Biometrie Widerstand gegen E-Ausweis ist erlahmt
Die Liberalen waren gegen den neuen Personalausweis. Davon ist keine Rede mehr: Ab 1. November gibt es Ausweise nur noch mit Chip – trotz aller Kritik.
© Scan: ZEIT ONLINE

Muster des neuen Personalausweises
Wer für weitere zehn Jahre verhindern will, einen Personalausweis mit biometrischen Daten mit sich herumtragen zu müssen, hat noch bis zum 31. Oktober Zeit, seinen alten Ausweis zu verlieren und einen der bisherigen zu beantragen. Ab dem 1. November wird es dann nur noch den "neuen Personalausweis (nPA)" oder elektronischen Personalausweis (ePA) geben, wie er bis vor einiger Zeit noch hieß.
Im März sah es noch so aus, als sei der sogenannte neue Personalausweis unter Umständen aufzuhalten. Zumindest ließen sich Abgeordnete der FDP-Fraktion mit entsprechenden Plänen zitieren. Dazu aber wird es nicht kommen.
Die Einführung des Ausweises solle "bis 2020 ausgesetzt werden", denn er sei nicht sicher, sagte damals Gisela Piltz , die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion. Und weiter: Die Menschen liefen Gefahr, dass ihre Daten unbefugt ausgelesen und ihre Identität missbraucht würde. "Zudem besteht keine Notwendigkeit, biometrische Merkmale in den Ausweis aufzunehmen."
Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Christian Ahrend, forderte damals, der Staat müsse sich bei seiner Datensammelwut zurücknehmen und deshalb die Entscheidung für den Ausweis korrigieren.
Der neue Personalausweis ist eines der Lieblingsprojekte des Bundesinnenministeriums. Im Dezember 2008 wurde er unter dem schwarz-roten Kabinett im Bundestag beschlossen. Er enthält einen RFID-Chip, auf dem, wie im Reisepass, neben dem biometrischen Foto auch Fingerabdrücke gespeichert werden. Das erfolgt allerdings nur freiwillig. Außerdem birgt der Chip eine Funktion zur elektronischen Identifizierung. Dessen Daten können also per Lesegerät abgerufen werden.
Diese Funktion ist es, die die Verteidiger am meisten preisen und die Kritiker vor allem fürchten . Sie erlaubt einerseits, dass man sich beispielsweise im Internet eindeutig identifizieren kann, um einzukaufen oder Formulare auszufüllen. Sie erlaubt theoretisch aber auch, dass Unbefugte an die Daten kommen können. Denn die RFID-Technik des Chips ist darauf ausgelegt, berührungslos zu funken. Ohne dass es der Inhaber mitbekommt, können Informationen wie Name und Geburtsdatum ausgelesen werden. Wie gesagt: theoretisch. Praktisch wird das durch verschiedene Schranken verhindert, unter anderem wie bei der EC-Karte durch eine hier sechsstellige PIN.
Was aber, so die besorgte Frage, wenn diese samt Ausweis weg ist? Dann kann damit ungehindert in falschem Namen eingekauft werden und niemand schöpft Verdacht. Denn eine weitere Prüfung der Identität findet nicht mehr statt. "Ich finde es unglücklich, was da auf uns zukommt", sagt Ahrend von der FDP. "Sie haben dann eine komplette Identität zur Verfügung und nicht nur den Dispositionskredit desjenigen."
Was Ahrend nicht sagt, was aber offensichtlich ist: Der politische Widerstand gegen das Projekt ist trotz solcher Bedenken erlahmt. Seit März gibt es keine nennenswerte Gegenwehr mehr und das Innenministerium arbeitete in den vergangenen Monaten unbeirrt seine Agenda zur Einführung ab, Punkt für Punkt.
Am 3. Mai beispielsweise gab es eine Mitteilung heraus, dass der Ausweis wie geplant ab dem 1. November in Kommunen auf Bürgerämtern beantragt werden könne. Kurz zuvor, am 1. Mai, war ein Gesetz in Kraft getreten, dank dessen die "Vergabestelle für Berechtigungszertifikate im Bundesverwaltungsamt" ihre Arbeit aufnehmen konnte.
Solch ein Zertifikat braucht beispielsweise ein Internetverkäufer, wenn er von seinen Kunden den Ausweis als Identifizierung fordern will. Diese Zertifikate können nun beantragt werden.
