Spion im Kinderzimmer Spanner hackte sich in Webcams von Mädchenzimmern
Ein 44-jähriger Mann aus dem Rheinland guckte mithilfe manipulierter Webcams in Kinderzimmer. Anscheinend sind mehr als 100 Mädchen betroffen.
© Cover/Getty Images

Wenn die Webcam einfach so angeht, sollte man sich überlegen, ob nur ein technischer Defekt dahinter steckt oder womöglich ein Spion
Ein 44-jähriger Mann hat sich mithilfe eines Programms Zugang zum Computer mehrerer Mädchen verschafft und die Kinder dann mit deren eigenen Webcams in ihrem Zimmer beobachtet. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Aachen sagte, läuft gegen den aus dem Raum Aachen stammenden Mann ein Ermittlungsverfahren wegen des Ausspähens von Daten. Zuerst über den Fall berichtet hatte das Westfalen-Blatt aus Bielefeld.
Den Ermittlungen zufolge sah sich der Hacker zunächst in sozialen Netzwerken im Internet um, welche Mädchen ihm dort gefielen. Danach platzierte er via Internet auf deren Rechnern heimlich einen sogenannten Trojaner. Mit diesem Programm habe er dann die am Computer der Mädchen installierten Webcams von seinem Rechner aus ferngesteuert. So habe er mit diesen Webcams auch Fotos von den Mädchen gemacht und diese dann auf seinem Computer gespeichert. Die bisherigen Ermittlungen hätten aber keinen Anhaltspunkt für Delikte im Bereich der Kinderpornographie ergeben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Die Spähattacke aufgedeckt hat Thomas Floß vom Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD). Der Elektrotechniker aus dem westfälischen Versmold hält in Schulen regelmäßig Vorträge, um Kinder und Jugendliche für den Datenschutz zu sensibilisieren. "Zwei Mädchen erzählten, dass die Kontroll-Leuchte an ihren Webcams nicht ausgeht", sagte Floß.
Als der Experte die Computer untersuchte, entdeckte er schädliche Programme – die Trojaner –, die im Hintergrund die Geräte manipulierten. Die Software habe der Täter über den Chat-Dienst ICQ verbreitet: Zunächst knackte er das Nutzerkonto eines Schülers, das nur von einem schwachen Passwort geschützt war. Dann versandte er von dessen Adresse aus einen als Bildschirmschoner getarnten Trojaner an die Mitschüler. Wer die Datei öffnete, hatte die Software auf dem Rechner, sagte Floß.
- Keine fremden Anhänge öffnen
-
Der Spanner verschaffte sich mit Hilfe eines Trojaners Zugang zum Rechner der Mädchen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt, sich mit Hilfe von Anti-Spyware-Programmen sowie einer Firewall zu schützen. E-Mail-Anhänge sollte man nur öffnen, wenn man den Absender kennt. Außerdem sollte man jedes Update seines Viren-Programmes installieren.
Allerdings bietet selbst ein aktueller Virenscanner keinen hunderprozentigen Schutz. Und in diesem Fall verschickte der Täter die Schadprogramme über einen gehackten Account von einer Mitschülerin der betroffenen Mädchen. Die hatten daher kaum Anlass, Verdacht zu schöpfen.
- Webcam ausstöpseln oder abdecken
Der Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) empfiehlt, externe Webcams ohne Kontrollleuchte auszustöpseln, wenn man sie nicht benötigt. Für fest verbaute Kameras gibt es im Handel spezielle Klappen. Wer auf Video-Chat ohnehin verzichtet, kann das Kamera-Auge auch einfach abkleben oder mit einem Edding übermalen. Der BvD rät sogar, den Rechner immer auszuschalten, wenn man ihn nicht benutzt.
Der Experte konnte die Spur ins Rheinland zurückverfolgen. Als die Polizei den Mann festgenommen habe, seien auf dessen Rechnern mehrere Videos aus Kinderzimmern gelaufen, schrieb das
Westfalen-Blatt
. Der Täter hatte vor allem auf Mädchen abgesehen – Jungen seien nur selten betroffen, sagte Datenschützer Floß.
Die Kripo Aachen hat anscheinend mehr als 100 Eltern informiert, dass ihre Töchter in ihren Kinderzimmern beobachtet worden seien. Viele der Familien leben in Ostwestfalen-Lippe.
Eltern, die keinen Brief bekommen hätten, könnten sicher sein, dass ihr Kind zumindest von diesem Täter nicht beobachtet worden sei, hieß es dazu. Allerdings stünde inzwischen fest: Auch andere Internetkriminelle nutzen die Möglichkeit, über Webcams in Kinderzimmer zu blicken, und viele Täter seien noch nicht enttarnt.
- Datum 19.07.2010 - 14:21 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 19
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sind kein Spielzeug mehr. Man sieht ja was passiert, wenn wahllos auf Dateien geklickt wird.
Je mehr man dem Computer anvertraut (private Bilder, Passwörter, Online Banking, etc.) und um so weniger Ahnung man hat, desto härter kann man auf die Nase fallen.
gegen jede Art von Bundestrojaner und ähnlichen Unsinn ist, weiß ich auch nicht mehr.
