Facebook-Nutzerdaten : Das Prinzip erzwungene Nacktheit

Mark Zuckerberg hat mal wieder Besserung gelobt, ändern wird das nichts. Nutzer zur Offenheit zu zwingen, und die Grenzen weiter zu schieben, hat bei Facebook Methode.
April 2010 in San Francisco: Mark Zuckerberg während der "f8"-Entwicklerkonferenz von Facebook © Justin Sullivan/Getty Images

Facebook-Chef Mark Zuckerberg herrscht über ein weltumspannendes Reich. Und er hat nicht vor, sich diese Herrschaft streitig machen zu lassen. Schon gar nicht von seinen Untertanen. Das hat er mit seinem jüngsten Kommentar in der Washington Post einmal mehr demonstriert.

Was ist derzeit der lauteste Vorwurf gegen Facebook? Das Netzwerk missachte die Privatsphäre seiner Nutzer und nötige sie , mehr Informationen öffentlich zu machen, als sie eigentlich wollen. Und wie war die Antwort auf diesen Vorwurf, die Gründer und Chef Zuckerberg am Wochenende gab? " The biggest message we have heard recently is that people want easier control over their information. Simply put, many of you thought our controls were too complex. " Die wichtigste Botschaft also, die Zuckerberg verstanden haben will, ist der Wunsch nach einfacheren Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre.

"Ja, auch!", möchte man rufen. Um dann hinterher zu brüllen: "Aber das ist doch gar nicht das Problem!"

Grundsätzlich sollte jeder, der auf seine Privatsphäre und den Schutz seiner Daten Wert legt, soziale Netzwerke meiden. Denn, so die Stiftung Warentest : "Ein Netzwerk, das Informationsaustausch und Datenschutz in Einklang bringt, existiert noch nicht."

Doch ist es auch zu einfach, all jenen, die solche Dienste nutzen wollen, ein "selber Schuld" zu entgegnen. Wer mächtige Instrumente baut, trägt Verantwortung. Es sollte daher wenigstens klar sein, was dort mit Daten passiert. Und jeder sollte sich darauf verlassen können, dass auch nur genau das passiert, was ihm versprochen wurde und nicht noch viele andere Dinge , die man nicht mitbekommt, weil man nicht gefragt wurde.

Facebook beteuert immer wieder, die Mitglieder sollen die volle Kontrolle haben. Auch Zuckerberg tat das als er schrieb, eines der Prinzipien seines Unternehmens sei: " You have control over how your information is shared. "

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Um bei dem Saunabeispiel zu bleiben

Wenn ich in jeder Stadt kostenfreie Saunen aufstelle, dann muss ich die Stromrechnung und die Saunen finanzieren. Dazu baue ich Kameras und Werbebildschirme in die Saunen, erkläre aber, dass jeder der Verwendung seiner Bilder für bestimmte Zwecke widersprechen könne.

Wie voll wären die Saunen?

Post Scriptum:

Ihre Kollegin Christiane Schulzki-Haddouti hat es übrigens in http://blog.zeit.de/kultu... auf den Punkt gebracht:

"...Von politisch Verantwortlichen darf mehr erwartet werden. Sie sollten eigentlich wissen, welche Instrumente ihnen zur Verfügung stehen.
....
Als Politikerin könnte sie aber auch die politische Geschäftsgrundlage in Frage stellen. Etwa das Safe-Harbor-Abkommen, dem Facebook beigetreten ist."

Herrn Zuckerberg als mächtig zu bezeichnen geht am Sachverhalt vorbei, er hat soviel Macht wie unser Staat (also wir) bereit sind, ihm zu geben.

Hört auf zu heulen

Ich verstehe das Rumgejaule nicht.

Erstens wird niemand gezwungen, sich bei Facebook anzumelden, und zweitens kann man sein Profil in den Privatsphäre-Einstellungen so privat gestalten, wie man will.

Wenn ich will, steht in meinem Profil nur mein Name, welcher nicht mal mein richtiger Name sein muss.
Sprich: Bei entsprechender Einstellung erfährt man rein gar nichts über mich.

Jetzt möge mir bitte jemand erklären, wie man die Privatsphäre-Einstellungen noch weiter verschärfen soll.