Gleichzeitig startete im Internet ein Informationsportal , auf dem selbstbewusst prangt: "Der Neue kommt."
Bei der FDP war man sich zu diesem Zeitpunkt dessen noch nicht so sicher, oder wollte sich die eigene Hilflosigkeit noch nicht eingestehen. Auf Nachfrage zumindest hieß es im Mai, man berate noch, was die Linie der Koalition zum Ausweis sei – wohl gemerkt der Koalition, nicht der Fraktion.
Das BMI ließ sich davon nicht aus dem Tritt bringen. Am 3. Juni meldete es: "Das Bundesinnenministerium hat heute den Entwurf einer Gebührenverordnung für den neuen Personalausweis vorgelegt." Diese solle "nach Abstimmung mit den zu beteiligenden Ressorts" den Ländern zugeleitet und noch vor der Sommerpause im Bundesrat verabschiedet werden.
Vorgesehen im Übrigen ist ein Preis von 28,80 Euro, was drei Mal so teuer ist wie die 8 Euro für den alten Ausweis. Wer jünger ist als 24 Jahre zahlt 19,80 Euro, dafür gilt er dann für sechs und nicht für zehn Jahre.
Am 17. Juni dann präsentierte Innenminister Thomas de Maizère persönlich das Dokument in der Bundesdruckerei, die den Ausweis herstellt. Zitat: "Dieser neue Personalausweis ist die sicherste elektronische Identitätskarte, die es auf dem Markt gibt."
Ein Fakt, den niemand bezweifelt, nicht einmal der Bundesbeauftragte für Datenschutz , was Kritiker allerdings in keiner Weise beruhigt. Ihr Argument ist eine simple Frage: Wie lange wird er denn sicher bleiben? Die gesamten zehn Jahre, die er gültig ist? Immerhin werden auch noch so sichere technische Systeme inzwischen in ziemlich kurzen Zeiträumen überwunden. Das aber wäre eine Katastrophe.
Denn dann hilft nur noch die Hotline des Ministeriums. Bei der muss man anrufen und ein Sperrkennwort nennen, um den Ausweis ungültig zu machen und das Schlimmste zu verhüten. Was beispielsweise im Urlaub schwierig werden kann, wenn man es vergessen hat. Damit aber ist der einzige Schutz der Identität das eigene Gedächtnis. Angesichts der Tatsache, dass die schwächste Stelle in solchen Systemen immer der Mensch ist, nicht gerade viel.
Padeluun, Künstler, Datenschutzaktivist und Mitgründer des Vereins Foebud , will deswegen auch weiter dagegen kämpfen, selbst wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen sei, wie er sagt. "Wir geben grundsätzlich nie auf und fordern jetzt: Der Chip muss raus!"
- Datum 21.06.2010 - 19:57 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 86
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Liberal? Wirtschaftsliberal!
sein, in der fdp heißt, VERSAGEN AUF DER GANZEN LINIE!
Anscheinend bekommen die Saaldiener im Deutschen Bundestag bedeutend mehr Sinnvolles auf die Reihe als die gelb-Schwätzer. Bitte Frau L.-Schnarrenberger, wechseln Sie sofort die Partei!
Weshalb wird hier schon wieder auf der FDP rumgehackt, beschlossen hat den Dreck die CDU und die SPD!!
Weshalb wird hier schon wieder auf der FDP rumgehackt, beschlossen hat den Dreck die CDU und die SPD!!
Ich halte die neuen Ausweise für gefährlichen Nepp. Gefährlich, weil ich an die behauptete Sicherheit nicht so recht glauben kann, und Nepp wegen seines unverschämten Preises. Warum nur bekommen wir Bürger, "passend" zur Finanzkrise, immer teurere Ausweise aufgenötigt? Die Antwort möchte ich mal von einem Politiker hören, der diese neuen Ausweise befürwortet.
Der soll mir mal erklären, worin der Vorteil eines solchen Ausweises für seinen BESITZER, nicht etwa für Staat und "Wirtschaft", bestehen soll.
der Aufschrei der Republik?
Aber der Text ednthält ja einen guten Vorschlag:
Sofort den alten verlieren!
... hier eine alternative: einfach ein paar Sekunden in die Mikrowelle mit dem Ding. Das brutzelt den Chip ziemlich sicher.