Ich erinnere nur an den Fall in USA, wo Kinder über die Kamera ihres schuleigenen Laptop überwacht wurden.
Von der eigenen Schule.
Letztendlich reicht ein einfacher Plastik-Schieber/Aufkleber/Klettverschluss den man vor die Kamera zieht und der ggf. noch das Mikrofon abschaltet um seine Privätspähre und die seiner Kinder zu schützen.
Ansonsten sollte man keine Computer kaufen deren schlechtes Design dies nicht vorsieht. Ggf. kann man die Kamera auch kaputtmachen (Lackstift, heiße Nadel) machen und für den Bedarf eine externe USB Kamera anschließen.
Die Mischung aus: Recher im Kinderzimmer, "Lampe an" und ICQ-Nutzung, spricht aber auch dafür das auch Seite der EB einige Fehler gemacht worden sind.
Computer gehören nicht in Kinderzimmer. Kindern gehören auch keine Handys, Laptops oder Hunde, auch wenn sie mit Ihnen Umgang haben dürfen und er ihnen auch gut tun kann, muss dies unter Aufsicht erfolgen, bis man sicher ist, dass die Grundlagen verstanden worden sind.
Internet alleine ist ab 18 – dies muss nicht ständig neu diskutiert werden, auch wenn man Kinder mit entsprechender Kompetenz eher (ab 16 oder früher) im Internet alleine lassen kann.
Aber nur weil es KinderVZ gibt ist, ist das Internet keine heile Welt. Dafür ist es auch nicht da.
Ich muss rakeller recht geben, die gefahren mit den integrierten Webcam´s wird zu stark unterschätzt.Meiner Meinung nach haben die Laptop-Hersteller das verschlafen. Aber Abdeckungen bzw. Schieber für die Webcam´s kann man schon im Netz bekommen.
In dem Artikel stand nichts davon, wie alt die Mädchen sind. Desweiteren, sind doch wohl auch die meisten PCs nicht besser geschützt. Der Hauptschuldige ist hier wohl MS, die mit ihrer Dünnbrettsoftware Virescanner und ähnlich sinnlosen Mist erst nötig machen und es Hackern dermaßen einfach.
Aber jedes System hat Schwachstellen, ist der Hacker schlauer, kann er auch gesicherte Win-PCs, Apples, Linux und die anderen Systeme knacken. Also was bitte sollen hier diese Beschränkungen, wie "erst ab 16", "so und so gesichert" etc, bringen? Weniger Opfer? So viele sind es ja nicht, das ist hier ein Einzelbericht, nicht mit einem Studienergebnis zu verwechseln.
Im übrigen ist den Mädchen ja kein Schaden zugefügt worden, so lange sie nichts davon wissen, dass sie beobachtet werden. Und auch dann nur relativ geringer.
Also was sollen die hitzigen Kommentare hier?
Ich muss rakeller recht geben, die gefahren mit den integrierten Webcam´s wird zu stark unterschätzt.Meiner Meinung nach haben die Laptop-Hersteller das verschlafen. Aber Abdeckungen bzw. Schieber für die Webcam´s kann man schon im Netz bekommen.
In dem Artikel stand nichts davon, wie alt die Mädchen sind. Desweiteren, sind doch wohl auch die meisten PCs nicht besser geschützt. Der Hauptschuldige ist hier wohl MS, die mit ihrer Dünnbrettsoftware Virescanner und ähnlich sinnlosen Mist erst nötig machen und es Hackern dermaßen einfach.
Aber jedes System hat Schwachstellen, ist der Hacker schlauer, kann er auch gesicherte Win-PCs, Apples, Linux und die anderen Systeme knacken. Also was bitte sollen hier diese Beschränkungen, wie "erst ab 16", "so und so gesichert" etc, bringen? Weniger Opfer? So viele sind es ja nicht, das ist hier ein Einzelbericht, nicht mit einem Studienergebnis zu verwechseln.
Im übrigen ist den Mädchen ja kein Schaden zugefügt worden, so lange sie nichts davon wissen, dass sie beobachtet werden. Und auch dann nur relativ geringer.
Also was sollen die hitzigen Kommentare hier?
Ich muss rakeller recht geben, die gefahren mit den integrierten Webcam´s wird zu stark unterschätzt.Meiner Meinung nach haben die Laptop-Hersteller das verschlafen. Aber Abdeckungen bzw. Schieber für die Webcam´s kann man schon im Netz bekommen.
Na ja - so etwas erinnert mich Fliegen. Wenn man nicht weiss wie es geht - dann sollte man es lassen. Oder so. Nur einen Computer - den kaufen sich (fast) alle und computern dann munter durch die Gegend.
Das Problem mit der CAM kann man ganz simpel lösen: Einfach einen Streifen schwarzes Isolierband über die CAM geklebt. Gibt es für 99 Cent im Baumarkt. Schon ist die Camera aus, wenn ich will, dass sie aus ist. Da kann das Ding von wem auch immer gehijacked werden - ausser ein schwarzes Bild kommt da nix. (Für den Fall, dass noch jemand auf die Idee kommt mir einen Windows Treiber unterzuschieben, bei dem die Camera losgelöst von der Kontrolllampe verwendet werden kann...)
