Rund 7500 Demonstranten nahmen an dem Protestzug unter dem Motto "Freiheit statt Angst – Stoppt den Überwachungswahn" in Berlin teil. Zumindest sprechen die Organisatoren von dieser Zahl. Vielleicht seien es auch mehr gewesen, so genau könne man das nicht sagen. Jedenfalls hätten die Initiatoren nach dem Erfolg im letzten Jahr mit weitaus weniger gerechnet, sagen sie.

Dabei sind die Dinge, gegen die sich der Protestzug richtet, noch immer allgegenwärtig. Die Demonstranten wandten sich unter anderem gegen die Volkszählung 2011 , die elektronische Gesundheitskarte, die Einkommensdatenbank ELENA , den elektronischen Reisepass und das SWIFT-Abkommen zur Weitergabe von Bankdaten zwischen der Europäischen Union und den USA.

"Die Namen und Gesichter haben sich geändert", sagt der Initiator, der Künstler und Netzaktivist padeluun, bei seiner Rede. "Doch die Programme sind dieselben." Da helfe es auch nichts, dass die Bundesregierung mit Projekten wie der Enquete-Kommission einen Netzdialog vortäusche. "Einen Schäuble im Schafspelz" nannte die Journalistin und Bloggerin Anne Roth zuvor Innenminister Thomas de Maizière.

Zu der Demonstration hatte ein breites Bündnis von rund 130 Organisationen, Parteien und Verbänden aufgerufen. Entsprechend bunt ist das Feld der Teilnehmer. Netzaktivisten und Datenschützer treffen auf Verschwörungstheoretiker, Chemtrail-Anhänger, Atomgegner und Tierschützer. Aus dem schwarzen Block ertönen antikapitalistische und antifaschistische Parolen. Die Anhänger der Bürgerrechtsvereinigung FoeBuD haben eine "Datenkrake" dabei, die auf einem weißen Kleinbus thront. Vereinzelt werden Attrappen von Videokameras auf die beistehenden Polizisten gerichtet – eine Antwort auf die Polizeiübergriffe bei der Demo im vergangenen Jahr .

Auch die großen Parteien zeigen Flagge. Neben den erwartungsgemäß vielen Anhängern der Piratenpartei sind vor allem die Grünen zahlreich erschienen. Deutlich weniger Anhänger zählt der Block der FDP. Auch wenn FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagte, seit dem Eintritt der FDP in die Regierung habe seine Partei die immer tieferen Eingriffe in die Bürgerrechte gestoppt – für viele der Demonstranten gilt die FDP als umgefallen und nicht glaubwürdig.

"Was haben die hier überhaupt zu suchen?", fragt ein Teilnehmer missmutig. Auf seinem Shirt prangt der Kopf von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. "Zensursula" steht darunter – auch das ein Überbleibsel, als sich den Themen noch eindeutige Figuren zuordnen ließen.