Ich will hier nicht zu mutwilliger Zerstörung von Staatseigentum aufrufen (ja, der Personalausweis ist Staatseigentum), aber Fakt ist - in der Mikrowelle stirbt der Chip schon nach ein paar Sekunden und außerdem ist es kaum bis gar nicht nachweisbar. Soviel dazu.
LG
... hier eine alternative: einfach ein paar Sekunden in die Mikrowelle mit dem Ding. Das brutzelt den Chip ziemlich sicher.
Ich will hier nicht zu mutwilliger Zerstörung von Staatseigentum aufrufen (ja, der Personalausweis ist Staatseigentum), aber Fakt ist - in der Mikrowelle stirbt der Chip schon nach ein paar Sekunden und außerdem ist es kaum bis gar nicht nachweisbar. Soviel dazu.
LG
Für eine größere Gefahr des Datenmissbrauchs auch noch das Dreifache zahlen zu müssen ist für mich wenig überzeugend.
da kommt bei mir der Verdacht auf, dass sich der Staat hier an der Entprivatisierung meiner, respektive unserer Privatsphaere bereichert.
Ich glaub, da muss ich nochmal mal in mich gehen und schaun, was noch da ist:
erst aus der Kirch ausgetreten, weil ich einmal zuviel in mich gegangen bin und mein Gewissen befragt hab.
und nu wieder mein Gewissen befragen....Hmmm, wo trete ich diesmal aus wenn der Staat meine Privatsphaere veraeussert hat?
da kommt bei mir der Verdacht auf, dass sich der Staat hier an der Entprivatisierung meiner, respektive unserer Privatsphaere bereichert.
Ich glaub, da muss ich nochmal mal in mich gehen und schaun, was noch da ist:
erst aus der Kirch ausgetreten, weil ich einmal zuviel in mich gegangen bin und mein Gewissen befragt hab.
und nu wieder mein Gewissen befragen....Hmmm, wo trete ich diesmal aus wenn der Staat meine Privatsphaere veraeussert hat?
Was hat diese Partei vor der Bundestagswahl gerade hinsichtlich Bürgerrechte und Überwachung getönt. Was ist daraus geworden=Nichts.
Spätestens in den nächsten Wahlen 2011 wird die Rechnung präsentiert.
Das Schlimme ist, der einfache Bürger ist überhaupt nicht informiert. Und dies ist ja so gewollt.
Der Diskurs, die Diskussion, die Auseinandersetzung, das öffentliche Abwägen der Argumente, welche man bei solchen Schritten von seinen Volks(!)vertretern erwarten würde und in Deutschland nicht mehr bekommt. Jemals bekam?
Ich rede nicht davon, allen Kritikern Tür und Tor zu öffnen, der Paranoia zu frönen oder Menschen mit Desinteresse an Allem wieder und wieder Etwas zu erläutern ... ich rede davon, wie hier über Dinge entschieden wird, die Millionen Menschen per Dekret dazu verdammen, ihre persönlichsten Daten - nämlich ihre Identität - für jeden aus der Ferne auslesbar herumzutragen.
Ich rede davon, dass schon bald im Deckmantel der Freiwilligkeit auch das elektronische Kennzeichen (welches sich vor allem die "Contentindustrie" gewünscht hat) Einzug halten wird und man so dem (aus Politikersicht) Phänomen Internet den Schrecken nimmt, weil nun im Zuge der bisherigen Sicherheitsdiskussion eben noch besser nachvollzogen werden kann, wer genau was gesagt und geschrieben hat.
BKA, Industrie und Minister auf einer Linie - Ist das Deutschland?
Ist das eine schützenswerte Demokratie, die man hier erneut beobachten kann?
Wer schützt hier was und für und vor wem?
Verzeihen Sie mir bitte, dass bei derart perfekter Umsetzung aller Industriewünsche und der gleichzeitigen Taubheit auf dem Ohr FÜR das Volk (selbst der Datenschutzbeauftragte wendet sich empört ab vom E-Perso) der Eindruck entsteht, dass hier alles vertreten wird, aber kein Wahl(!)-Volk mehr.
Welche Firmen sidn da denn konkret motiviert? ha da jemand ne Uebersicht?
Ich stimme zu, dass Deine/Ihrer Frage (warum die oeffentliche Diskussion, die Einfuehrung dieses Erfassungsystems keine Welle geschlagen hat) den Finger in die Wunde legt. Warum haben Politiker und Medien dieses Thema geringer eingestufft als Hiroshima, 9/11 oder aehnliche Katastrophen?
