Sämtliche vertrauliche Dokumente der Stadtverwaltung Glücksburg aus mehreren Jahren sind durch eine schwere Panne in falsche Hände geraten. Nach Recherchen des Radiosenders NDR Info fand ein Mann aus Glücksburg die Daten auf rund 15 Festplatten und mehreren Servern, die er nach eigenen Angaben auf einem Flohmarkt gekauft hatte.

"So etwas darf nicht passieren", sagte der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert. Hier handele es sich nicht nur um eine individuelle Nachlässigkeit, sondern um "Organisationsverschulden der Stadt".

Nach Angaben des NDR hatte die Verwaltung den Flohmarkt selbst organisiert, weil sie in ein neues Rathaus gezogen ist. Aus diesem Grund bot sie das alte Inventar interessierten Bürgern an.

Ob auch die Festplatten zum Verkauf bestimmt waren oder nur zufällig dort lagerten, ist unklar. Eine Verwaltungssprecherin sagte lediglich, die Stadt habe die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Weichert sagte, die Festplatten hätten im alten Rathaus weder offen gelagert noch verkauft werden dürfen, ohne sie vorher umfassend zu löschen. Ein Zugriff auf die betreffenden Festplatten sei problemlos möglich, weil die Betriebssysteme völlig veraltet seien und keine Schutzfunktionen hätten.

Die Speicher enthalten dem Käufer zufolge Steuerbescheide, Dokumente zum umstrittenen Genehmigungsverfahren eines Spaßbades, Konzessionen für Unternehmer, Gesprächsvermerke, Protokolle und Schreiben an Bürger. Er habe für die Festplatten 30 Euro bezahlt, erklärte der Mann. Die Einzelteile der Speicher wollte er eigentlich für Computerreparaturen nutzen.

Mitarbeiter der Datenschutzbehörde in Kiel haben die Festplatten und Server inzwischen bei dem Mann abgeholt. Er habe sich selbst bei den Behörden gemeldet, sagte Weichert.

Außerdem bestätigte er, dass in den Speichern vertrauliche Dokumente zu finden seien. Dabei handele es sich um Vorgänge aus der Zeit vor 2008. Damals war die Stadt Glücksburg mit der Stadt Flensburg eine Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.