Vorratsdaten Leutheusser und de Maizière streiten um Überwachungsreform
BKA und Innenministerium wollen die Vorratsdatenspeicherung in "Mindestspeicherfrist" umbenennen und rasch wieder einführen. Die Justizministerin wittert eine Kampagne.
© Andreas Rentz/Getty Images

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (links) und Innenminister Thomas de Maizière
Die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) mobilisiert im Streit um die derzeit ausgesetzte Vorratsdatenspeicherung nun ihre Partei. In einem Strategiepapier an die FDP-Bundestagsfraktion widerspricht die Ministerin vehement dem Innenminister Thomas de Maizière und dem Chef des Bundeskriminalamtes (BKA) Jörg Ziercke. Beide hatten behauptet , es würden "Schutzlücken" entstehen, wenn keine Daten gespeichert würden.
"Zur Kriminalitätsbekämpfung sind auch ohne die pauschale und anlasslose Speicherung jeder Benutzung von Telefon, Handy, E-Mail und Internet genügend Verbindungsdaten verfügbar", heißt es in dem Papier der Justizministerin, aus dem das Handelsblatt zitiert . Dass mehr Überwachung automatisch zu mehr Schutz führe, sei nicht bewiesen.
Das BKA hatte außerdem beteuert, es könne durch den vom Bundesverfassungsgericht verhängten Stopp der Vorratsdatenspeicherung zahlreiche Verbrechen nicht aufklären. Das bestreitet Leutheusser-Schnarrenberger und verweist auf die geltende Rechtslage etwa im Fall der Kinderpornografie: "Stoßen Ermittler auf strafbare Handlungen im Internet, wie die Verbreitung von Kinderpornografie, so kann die Identität des Täters durch sofortige Abfrage vom Provider verlangt werden."
- Vorratsdatenspeicherung
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Wer mit wem, wann, wie lange, von wo aus und womit – das ungefähr sind die Informationen, die anhand der Vorratsdatenspeicherung erfasst werden sollen.
Das Gesetz, das das Bundesverfassungsgericht am 2. März 2010 für verfassungswidrig erklärte, war 2008 in Kraft getreten. Es verpflichtete alle Anbieter von Telekommunikation, die mehr als 10.000 Kunden haben, die sogenannten Verbindungsdaten für sechs Monate zu speichern.
Dies bedeutet: Die gesamte Kommunikation und auch alle Kommunikationsversuche via Telefon, SMS, E-Mail oder Internet werden erfasst und sind ein halbes Jahr rückwirkend noch nachvollziehbar. Nicht ihr Inhalt, aber sämtliche Metadaten, die über Art und Umfang des Kontaktes etwas aussagen.
- Das Ende der Unschuldsvermutung
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Diese Daten sollen, so die Idee des Gesetzgebers, Strafverfolgern zur Verfügung stehen und ihnen vor allem bei der Suche nach Terroristen helfen. Allerdings lassen Schätzungen der Kommunikationsanbieter den Schluss zu, dass sie vor allem dazu dienen, leichtere Vergehen wie illegales Datentauschen, Betrug oder Beleidigungen zu verfolgen.
Unabhängig davon ist der Hauptkritikpunkt, dass mit der Vorratsdatenspeicherung jeder Bürger potenziell verdächtig ist und überwacht wird und dass die Datenspeicherung so dazu beiträgt, die Unschuldsvermutung abzuschaffen.
Außerdem gibt es Studien, die zeigen, dass sich anhand von solchen Verbindungsdaten detaillierte Aussagen über das Verhalten der Beobachteten machen lassen und dass die Daten mindestens genauso aufschlussreich sind, wie ein Abhören der Inhalte der Kommunikation.
Seit Monaten zanken sich das Innen- und Justizministerium um das Gesetz. Nach dem Urteil der Verfassungsrichter will Leutheusser-Schnarrenberger warten , wie sich die EU verhält. Immerhin geht das deutsche Gesetz auf eine EU-Richtlinie zurück und die zuständige Kommissarin hatte angekündigt , diese noch einmal zu prüfen.
Das Innenministerium dagegen drängt darauf, rasch eine neue deutsche Regelung zu erarbeiten. Schließlich hätten die Verfassungsrichter doch nicht generell die Vorratsdaten verurteilt. Lediglich der Umfang der Speicherung und die Art des Zugriffs auf die Daten seien kritisiert worden. Der Spiegel hatte Anfang Oktober berichtet , de Maizière wolle das Thema zur Chefsache machen. BKA-Experten sollen anhand von spektakulären Fällen belegen, dass durch den Speicherungsstopp gefährliche "Ermittlungslücken" klaffen.
Eben solche Verbrechen präsentierten de Maizière und Ziercke vor ausgewählten Journalisten bereits vergangene Woche in Berlin. Um dennoch Daten speichern zu können, schlug man gleich auch einen neuen Begriff für das Verfahren vor: Man solle es besser "Mindestspeicherfrist" nennen, berichtete die taz . So werde deutlicher, dass nicht der Staat die Daten sammle und hinterlege, sondern die Telefon- und Internetanbieter.
