Personalisierung lautet eines der wichtigsten Schlagworte, wenn Unternehmen über die Chancen des Internets referieren. Nicht jeder Surfer soll irgendwie angesprochen werden, sondern genau der, der gerade vorbeikommt, mit dem, was ihn interessiert. Das gesamte Geschäftsmodell Facebooks basiert auf dieser Idee. Kein Wunder also, dass der Konzern auf seinen Seiten nun ein Werkzeug installiert, um diese Entwicklung voranzutreiben – obwohl es durchaus umstritten ist.

Die sogenannte umgehende Personalisierung ermöglicht es, Partnerseiten von Facebook, Accountdaten von Nutzern auszulesen. Die Funktion solle dabei helfen, heißt es in dem Ankündigungstext von Facebook dazu, "Freunde und interessante Inhalte auf anderen Webseiten zu finden". Das Tool solle die Seiten der Partnerunternehmen "unterhaltsamer und nützlicher gestalten, sobald du dort ankommst". Einem User, der bei Facebook Inception als Lieblingsfilm angegeben hat, kann Rotten Tomatoes zum Beispiel auf der Startseite die Bewertungen für diesen Film anzeigen. Eine Anmeldung auf diesen Partnerseiten ist dazu nicht nötig, es genügt, gleichzeitig bei Facebook eingeloggt zu sein.

Facebook hatte die Funktion in den USA schon im April des vergangenen Jahres vorgestellt; nachdem Datenschützer in Deutschland protestierten, hierzulande aber nicht aktiviert. Nun führt Facebook die Funktion offensichtlich doch für deutsche Accounts ein.

Seit Freitag vergangener Woche wird die Funktion schrittweise freigeschaltet, noch ist sie nicht für alle User aus Deutschland aktiviert. Nur einige können den entsprechenden Knopf bislang aktivieren oder deaktivieren. Unter den "Privatsphäre-Einstellungen" muss der Nutzer auf "Anwendungen und Webseiten" klicken, dort findet er den Menüpunkt "umgehende Personalisierung", wo er das "Zulassen"-Häckchen wegklicken kann. Damit lässt sich die Funktion abstellen. Voreingestellt ist die Variante "umgehende Personalisierung auf Partnerseiten zulassen".

Eine Facebook-Sprecherin bestätigte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung die Einführung hierzulande. Dies bedeute aber nicht, dass die Partnerseiten auf Nutzerdaten zugreifen könnten, sagte sie. Bei deutschen IP-Adressen würden keine Informationen weitergeleitet.

Auf der deutschsprachigen Facebookseite über die umgehende Personalisierung hingegen steht kein Hinweis darauf, dass deutsche Nutzerdaten nicht weitergegeben werden. Laut der Seite erhalten die Partnerseiten öffentliche Daten wie Name, Profilbild, Geschlecht, Freundesliste – und "Informationen, die Du mit allen teilst", also sämtliche Inhalte, die Nutzer für "alle" sichtbar gemacht haben. Etwa Statusmeldungen, Fotos, Beziehungsstatus und wer Familienangehöriger ist.

Acht Partnerseiten gibt es bisher , meist ebenfalls soziale Netzwerke, unter anderem das Reisenetzwerk TripAdvisor , das Filmbewertungsportal Rotten Tomatoes und die Suchmaschine Bing .