Der obere Teil dieser gelben Büro-Zettel reicht schon, zumal ist die Lösung das Gerät schont. Testen kann man es ja schnell selber.
Für alle Apple-Fans, die jetzt meinen sie wären nicht betroffen: Nein, so etwas kann man nicht mit Software reparieren.
Es ist ein Design-Fehler.
Aber keine bange, es gibt für $5/20€ Zubehör dagegen, die ZEIT wird diesem Problem, inkl. zugehöriger "I-Patch-App" bestimmt bald einen zweiseitigen Artikel widmen.
Der obere Teil dieser gelben Büro-Zettel reicht schon, zumal ist die Lösung das Gerät schont. Testen kann man es ja schnell selber.
Für alle Apple-Fans, die jetzt meinen sie wären nicht betroffen: Nein, so etwas kann man nicht mit Software reparieren.
Es ist ein Design-Fehler.
Aber keine bange, es gibt für $5/20€ Zubehör dagegen, die ZEIT wird diesem Problem, inkl. zugehöriger "I-Patch-App" bestimmt bald einen zweiseitigen Artikel widmen.
Man kann zwar ständig die Webcam mit einem Isolierband zukleben, aber das löst noch lange nicht die Ursache.
Der Spanner konnte sich nur deshalb Zugang verschaffen, weil die Systeme nicht ordnungsgemäß gesichert worden sind. Firewall, AntiVir, Spybot Search&Destroy und ein starkes Passwort, wie z.B. fX4!aQ953#p hätten das Problem gar nicht erst zugelassen. Und selbst wenn man die Kamera zuklebt, dann holt sich der Spanner eben unbemerkt den kompletten Festplatteninhalt mit Fotos, Videos und anderen, privaten Daten. Da hilft auch kein Stück Klebeband !!! Zudem wäre es von Vorteil, wenn man nicht jeden Müll runterlädt, den man via ICQ geschickt bekommt.
MfG
aphex
Der Vorschlag mit der Kamera ist eine richtige, physikalische Lösung mit extrem intuitiven Design.
Ihr (sicherlich nicht komplett falscher Vorschlag) geht von verschiedenen Vermutungen aus, die aber für Kinder (und um die geht es ja hier) eher nicht zutreffen.
Der Vorschlag mit der Kamera ist eine richtige, physikalische Lösung mit extrem intuitiven Design.
Ihr (sicherlich nicht komplett falscher Vorschlag) geht von verschiedenen Vermutungen aus, die aber für Kinder (und um die geht es ja hier) eher nicht zutreffen.
Der obere Teil dieser gelben Büro-Zettel reicht schon, zumal ist die Lösung das Gerät schont. Testen kann man es ja schnell selber.
Für alle Apple-Fans, die jetzt meinen sie wären nicht betroffen: Nein, so etwas kann man nicht mit Software reparieren.
Es ist ein Design-Fehler.
Aber keine bange, es gibt für $5/20€ Zubehör dagegen, die ZEIT wird diesem Problem, inkl. zugehöriger "I-Patch-App" bestimmt bald einen zweiseitigen Artikel widmen.
[...]
Da bekommen Kinder Computer geschenkt, mit web-Kamera sogar, dürfen alleine im internet spazieren, ihre Daten plazieren und alles herunter laden (nur so kann ein Trojaner dahin gekommen sein) und die Eltern interessiert es nicht. Der Hacker hat so viele Fälle von verletzter Sorgfaltspflicht und Dummheit aufgedeckt. Werden diese Eltern nun auch angezeigt oder zumindest von Jugendämtern unter die Lupe genommen? Nicht, dass sie als nächstes ihren 11-jährigen Buben Autos schenken...
Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/cs
Wie gut, dass es so viele Besserwisser gibt.
[Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich-argumentativ. Danke. /Die Redaktion pt.]
Bald bekommen wir alle Laptops geschenkt - mit der Auflage, die Kamera online zu lassen und uns beobachten zu lassen. Ist ja ein alter Hut, 1984 lässt grüssen. Das Tolle daran ist, dass viele Menschen sich geradezu darum reißen, sich vor einer Kamera zu entblöden. Und wen interessiert es schon, ob Müller oder Meier auf dem Sofa liegen, TV gucken und das Bier dabei trinken. Vielleicht noch die Bierproduzenten, ob ihre Marke auch getrunken wird...
Wie gut, dass es so viele Besserwisser gibt.
[Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich-argumentativ. Danke. /Die Redaktion pt.]
Bald bekommen wir alle Laptops geschenkt - mit der Auflage, die Kamera online zu lassen und uns beobachten zu lassen. Ist ja ein alter Hut, 1984 lässt grüssen. Das Tolle daran ist, dass viele Menschen sich geradezu darum reißen, sich vor einer Kamera zu entblöden. Und wen interessiert es schon, ob Müller oder Meier auf dem Sofa liegen, TV gucken und das Bier dabei trinken. Vielleicht noch die Bierproduzenten, ob ihre Marke auch getrunken wird...
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