Netzwerke mitgeschrieben, sondern auch die Inhalte des Netzwerkverkehrs, wie Google jetzt auf Nachhaken des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar zugab. 

Für den Street-View-Dienst wurden bereits sämtliche Städte zumindest einmal erfasst. Die dabei auch gesammelten WLAN-Daten stammen aus ganz Deutschland. Ihre Datenmenge entspricht umgerechnet rund 180.000 Musiksongs, doch in den Daten dürfte wenig Sinnvolles zu hören, zu lesen oder zu sehen sein. Weil die eingesetzte Erfassungssoftware alle fünf Sekunden den Kanal wechselte, um im Vorbeifahren sämtliche verfügbaren Netze unter anderem mit ihrem Namen zu protokollieren, handelt es sich um eine immens große Menge von Datenpaketen, die gerade in dieser Zeitspanne über das WLAN transportiert wurden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass en passant sensible Passwörter, persönliche Mails oder geheime Informationen aufgezeichnet wurden, ist eher gering und bei Weitem nicht so hoch wie der neuerliche Schaden für das bereits angekratzte Image von Google in Sachen Daten- und Verbraucherschutz.