Lange dauerte der Streit, nirgends sträubten sich Kritiker so heftig gegen die Google-Straßenansichten wie in Deutschland. Drei Jahre lang stritt sich der Konzern mit seinen Gegnern.

Einige Gemeinden versuchten, den Kamerawagen Googles die Durchfahrt zu verbieten , um Bilder zu verhindern. So groß war die Sorge, dass die Justizminister der Länder ein eigenes Gesetz forderten , um zu regeln, wie Google die Fotos des öffentlichen Raumes verwenden darf.

Nun startet der Dienst auch hier. Wie Google erklärte, wird Street View ab November verfügbar sein, genauer will man das Datum derzeit nicht angeben. Offensichtlich will Google erst abwarten, wie viele Beschwerden eingehen und bearbeitet werden müssen. Über deren mögliche Menge möchte man nichts sagen. Doch hieß es, dass die von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner genannte Zahl stimmen könnte – die rechnet mit einer mindestens fünfstelligen Summe von Widersprüchen. Und sie sagte nun, der Dienst gehe hoffentlich erst online, wenn alle Widersprüche auch berarbeitet seien.

Vier Wochen sind nun Zeit für einen Einspruch. Die zwanzig Städte, deren Straßenfronten anschließend nahezu komplett im Netz stehen werden, sind Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Gefilmt wurden sie alle schon vor einiger Zeit. Derzeit würden die Bilder aufbereitet, erklärte Google. Vor allem Nummernschilder von Autos und Gesichter werden dabei automatisch unkenntlich gemacht. Diesen Schutz gibt es weltweit . Auch widersprochen werden kann einem Bild schon immer.

Neu ist die deutsche Sonderlösung, dass es ein spezielles Formular gibt, mit dem bis zum Start der Verwendung widersprochen werden kann. Hausbesitzer und Mieter, die nicht wollten, dass ihre Grundstücke oder ihre Fenster zu sehen sind, können ab kommender Woche auf der Website beantragen , dass die Bilder unkenntlich gemacht werden. Sie werden dann verschwommen dargestellt, verschwinden werden sie nicht. Die "Löschung" geschieht – auch das eine von deutschen Datenschützern erkämpfte Lösung –, in den Rohdaten und nicht nur auf der Oberfläche. Sie ist damit nicht mehr rückgängig zu machen.

Um Missbrauch zumindest einzudämmen, bekommt jeder Antragsteller per Post einen Brief an die zu sperrende Adresse. Denn die muss beim Antrag angegeben werden. Erst wenn der im Brief enthaltene Code auf der Website eingegeben wird, macht Google die Häuser unkenntlich. Wie das helfen soll, zu verhindern, dass Mieter ein Haus löschen, obwohl es der Hausbesitzer nicht will, erklärte Google nicht. Man habe diesen Einwand selbst schon vorgebracht, hieß es, doch bei der Abwägung hätten die Interessen des Datenschutzes überwogen.