Datenschutz Die Kritik an Google Street View nimmt zu

Datenschützer schlagen wegen des neuen Dienstes von Google schon lange Alarm – nun kommt auch seitens der Politik und von Verbänden zunehmend Kritik.

Für Google im Einsatz: Ein Wagen mit montierter 360 Grad Kamera

Für Google im Einsatz: Ein Wagen mit montierter 360 Grad Kamera

Nach dem Verband der Hauseigentümer hat auch der Deutsche Mieterbund (DMB) dazu aufgerufen, Widerspruch gegen das Street-View-Projekt des Internetkonzerns Google einzulegen. Ebenso wie Datenschützer kritisierten die Verbände die von Google dafür eingeräumte Frist von noch vier Wochen als viel zu kurz. Politiker der Opposition warfen der Regierung vor, sich von Google überrumpeln zu lassen.

"Ich empfehle allen Hauseigentümern und Mietern, die nicht wollen, dass ihr Haus, ihr Garten, ihre Wohnung über Google Street View im Internet vermarktet wird, Widerspruch einzulegen", erklärte DMB-Direktor Lukas Siebenkotten. Ebenso wie das Bundesministerium für Verbraucherschutz und weitere Verbände stellte der DMB dafür auf seiner Internetseite Musterbriefe bereit.

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Der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland verwies darauf, dass Haus- und Wohnungseigentümer ein Recht darauf haben, dass Bilder ihrer Häuser geschwärzt werden, so dass diese nicht bei Google Street View erscheinen. Verbandspräsident Rolf Kornemann kritisierte in der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung zudem die Höhe, aus der die Google-Fotos gemacht wurden: "Hecken und Zäune, die als Sichtschutz gedacht sind, wurden so umgangen."

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar wandte sich im Sender N24 gegen die Absicht von Google, das von dem Unternehmen versprochene Internet-Werkzeug für Widersprüche nach vier Wochen abzuschalten. Zudem sei unklar, auf welchem Weg danach Widerspruch eingelegt werden könne. Der für Google in Deutschland zuständige Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar forderte Google auf, die gesetzte Vier-Wochen-Frist zu verlängern.

Vorsichtig äußerte sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). "Wir müssen sehr sorgfältig darauf achten, wann Quantität in Qualität umschlägt und aus etwas Normalem, der Blick auf eine Häuserfassade mit Klingelschildern und Briefkästen, ein weltweit möglicher Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen werden kann", sagte er den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Er kenne zwar noch keine Details. "Aber ich begrüße das Widerspruchsrecht, das Google einräumt", fügte der Minister hinzu.

"Die Bundesregierung hätte längst eine solide gesetzliche Grundlage zum Schutz der Privatsphäre im Internet schaffen müssen", erklärte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Er warf Google zugleich vor, die Menschen mit dem Vorhaben zu überrumpeln. Die Regierung habe es versäumt, "einen verlässlichen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, an den sich Google halten muss", sagte auch der Internet-Experte der Grünen, Konstantin von Notz, der Berliner Zeitung . Die Linke hat ebenfalls Vorbehalte gegen das Google-Projekt geäußert.

Der Datenschützer Moritz Karg sagte der dpa, eine Reform der Datenschutzgesetze sei sinnvoll. Allerdings sei der Entwurf des Bundesrats zur Regulierung von Street View nicht der richtige Weg, sagte der Jurist vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) in Kiel. "Wir fordern eine technologieneutrale Reform der Datenschutzgesetze, die unabhängig von einzelnen Technologien und Diensten dem Recht des Einzelnen auf Privatsphäre im digitalen Zeitalter gerecht wird." Die derzeit gültigen Paragraphen stammten aus einer "technologischen Steinzeit".

Google will Street View bis Ende des Jahres in den 20 größten deutschen Städten einführen. Vor dem Start des umstrittenen Straßenbilderdienstes, der detaillierte Aufnahmen von Straßenzügen und Häusern zeigt, können betroffene Hausbesitzer und Mieter ab Anfang kommender Woche noch vier Wochen lang Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Aufnahmen ihrer Wohnungen einlegen. Diese will Google dann auf den Bildern unkenntlich machen. Zwar sind grundsätzlich auch danach Widersprüche möglich. Die Bilder würden dann aber zunächst veröffentlicht. Für Bewohner anderer Orte gilt die Vier-Wochen-Frist nicht.

 
Leser-Kommentare
  1. Die vier Wochen Frist gilt also nur für 20 Städte? Und welche Städte? Und welche Fristen gelten für die Bewohner anderer Städte? Erst vier Wochen, wenn Google die mal fotografieren will? Oder kann man bereits jetzt protestieren? Wo erfährt man wann man dran ist? Muss man jetzt wöchentlich deren Webseite durchsurfen oder was?

    Googles Vorgehen ähnelt einer Ölkatastrophe. Erst keine Infos veröffentlichen, dann viele Nebelkerzen zünden und am Ende hoffen so viel Verwirrung gestiftet zu haben, dass keiner mehr weiss was Sache ist. Und wenn die Leute sich erst genervt abwenden - dann lässt es sich toll fotografieren.

    Schon ein Trauerspiel, dass man in seinem eigenen Land in seinen eigenen vier Zäunen so überrumpelt werden kann. Ich bin mir sicher, in Googles Heimatland würden die zwar hektisch aber effizient reagieren, wenn sich eine Bin Laden Corp. mit Sitz Afghanistan / Irak eine Camera aufs Dach schnallt und deren Gebäude ablichtet.

