Google 244.000 Widersprüche gegen Street View

Bald startet Google Street View Deutschland – mit Lücken: Etwa eine Viertelmillion Haushalte hat Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Fotos ihrer Häuser eingelegt.

Google hat zum ersten Mal die Zahl der Widerspruchsanträge genannt: etwa 244.000 deutsche Haushalte wollen nicht, dass ihre Häuser in Googles Straßenatlas Street View zu sehen sind. Das seien knapp drei Prozent der Haushalte in den 20 Städten, für die Street View bis Ende des Jahres starten soll, schrieb Andreas Türk, Produktmanager Street View in einem offiziellen Blog-Eintrag. Oder genauer: Von den 8,458 Millionen Haushalten, die man gezählt habe, wollten 244.237 oder 2,89 Prozent nicht dargestellt werden.

Nach einem Widerspruch werden die Gebäude in den Panorama-Straßenansichten unscharf dargestellt. Wenn auch nur ein Mieter eines Mehrfamilienhauses dies fordert, wird das ganze Gebäude "verwaschen" angezeigt. Die Aktion kann nicht rückgängig gemacht werden, da Google auf dringenden Wunsch deutscher Datenschützer dafür die Originalbilder verändert.

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Die Vorab-Widerspruchsfrist für die 20 größten deutschen Städte war am Freitag abgelaufen. Google hatte das Zeitfenster für Anträge über ein Online-Tool nach Forderungen aus der Politik auf acht Wochen verdoppelt. Unter anderem Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatte dem US-Konzern wiederholt vorgeworfen, mit Street View die Privatsphäre zu verletzen.

Zwei von drei Anträgen seien über das seit August verfügbare Online-Tool gestellt worden, schrieb Produktmanager Türk. Per Brief konnte ein Mieter oder Immobilienbesitzer bereits seit April 2009 Google auffordern, sein Haus bei Street View unkenntlich zu machen. Der Konzern legt Wert auf die Feststellung, dass auch nach dem Start des Dienstes jederzeit beantragt werden kann, das Bild eines Gebäudes wieder zu entfernen. Lediglich der Vorabwiderspruch war eine deutsche Sonderlösung.

Der für Google zuständige Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hält die Zahl der Widersprüch für bemerkenswert hoch. Sie werde jedoch von Google kleingeredet. "Ich bin nicht davon ausgegangen, dass es doch so viele sind", sagte Caspar. Wenn man die Quote der Einsprüche in den 20 Städten bundesweit hochrechne, "sind wir deutlich im siebenstelligen bereich von über einer Million." Aus dem Verbraucherschutzministerium hieß es, es handele sich um eine hohe Zahl an Widersprüchen, die aber im Rahmen der Erwartungen liege.

In Googles Blogeintrag wird darauf hingewiesen, dass man sich zwar Mühe gebe, aber nicht garantieren könne, dass jeder Einspruch auch vollständig und korrekt umgesetzt wird. Der Aufwand dafür dürfte erheblich sein. Das "verwaschen" von Autokennzeichen und Gesichtern, das Google standardmäßig unternimmt, erledigt eine Software. Die deutschen Widersprüche müssen dagegen von Hand zugeordnet und die Bilder gelöscht werden.

In einigen Fällen ist das trotzdem nicht möglich, schreibt Türk. Zu ungenau seien manchmal die Angaben zur Adresse oder – bei den per Brief eingesandten – auch unleserlich. Außerdem heißt es bei Google, nicht alle der Eingaben seien auch wirklich sinnvoll. So gebe es einige Fälle, in denen beispielsweise Bewohner von Hinterhäusern um das "blurren" gebeten hätten – gefilmt aber wurden nur die sichtbaren Straßenfronten.

Wie lange die Bearbeitung dauert und wann genau der Dienst damit hier startet, teilte der Konzern nicht mit. Bislang hieß es, man wolle die Straßenansichten im November in Google Maps verfügbar machen. Türk schrieb lediglich, die Bilder seien "schon bald" zu sehen.

 
Leser-Kommentare
  1. Immerhin hat dieser virtuelle Schwachsinn auch etwas Positives: Laut Spiegel Online wurden für die Bearbeitung der Widersprüche 200 Leute eingestellt.

  2. Redaktion

    Lieber @markusgreiner,

    Google hat zugesichert, nach dem Verfahren alle Adressen und anderen Informationen zu löschen und die deutschen Datenschutzbehörden haben angekündigt, dies zu überwachen. Ich glaube nicht, dass das ein Problem sein wird.

    Interessanter finde ich die ungeklärte Frage, was eigentlich mit jenen Häusern ist, um die es Streit gibt - wo also der Besitzer nicht löschen will, der Mieter/Pächter aber unbedingt, oder umgekehrt. Ich denke, wir werden dazu noch einige Geschichten lesen...

    Beste Grüße
    Kai Biermann

  3. ... würde mich auch mal interessieren. Bei dem Arbeitsaufwand und der Tatsache, dass viele Leute das auch wieder vergessen, würde es mich nicht wundern, wenn nur die Widersprüche der hartnäckig bleibenden Leute wirklich bearbeitet werden.
    Zumal, wie im Artikel geschrieben, es ja auch Mühe macht, erst einmal herauszufinden, was jeder mit seiner Beschreibung genau meint, welches Fenster genau und so.

