ZEIT ONLINE:Googlewill sein Straßenfoto-Projekt Street View starten . Ilse Aigner hat gesagt, sie rechne mit einer fünfstelligen Zahl von Widersprüchen. Sie haben gesagt, Sie fotografieren die, die dort nicht zu sehen sein wollen – auf Sie kommt viel Arbeit zu, oder?

Jens Best: Ich bin ja nicht allein. Mehr als 300 Menschen haben zugesagt, dass sie die Kamera in die Hand nehmen, wenn es losgeht. Es geht aber vor allem um die Symbolik. 

ZEIT ONLINE: Was soll das Ganze?

Best: Der öffentliche Raum bildet sich auch im Digitalen ab. Wir alle wollen im Digitalen eine Privatsphäre haben – also müssen wir im Digitalen auch eine Öffentlichkeit haben. Das eine geht nicht ohne das andere. Diskutiert werden sollte der Punkt, an dem die Grenze verläuft zwischen beiden. Diese Grenze aber sollte ohne Vorurteile diskutiert werden.

ZEIT ONLINE: Sie wollen provozieren.

Best: Das ist der Sinn, um eine Debatte anzustoßen. Ich bin kein Archivar oberbayerischer Feuerwehrhäuser. Aber es muss möglich sein, die oberbayerischen Feuerwehrhäuser zu archivieren. Es geht um eine Demonstration. Einzelne haben dank des Internets heute eine Macht, die sich früher nur Staaten und große Unternehmen leisten konnten. Und ich möchte zeigen, dass Öffentlichkeit im Digitalen mehr Chancen als Risiken birgt.

ZEIT ONLINE: Wo ist für Sie die Grenze zwischen öffentlich und privat?

Best: Weilheim in Oberbayern und Herne wollen zum Beispiel, dass ihre öffentlichen Gebäude aus Google Street View entfernt werden. Da erschließt sich selbst für den gutwilligsten Betrachter nicht, wo ein Persönlichkeitsrecht eingeschränkt wird, wenn Feuerwehrhäuser oder Schulen von außen fotografiert werden.

Sie sagen, Fotos von Kindergärten könnten dazu dienen, dass Pädokriminelle sich vorbereiten, bevor sie dahin gehen. Aber Häuserfronten kann jeder sehen, der an ihnen vorbeigeht, warum sollen sie nicht alle sehen dürfen?