Street View Wenn’s nur Google wäreSeite 2/2

Niemand außer Google weiß wirklich, was Google über uns weiß. Noch weniger wissen wir, welche Datenverknüpfungen künftig möglich werden. Hilflos wirkt da die Forderung des Bundesdatenschützers Peter Schaar nach einem Verbot der Bildung von Persönlichkeitsprofilen. Zu kurz gegriffen erscheint der Ansatz einer differenzierten Widerspruchslösung des Innenministers. Und bisher hört man von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nur Allgemeines zur Anpassung an die Digitalisierung.

Selbstverständlich brauchen wir Bürger eine Widerspruchslösung, die nicht von Googles Gnaden ist. Trotz allen Gepolters, das wohl der Profilierung dienen soll, wird es angesichts des engen Handlungsspielraums eine Einigung im Kabinett geben. Der Staat kann das digitale Persönlichkeitsrecht Einzelner gegenüber Unternehmen auch in anderen Bereichen schützen. Zur allgemeinen Gelassenheit würde sicher beitragen, die tatsächlichen Möglichkeiten unter Verzicht auf Koalitionszänkereien zügig zu benennen und umzusetzen. Eine lokale Geschwindigkeitsbegrenzung sozusagen.

Die Insel der seligen Analogen wird es aber nirgendwo mehr geben. Der beste Umgang mit unserem Namen im Netz in der Bürgergesellschaft 2.0 ist der bewusste Umgang. Und da nimmt sich neben Facebook & Co. Google Street View eher harmlos aus.

Der Text erschien im Tagesspiegel.

 
Leser-Kommentare
  1. Guter Artikel. Vielleicht sollte man das Thema sogar schon in der Schule behandeln. Staatliche Kontrolle ist im Internet kaum ausreichend möglich.
    Einen anderen interessanten Artikel zum Thema habe ich hier gelesen: http://bit.ly/bl86qn

  2. Daran kann man nichts ändern. Wichtiger wäre es
    zu verhindern, daß Google und Konsorten mit den
    Regierungen zusammen arbeiten.

    Lesen Sie mal Bücher von William Gibson und Sie
    werden merken, daß wir die "Matrix" ncith mehr
    aufhalten können.

    GoogleEarth SecondLive augmented reality

    das ist UNSERE Zukunft!

  3. Hysterischer Häuserkampf via Internet
    .. "Wir sehen ein lineares Verhältnis zwischen Medienecho und der Zahl der Widersprüche", sagt Panogate-Chef Wild. Menschen verlangten gar, Fotos von Ortschaften zu löschen, die Sightwalk nicht abbildet. Im Streit über die Bilderdienste hat die Hysterie die Fakten verdrängt.

    http://www.ftd.de/it-medi...

  4. ... dass Google zwar viele Daten hat, aber nicht wirklich etwas weiß. So lange man nicht selbst einen der Googledienste nutzt und dort explizit seine Adresse oder sonstige Daten eingibt, weiß Google nichts.

    Persönliche Daten hat aber z. B. mein E-Mail-Anbieter. Wenn es ein Gratisdienst ist, werde ich von dem regelmäßig auf allerhand Vorlieben abgeklopft, um mit passender Werbung versorgbar zu werden. Was die E-Mail angeht, wäre mir ganz lieb, wenn es einen wirksamen Datenschutz gäbe, aber wie soll das gehen? Ein Polizist neben jedem E-Mail-Postfach?

    Am End kann man sich nur darauf verlassen, dass es dem E-Mail-Provider zu blöd ist, in E-Mail zu stöbern, oder falls nicht, dass er die, die mich erpressbar machen könnten, übersieht.

    Wer echte Sicherheit will, muss verschlüsseln. Das geht aber nur, wenn der Gesprächspartner ähnlich paranoid ist. Ansonsten muss man damit leben oder wieder normale Briefe schreiben und ins Hinterhaus ziehen, wo Google nicht hinfährt. Auch das geht.

  5. sondern paranoid.

    Schaut man sich an, was mehr oder minder legal hier von Regierung, Payback, Deutschlandcard, GEZ u.v.m bereits gesammelt wird und direkt einer Person zugeordnet werden kann, OHNE dass nur einer daran Anstoss nimmt, komme ich doch ins Grübeln. Wenn ich nur sehe, wie beim Einkauf freiwilig!() die Deutschlandcard genutzt wird, mit dem ich so viel mehr von mir preisgebe. ( Wieviel kann ich kaufen, was kaufe ich und wann. Zudem geb ich auch noch meine Kontendaten Preis, meinen Namen sowieso. Jetzt noch die Verbindung des EInkaufsstandorts und des örtlichen Telefonbuchs und der Schaden dürfte um etliches höher sein als ein Foto einer Häuserfront, welches u.U. schon Jahre alt ist. )

    Entsetzt bin ich aber über das Niveau, mit dem Medien und Politiker durch Sommerloch hetzen und das sogar Parteiübergreifend.

    Wer seine Daten nicht preisgeben will, ist jederzeit dazu in der Lage, dazu ist es nicht einmal nötig, den eigenen Internetzugang zu kündigen.

  6. Leider ist ihr Kommentar viel zu begründet, als das ihn hier jemand ernst nehmen würde. Trotzdem danke dafür.

  7. Einerseits ist es sicher wichtig Google & Co genau auf die Finger zu schauen, die Hysterie um StreetView finde ich aber auch etwas übertrieben, ähnliche bedenken gab es auch als Google seinen Dienst EarthView startete.
    Das wirkliche Problem dahinter ist meiner Meinung nach, nicht nur auf auf das Internet bezogen, daß die Nutzer nicht wissen was die Konzerne mit ihren Daten anstellen, zu Intransparent ist die Arbeitsweise der Dienste-Anbieter egal ob Google, Payback-Karte oder Ratingagenturen.
    Ein allgemeines Problem online wie offline ist die Tendenz das Konzerne versuchen auf alles und jedes ein Preisschild zu kleben, angefangen bei Patenten auf Lebewesen und deren Genom bis hin zum Trinkwasser und eben auch mit unseren persönlichen Daten wird munterer Handel betrieben. Die Dystopie das Konzerne irgendwann selbst auf die Luft zum Atmen eine Gebühr erheben könnten, weil sie dafür sorgen das sie atembar ist, ist wohl der "worst case" derartiger Gedankengänge.
    Die Angst den Konzernbossen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein, ohne Kontrolle darüber was mit uns, unseren Daten und unserer Welt geschieht ist wohl die eigentliche Triebfeder hinter den Protesten gegen StreetView.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service