Im Justizministerium reagierte man empört, wie das Handelsblatt schreibt. De Maizières Verhalten sei ein "einmaliger Vorgang" und eine "beispiellose Kampagne eines Kabinettskollegen".
- Datum 11.10.2010 - 14:13 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Auch für Sicherheitsfragen gibt es Grenzen, bei der eine Verschärfung der Überwachung keinen weiteren Nutzen mehr bringt.
Wenn man dadurch die Grundrechte der Menschen faktisch abschaffen will, so sind solche Vorhaben illegitim.
Das BVerfG hat diese überzogene Vorratsdatenhaltung zwar leider nicht komplett als verfassungswidrig angesehen.
Andere europäischen Verfassungsgerichte waren da deutlicher.
Und einige europäische Staaten haben diese Vorratsdatenhaltung trotz Mahnungen aus dem EU-Rat erst gar nicht eingeführt.
So liebe FDP...jetzt könnt ihr endlich mal was richtig machen. Das mit SWIFT habt ihr schon verbockt. Schafft ihr es wenigstens bei der VDS sowas wie einen "liberalen Markenkern" zu bewahren? Viele Chancen bleiben euch nicht mehr. Die 5% habt ihr schon erreicht. Weiter runter gehts immer...
....ein Problem der Sammlung und Verwendung von Daten. Es ist vielmehr ein Problem der Kontrolle jener, die die Daten verwenden. Wenn die Regierenden mehr Daten wollen, müssen sie nachweisen, dass sie genügend robust kontrolliert und ggf bei Missbrauch bestraft werden.
Eine Gruppe Personen, die anstiftet im Ausland das Recht zu brechen und Daten zu stehlen, scheint mir jedenfalls kaum genügend glaubwürdig, den Antrag beim Wähler vertreten zu können, ihr mehr Macht einzuräumen.
....ein Problem der Sammlung und Verwendung von Daten. Es ist vielmehr ein Problem der Kontrolle jener, die die Daten verwenden. Wenn die Regierenden mehr Daten wollen, müssen sie nachweisen, dass sie genügend robust kontrolliert und ggf bei Missbrauch bestraft werden.
Eine Gruppe Personen, die anstiftet im Ausland das Recht zu brechen und Daten zu stehlen, scheint mir jedenfalls kaum genügend glaubwürdig, den Antrag beim Wähler vertreten zu können, ihr mehr Macht einzuräumen.
Ich mißtraue den Zahlen grundsätzlich, die angeblich pro Vorratsdatenspeicherung sprechen. Und das BKA wie auch das Innenministerium beweisen immer wieder, daß ich damit nicht falsch liegen kann. Sie belegen ihre angeblichen verhinderten Ermittlungen nicht mit Fakten. Das erinnert mich ganz fatal an die Aussagen von Frau von der Leyen zur Kinderpornographie, auch hier hatte sie damals keine nachprüfbaren Fakten vorgelegt.
Wenn die FDP mehr Politiker wie Frau Leutheusser-Schnarrenberger und weniger heiße Luft Produzenten a la Westerwelle hätte, könnte sie vielleicht sogar wieder eine wählbare Alternative sein.
Die CDU wie auch die SPD wollen unsere Bürgerrechte massiv einschränken. Um das zu erreichen, streuen sie auch falsche oder verfälschte Daten aus.
Nie wieder werde ich F.D.P wählen ! [...] Ständig Knüppeln werfen im Kabinett und gegen
andere Minister, sodaß ein Stillstand vorprogrammiert ist
dank Schnatterberger & co. - finito FDP !
Bitte verzichten Sie auf Polemik und bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er
Laut EU-Vorgabe sollte die VDS zur Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität eingeführt werden! So war die Zielsetzung und nichts anderes. Aber jetzt offenbart sich ja, welche Begehrlichkeiten wirklich dahinter stehen! Die totale Überwachung. Und wenn der Terrorismus als Legitimation nicht mehr ausreicht, wird eben ein sehr emotionales Thema mit ins Boot geholt, die so enorm verbreitete Kinderpornographie im Netz. Wir kennen das alle, wir stolpern ja täglich über solches Material.
Dabei weiß jeder, der auch nur ein wenig vom Netz versteht, dass kein Terrorist, organisierter Verbrecher oder Pädophile seine echte IP hinterlässt! Es gibt unendlich viele Möglichkeiten sich im Netz anonym zu bewegen, Tor, JonDo, .... . Ganz zu schweigen von den "versteckten Netzen" im Netz, wie z.B. den Hidden Service von Tor und viele andere. Wer sich da ein wenig einliest, kann seine Maßnahmen so abstimmen, dass er zu 100% sicher ist vor jeder Strafverfolgung, trotz QF, VDS oder Netzsperren!!!!!
Also kann nur der dumme Normal-User mit einer VDS o.ä. überwacht werden.