    • iDog
    • 11.08.2010 um 17:02 Uhr

    da sollte man dann doch erstmal die vor- und nachteile gegenenander abwaegen.

    zudem jeder beliebige mensch kann doch durch jede starsse fahren, ohne , dasss sich alle aufregen und sich beobachtet fühlen . und wenn sein auto hoch genung ist schaut er auch ueber den zaun. und das klingelschild kann sich auch jederr anschauen , das ist doch genau dafür da. meine guete. hoffentlich sieht keine welche hausnummer haus nummer eins hat.

    schilda laesst gruessen.

    in frankreich gibts das von der telecom seit jahren und man kann schon mal schauen wie das hotel in paris von aussen aussieht , oder wo der onkel gerade hingezogen ist. who the dingsbumms cares?

  2. http://www.theeuropean.de...

    tja..mal sehen, ob das thema im rlp-wahlkampf ziehen wird...googles macht wird zu groß..gerade noch, wenn sie das mit dem 2-klassen-internet durchbringen..bedenklich, wie ich finde

  3. 1. http://www.sightwalk.de/?...

    Schickes Haus. Dort gibts dieses Klingelschild:
    http://www.flickr.com/pho...

    Googeln Sie mal wer dieser Herr "Prof. Sauer" ist und raten dann mal wer da noch so Wohnt!

    Genau diese Person hatte noch kein Grund sich darüber aufzuregen, dass diese Information frei verfügbar im Internet rumschwebt. Will jetzt Otto Pimpelhuber schützenswerter sein als eben diese Person?

    2. Es gibt KEIN Geheimdienst, der sich aus Streetview hat rausnehmen lassen. Will jetzt Otto Pimpelhuber ein höheres geheimhaltungsinteresse haben als diese Organisationen?

    3. Es gibt in deutschland eine Panoramafreiheit, nachder jederman (Privatpersonen wie auch Firmen) Beliebige Aufnahmen aus dem öffentlichen Strassenraum fertigen und veröffentlichen darf, ohne die darauf abgebildeten Personen unkenntlich zu machen oder Gebäude Abzudecken. Welches Lex Google wollen die SV-Kritiker anwenden um dies einseitig zu verbieten?

    4. "Wir müssen sehr sorgfältig darauf achten, wann Quantität in Qualität umschlägt und aus etwas Normalem, der Blick auf eine Häuserfassade mit Klingelschildern und Briefkästen, ein weltweit möglicher Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen werden kann"
    Klingelschilder sind zu weit weg um im lesbar zu sein. Briefkästen dito. Hat unser Innenminister auch mal eine Sprechblase zu diesem Thema absondern wollen oder warum ist das nur Quark was da rauskommt?

  4. ...wer seine Villa verkaufen will, und sie ist nicht in Google zu sehen, wird sie nicht los, zumindest nicht zum vom Verkäufer gewünschten Preis. Denn da muss ja was faul sein.
    23 Völker in 23 Staaten hatten nichts dagegen, da ja nur Bilder gezeigt werden, keine Videos. Man kann also nicht sehen, welche Frau wann zu mir kommt. Man sieht nur die eine Frau vom .....:-)))

  5. Die Deutschen sehen den Staat und alle Organisationen immer nur als etwas Böses. Andere Völker sehen auch das Gute am Staat und an Organisationen. Und es funktioniert

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    • ttx
    • 11.08.2010 um 18:28 Uhr

    Wenn der Staat riesige Datenbanken von seinen Bürgern anlegt, schert sich im obrigkeitshörigen Deutschland kaum jemand darum. Wenn Google einen harmlosen Kartendienst mit Frontalansichten von Häusern erweitert, befürchten viele den Untergang des Abendlandes. Absolut lächerlich.

    • ttx
    • 11.08.2010 um 18:28 Uhr

    Wenn der Staat riesige Datenbanken von seinen Bürgern anlegt, schert sich im obrigkeitshörigen Deutschland kaum jemand darum. Wenn Google einen harmlosen Kartendienst mit Frontalansichten von Häusern erweitert, befürchten viele den Untergang des Abendlandes. Absolut lächerlich.

    • ttx
    • 11.08.2010 um 18:28 Uhr

    Wenn der Staat riesige Datenbanken von seinen Bürgern anlegt, schert sich im obrigkeitshörigen Deutschland kaum jemand darum. Wenn Google einen harmlosen Kartendienst mit Frontalansichten von Häusern erweitert, befürchten viele den Untergang des Abendlandes. Absolut lächerlich.

  6. ein Interesse daran hat, ein Foto meines Hauses ins Netz zu stellen, soll Google dafür zahlen, sagen wir zehn Euro im Monat. Ich sehe keinen Grund, einem privaten Unternehmen ohne einen für mich erkennbaren Nutzen etwas zu gestatten, womit Geld verdient werden soll.

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    Wenn ich vor Ihrem Haus eine Rundumansicht mache und diese dann ins Netz stelle, wollen Sie dann auch Geld sehen?

    Wenn nein: Warum dann von Google?

    Wenn Ja: Bekommen Sie trotzdem nichts. Panoramafreiheit: http://de.wikipedia.org/w...

    Wenn ich vor Ihrem Haus eine Rundumansicht mache und diese dann ins Netz stelle, wollen Sie dann auch Geld sehen?

    Wenn nein: Warum dann von Google?

    Wenn Ja: Bekommen Sie trotzdem nichts. Panoramafreiheit: http://de.wikipedia.org/w...

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