  4. ...verwendet Streetview um herauszufinden wer einen (illegalen) Swimmingpool im Garten hat und lässt dann von den Finanzbehörden prüfen ob die Besitzer sonst noch was "zu verbergen" haben.

    Kein Witz, war heute Morgen ein Beitrag im BBC Morgenfernsehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...an der Häuserfassade erkennen, wer einen Swimmingpool hat? Oder verwechseln Street View mit Earth View? Auch da dürfte es schwierig werden, denn die Bilder sind teilweise bis zu 5 Jahre alt, teilweise noch älter...

    Um in den Garten zu schauen, muß man sich schon der Satellitenbilder bedienen, die unter Google Map zu finden sind.

    Mich würde einmal interessieren, ob es Leute gibt, die im Widerspruchsverfahren gegen Street View auch die Unkenntlichmachung ihres Grundstückes, welches durch Google Map ersichtlich ist, beantragt haben.

    Die Satellitenbilder der Grundstücke (hinter dem Haus) sind nicht nur für Steuerfahnder (siehe Griechenland), sondern auch für Kriminelle (Ausspähen der Lage) eine ideale Einladung.

    Naja, geht ja auf die Eigenverantwortung mit den Swimming Pool.

    Das geht auf Google Earth viel besser. Und dort gibt es keine Unkenntlichmachung.

    Was für ein Unsinn!
    Als ob da die, oder auch nur eine Datenschutzproblematik des Internet läge.

    ...an der Häuserfassade erkennen, wer einen Swimmingpool hat? Oder verwechseln Street View mit Earth View? Auch da dürfte es schwierig werden, denn die Bilder sind teilweise bis zu 5 Jahre alt, teilweise noch älter...

    Um in den Garten zu schauen, muß man sich schon der Satellitenbilder bedienen, die unter Google Map zu finden sind.

    Mich würde einmal interessieren, ob es Leute gibt, die im Widerspruchsverfahren gegen Street View auch die Unkenntlichmachung ihres Grundstückes, welches durch Google Map ersichtlich ist, beantragt haben.

    Die Satellitenbilder der Grundstücke (hinter dem Haus) sind nicht nur für Steuerfahnder (siehe Griechenland), sondern auch für Kriminelle (Ausspähen der Lage) eine ideale Einladung.

    Naja, geht ja auf die Eigenverantwortung mit den Swimming Pool.

    Das geht auf Google Earth viel besser. Und dort gibt es keine Unkenntlichmachung.

    Was für ein Unsinn!
    Als ob da die, oder auch nur eine Datenschutzproblematik des Internet läge.

    • joG
    • 21.10.2010 um 9:08 Uhr

    .....dass man die Überwachungskameras, die überall in den Strassen hängen, StreetView nicht zuschalten kann. So hat man lediglich eine eingefrorene Ansicht aus der Vergangenheit und keine Echtzeit, was viel schicker wäre.

  5. ...an der Häuserfassade erkennen, wer einen Swimmingpool hat? Oder verwechseln Street View mit Earth View? Auch da dürfte es schwierig werden, denn die Bilder sind teilweise bis zu 5 Jahre alt, teilweise noch älter...

  6. Um in den Garten zu schauen, muß man sich schon der Satellitenbilder bedienen, die unter Google Map zu finden sind.

    Mich würde einmal interessieren, ob es Leute gibt, die im Widerspruchsverfahren gegen Street View auch die Unkenntlichmachung ihres Grundstückes, welches durch Google Map ersichtlich ist, beantragt haben.

    Die Satellitenbilder der Grundstücke (hinter dem Haus) sind nicht nur für Steuerfahnder (siehe Griechenland), sondern auch für Kriminelle (Ausspähen der Lage) eine ideale Einladung.

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    ... dass der Mensch mit Augen gesegnet wurde. Was er damit so alles ausspähen kann. Noch einfacher wird alles durch das Internet. Da sieht der Mensch dann was er "live" hätte sehen können, wenn er sich mal aus seiner Bude bewegt hätte.

    Mit was für dumpfen Argumenten wird hier eigentlich argumentiert. Den Einbrecher, der sich über Jahre alte Fotos ein Bild macht und auf einen Coup vorbereitet möcht ich kennenlernen. Ist sicher nicht von der hellsten Sorte und lässt sich von der Polizei über das Internet schnappen, weil die Seite vom erspähten Objekt noch geöffnet ist.

    Gekürzt. Achten Sie bitte auf einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion/sh

    ... dass der Mensch mit Augen gesegnet wurde. Was er damit so alles ausspähen kann. Noch einfacher wird alles durch das Internet. Da sieht der Mensch dann was er "live" hätte sehen können, wenn er sich mal aus seiner Bude bewegt hätte.

    Mit was für dumpfen Argumenten wird hier eigentlich argumentiert. Den Einbrecher, der sich über Jahre alte Fotos ein Bild macht und auf einen Coup vorbereitet möcht ich kennenlernen. Ist sicher nicht von der hellsten Sorte und lässt sich von der Polizei über das Internet schnappen, weil die Seite vom erspähten Objekt noch geöffnet ist.

    Gekürzt. Achten Sie bitte auf einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion/sh

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