Leute wacht auf! Es ist langsam die Zeit gekommen, wo der Bürger sich wehren muss.
"Wer totale Sicherheit will, ist zurecht ein Sklave!
....Meiste für die Bürokratie bzw für die Regierenden zu holen. Das gilt sowohl finanziell als auch an Macht. Nur wird das zunächst nicht so gesehen oder beachtet.
Es beginnt ja mit dem Kampf gegen das Verbrechen. Das ist auch ein legitimes Verlangen und für den Wähler emotional einleuchtend. So sammeln sich Werkzeuge langsam beim Staat an, die man auch anders nutzen kann, als Kriminelle heutiger Definition zu neutralisieren.
Da der Staat aus Personen besteht, die eigene Interessen haben, die sie durchsetzen wollen und diese nicht unbedingt identisch sind mit den Interessen der gesamten Bevölkerung, besteht ein echtes Risiko, dass die Werkzeuge von Personen oder Gruppen innerhalb der öffentlichen Hand oder von der Regierung selbst verwendet werden, um inländischen Minoritäten zu bekämpfen. Es mag sein, dass ich Scientologie oder NPD nicht mag aber wer sagt mir, dass nicht morgen Die Liberalen wieder der Feind ist. Die Gefahr ist sehr real, wenn man sich die letzten Hundert Jahre deutsche Geschichte ansieht.
Es geht also hier weniger um die Werkzeuge, als um die Kontrollmechanismen und deren institutionelle Organisation. Diese scheinen hierzulande viel zu schwach und würden selbst geringen Herausforderungen nicht widerstehen können.
....Meiste für die Bürokratie bzw für die Regierenden zu holen. Das gilt sowohl finanziell als auch an Macht. Nur wird das zunächst nicht so gesehen oder beachtet.
Es beginnt ja mit dem Kampf gegen das Verbrechen. Das ist auch ein legitimes Verlangen und für den Wähler emotional einleuchtend. So sammeln sich Werkzeuge langsam beim Staat an, die man auch anders nutzen kann, als Kriminelle heutiger Definition zu neutralisieren.
Da der Staat aus Personen besteht, die eigene Interessen haben, die sie durchsetzen wollen und diese nicht unbedingt identisch sind mit den Interessen der gesamten Bevölkerung, besteht ein echtes Risiko, dass die Werkzeuge von Personen oder Gruppen innerhalb der öffentlichen Hand oder von der Regierung selbst verwendet werden, um inländischen Minoritäten zu bekämpfen. Es mag sein, dass ich Scientologie oder NPD nicht mag aber wer sagt mir, dass nicht morgen Die Liberalen wieder der Feind ist. Die Gefahr ist sehr real, wenn man sich die letzten Hundert Jahre deutsche Geschichte ansieht.
Es geht also hier weniger um die Werkzeuge, als um die Kontrollmechanismen und deren institutionelle Organisation. Diese scheinen hierzulande viel zu schwach und würden selbst geringen Herausforderungen nicht widerstehen können.
Betreffs beschwichtigender staatlicher Information und dem Kaderorganisationsinfotainment:"Der am Wochenende bekannt gewordene Diebstahl von 17 Millionen Kundendaten bei der Deutschen Telekom Chart zeigen ist nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa-afx kein Einzelfall"[http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/0,2828,583203,00.html]. 50 Millionen Headset- und Handyset-Mobiledatengenerationen sind entwendet worden.
Seit dreissig Jahren habe ich
mehrere asiatische Smarthandys
und
bei der deutschen Handy-GPS-Ortung habe im Monat September
2010 konstatieren müssen, dass das organisierte Verbrechen
von Stuttgart diese Daten reichlich nutzt. Eine unverantwortliche Kollusion des deutschen Staates mit der
organisierten und syndizierten Unterwelt in Stuttgart, wo
Prepaid-Simkarten mit Telephonpersonendaten auf Geheiss des Staates verbunden worden sind, hat nun finanzielle Folgen für einen Grossteil der deutschen Mobile-Kunden, deren Schadensausmass über das rein Finanzielle weit hinausgehen dürfte und sich heute schon als verheerend antizipieren lässt. "Die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) mobilisiert" da im letzten Moment
und zieht die Notbremse, um den von früheren Regierungen angerichteten Schaden in Zukunft einzugrenzen.
Schön, dass die FDP auch mal was richtig macht!
....ein Problem der Sammlung und Verwendung von Daten. Es ist vielmehr ein Problem der Kontrolle jener, die die Daten verwenden. Wenn die Regierenden mehr Daten wollen, müssen sie nachweisen, dass sie genügend robust kontrolliert und ggf bei Missbrauch bestraft werden.
Eine Gruppe Personen, die anstiftet im Ausland das Recht zu brechen und Daten zu stehlen, scheint mir jedenfalls kaum genügend glaubwürdig, den Antrag beim Wähler vertreten zu können, ihr mehr Macht einzuräumen.
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