Wer diesem Thema keine Wichtigkeit zuschreibt, versucht die Konsequenzen, die dieses neue System impliziert, runterzuspielen und ist moeglicherweise entweder schmerzfrei ignorant oder ein Politiker.
Bei diesem Thema gibt es keine benevolente indifference.
Wenn ich mir anschaue wie private Militaerfirmen ihre Erfahrung in Brasilien/Saolo Paolo fuer die naechste Olympia ausschlachten, kann ich mir gut vorstellen, dass Deutschland ebenso nur eine Laborratte ist. Erste Erfahrungen Deutschland und dann export des Systems in die ganze Welt....was ne Zukunft!
Welche Firmen sidn da denn konkret motiviert? ha da jemand ne Uebersicht?
Ich stimme zu, dass Deine/Ihrer Frage (warum die oeffentliche Diskussion, die Einfuehrung dieses Erfassungsystems keine Welle geschlagen hat) den Finger in die Wunde legt. Warum haben Politiker und Medien dieses Thema geringer eingestufft als Hiroshima, 9/11 oder aehnliche Katastrophen?
Wer diesem Thema keine Wichtigkeit zuschreibt, versucht die Konsequenzen, die dieses neue System impliziert, runterzuspielen und ist moeglicherweise entweder schmerzfrei ignorant oder ein Politiker.
Bei diesem Thema gibt es keine benevolente indifference.
Wenn ich mir anschaue wie private Militaerfirmen ihre Erfahrung in Brasilien/Saolo Paolo fuer die naechste Olympia ausschlachten, kann ich mir gut vorstellen, dass Deutschland ebenso nur eine Laborratte ist. Erste Erfahrungen Deutschland und dann export des Systems in die ganze Welt....was ne Zukunft!
Die von der Bundesregierung geplante Aufnahme biometrischer Merkmale in den Personalausweis greift tief in die Rechte der Bürgerinnen und Bürger ein. Durch die elektronische Speicherung biometrischer Merkmale in Personalaus- weisen droht eine Referenzdatei zu entstehen, die alle im Bundesgebiet lebenden Menschen erfasst. Die elektronisch erfassten Lichtbilder und Fingerabdrücke können vernetzt und abrufbar werden, insbesondere wenn die Bundesregierung – wie bereits angekündigt – die Bundeskompetenz zur Schaffung eines einheit- lichen Melderegisters wahrnimmt. Besonders problematisch ist die Speicherung des Fingerabdrucks aller Bürgerinnen und Bürger über 16 Jahren, denn es han- delt sich dabei um Daten, die bisher nur im Rahmen von Ermittlungen bei Straf- taten erfasst wurden. Eine solche unterschiedlose, erkennungsdienstliche Erfas- sung fast aller Bürgerinnen und Bürger ist verfassungsrechtlich höchst bedenk- lich und schafft die Grundlage für eine umfassende Erweiterung der Kontrolle der Bevölkerung bis in den privaten Bereich hinein. Die Bundesregierung ver- folgt dieses Projekt aus eigenem Antrieb – eine Vorgabe der EU, wie es sie bei der Einführung des biometrischen Reisepasses gab, besteht für den Personal- ausweis nicht.
"Die Bundesregierung verfolgt dieses Projekt aus eigenem Antrieb"
bitte etwas ausfuehren!!!! Erscheint mir hier der Dreh udn Angelpunkt zu sein.
Wer weiss wer mit welchen Motiven was entscheiden hat? Gibt es da url's zu? Ueber jeden link sehr dankbar.
LG
trumpfheller
Hier ein NPR report online ueber den Chip von 2008:
In dem Bericht macht der Reporter am Anfang eine reference zu den letzten James Bond Film. Hoch interessant was danach noch so alles angesprochen wird: (leider nur in englisch)
http://www.npr.org/templa...
"Die Bundesregierung verfolgt dieses Projekt aus eigenem Antrieb"
bitte etwas ausfuehren!!!! Erscheint mir hier der Dreh udn Angelpunkt zu sein.
Wer weiss wer mit welchen Motiven was entscheiden hat? Gibt es da url's zu? Ueber jeden link sehr dankbar.
LG
trumpfheller
Hier ein NPR report online ueber den Chip von 2008:
In dem Bericht macht der Reporter am Anfang eine reference zu den letzten James Bond Film. Hoch interessant was danach noch so alles angesprochen wird: (leider nur in englisch)
http://www.npr.org/templa...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren