Die aufgeheizte Debatte um Google Street View hat bereits ein erstes Opfer gefordert: die berechtigte Kritik an dem Straßenansichtsdienst. Im Getöse droht unterzugehen, dass es gute Argumente gegen einen Start in seiner jetzigen Form gibt.

Bislang ist noch nichts Schlimmes passiert. In den Serverschränken der Google Inc. sind Millionen Bilder von deutschen Hausfassaden gespeichert, aufgenommen von herumfahrenden Autos. Doch nun sollen diese Bilder online gehen – und das Geschrei ist groß. Dabei mischen sich die sachlichen mit den unsachlichen Argumenten. Die Befürworter zitieren mit Vorliebe die aberwitzigsten Argumente der Gegner und springen dem notleidenden Konzern bei. Dabei hat Google tatsächlich vieles falsch gemacht.

Google schickte Autos durch die Straßen, um diese aus 2,90 Metern Höhe zu filmen. Das ist hoch. Nehmen sie jemanden auf die Schultern, dann schaut dieser vielleicht aus dieser Höhe. Lassen Sie sich von dort berichten, ob und wie gut man über Hecken und Mauern schauen kann. Die dürfen in vielen Gegenden Deutschlands maximal zwei Meter hoch sein, oft niedriger. Kann man eindeutiger sagen, dass man nicht möchte, dass das eigene Grundstück gesehen wird, als durch so eine Hecke oder Mauer? Ich meine: nein.

Deutschland ist mit seiner Kritik auch kein Sonderfall. In der Schweiz, in Griechenland und anderswo ist das Projekt ebenfalls umstritten. In Japan beispielsweise musste Google 2009 sogar 20 Städte nachfilmen – mit geringerer Kamerahöhe.

Autokennzeichen und Personen soll Google nun unkenntlich machen, fordern Politiker. Personen? Google selbst redet nur von Gesichtern. Aber dass eine Person nicht ausschließlich am Gesicht, sondern auch an vielen weiteren Merkmalen zu identifizieren ist, für diese Weisheit muss man kein Kriminologe sein. Wer sich anschaut, wie miserabel die Anonymisierung durch Google in den anderen Ländern funktioniert, kann man nur sagen: Das muss besser werden.

Und dann die Möglichkeit zum Widerspruch. Google betrachtet die Widerspruchslösung – ganz in der Tradition amerikanischer Unternehmen – als Serviceleistung. Doch hier kommen wir an eine kulturelle Grenze. Ein Widerspruchsrecht darf keine Firmenkulanz sein.

Google nutzt den öffentlichen Raum, soweit, so gut. Aber in den meisten Fällen ist die Nutzung dieses Raumes an bestimmte Bedingungen geknüpft, und genau diese muss die Politik nun endlich klarmachen. Dazu hätte sie schon viele Jahre Zeit gehabt, offensichtlich hielt man es nicht für nötig.