Datenschutz : Was Vorratsdaten über uns verraten

Der Chaos Computer Club nennt Handys "Ortungswanzen". Zu Recht, wie unsere interaktive Grafik zeigt: Die Vorratsdaten des Grünenpolitikers Malte Spitz enthüllen sein Leben.
Bewegungsprofil von Malte Spitz, basierend auf den Vorratsdaten seines Handys. Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu öffnen. © ZEIT ONLINE

"Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard, Flensburg und das BKA, haben unsere Daten da", sangen Kraftwerk 1981 in Computerwelt . Es klang damals unglaublich, später bedrohlich, und heute klingt es lächerlich. Denn die Wirklichkeit ist viel banaler. Unsere Telefone sind es, die am meisten über unsere Gewohnheiten verraten. Der Chaos Computer Club nannte die kleinen, mächtigen Computer in unseren Taschen deswegen auch schon "Ortungswanzen".

In einem Gutachten für das Bundesverfassungsgericht hat der Verein im Juni 2009 theoretisch beschrieben , welche Informationen bei der sogenannten Vorratsdatenspeicherung übermittelt werden und was sich daraus alles ablesen lässt . Das Verfassungsgericht hat die damalige Regelung inzwischen gestoppt , aufgegeben aber wurde die Idee von Ermittlern und Politik keineswegs . Zu interessant sind die Möglichkeiten, aus diesen auf den ersten Blick harmlos wirkenden Daten Erkenntnisse zu gewinnen. In den kommenden Wochen will die Bundesregierung über eine neue Regelung entscheiden.

Klicken Sie auf das Bild, um zur interaktiven Karte zu gelangen © ZEIT ONLINE

Was genau sich aus den Daten erfahren lässt, das konnten die meisten Menschen bis heute nur in der Theorie sehen, praktische Beispiele gab es nicht. Der Grünenpolitiker Malte Spitz hat sich daher entschlossen, seine Vorratsdaten aus dem Zeitraum August 2009 bis Februar 2010 zu veröffentlichen. Um sie zu überhaupt bekommen, musste er gegen die Telekom klagen .

Die Daten, die ZEIT ONLINE hier zum Download zur Verfügung stellt und die Basis der hier gezeigten interaktiven Karte sind , entstammen einem Exceldokument mit 35.831 Zeilen. Mehr als 35.000 Mal also hat sein Mobiltelefon in diesem halben Jahr Informationen Preis gegeben. Jede einzelne davon ist im Zweifel unbedeutend und harmlos, in der Summe aber ergeben sie das, was Ermittler ein Profil nennen – ein klares Bild über Gewohnheiten und Vorlieben, ja über das gesamte Leben.

Das Profil enthüllt, wann Malte Spitz durch Straßen läuft, wann er Bahn fährt, wann er fliegt. Es zeigt, in welchen Städten und an welchen Orten er sich aufhält. Es zeigt, zu welchen Zeiten er arbeitet und zu welchen er schläft, wann man ihn am besten erreichen kann und wann eher nicht. Es zeigt, wann er lieber telefoniert und wann er lieber eine SMS verschickt und es zeigt, in welchem Biergarten er gerne sitzt. Es zeigt ein Leben.

Um zu verdeutlichen, wie genau sich ein Leben abbilden lässt, hat ZEIT ONLINE die Vorratsdaten mit öffentlichen und für jeden problemlos verfügbaren Datensätzen "angereichert": Zu den Bewegungen von Malte Spitz werden seine Tweets und Blogeinträge angezeigt, die er in dieser Zeit geschrieben hat. Ein Verfahren, dass im Zweifel auch Ermittler nutzen würden, um ein Beobachtungsobjekt "aufzuklären".

Um zu belegen, wie genau die Angaben seines Telefons sind, sind auch seinen Termine sichtbar, wie sie auf der Website der Grünen veröffentlicht wurden. Die Orte, die sich im Muster der Funkzellen zeigen, finden sich dort sämtlich wieder.

Keine Kontaktdaten

Ermittler würden noch sehr viel mehr erfahren, als aus unserer Karte zu erkennen ist – denn einen Teil des Datensatzes veröffentlichen wir nicht: Wen Malte Spitz angerufen hat und wer ihn anrief, die Nummern seiner Kontakte also, sind nicht darin enthalten. Diese Informationen würde nicht nur die Privatsphäre sehr vieler Menschen verletzen, sie würden auch – selbst wenn wir die Nummern verschlüsselt hätten – viel zu viel über Malte Spitz verraten.

Denn nicht nur ein Bewegungsprofil lässt sich aus Vorratsdaten erstellen, sondern auch eines der menschlichen Beziehungen. Vorratsdaten zeigen, wer Freund ist und wer Familie, sie bringen geheime Liebschaften ebenso ans Licht wie verborgene Netzwerke.

Malte Spitz ist Politiker und als Mitglied des Bundesvorstandes der Grünen viel unterwegs. In diesem Punkt ist er sicher kein Durchschnittsbürger. Die Tatsache aber, dass er sein Mobiltelefon häufig nutzt, dass er damit nicht nur telefoniert, sondern SMS verschickt und im Internet surft, ist heute für viele selbstverständlich.

Alle zehn Minuten hat sich sein Gerät bei einer Funkzelle gemeldet – das ist der von Malte Spitz eingestellte Zeitraum, in dem es nach neuen E-Mails sucht. Eine Funktion, die viele Besitzer von Smartphones aktiviert haben. Es ist das Intervall, in dem das Gerät ein halbes Jahr lang Daten gesendet und abgerufen hat. Ausgeschaltet war es selten. Die Bewegungen von Malte Spitz sind insgesamt zu 78 Prozent erfasst worden.

Sechs Monate – so lange sollen nach dem Willen deutscher Politiker Vorratsdaten gespeichert werden. Sechs Monate – das ist auch der Zeitraum, den uns Spitz zur Verfügung gestellt hat. Er genügt völlig, um zu erkennen, dass keine Geheimnisse mehr bleiben. Solange das Telefon angeschaltet ist, enthüllt es das Verhalten seines Besitzers. Und selbst wenn es auch immer wieder mal nicht an ist, können die Informationen ausreichen, um ein klares Profil zu erzeugen. "Flensburg und das BKA"? Heute müsste es wohl heißen: Telekom und BKA, haben unsere Daten da.

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Kommentare

150 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

1984...

oppassen!
naja, 1984 ist lange vorbei, aber die Dystopie ist echt!
George Orwell war ein Seher und wir sind alle blind!

Dazu kommt demnächst noch IPv6, so dass jeder seine persönliche IP hat,
der Computer lesbare Personalausweis und die elektronische Krankenkarte…
und und und

...wenn man dann noch sieht, wer oder was uns regiert..!
(Puh, meine Akte ist bestimmt auch schon recht umfangreich!^^)

Hoffnung macht dagegen die totale Inkompetenz der Überwacher. Wie lange hat es gedauert, den E-Personalausweis zu hacken? 16 Stunden? Und die elektronischen Wahlautomaten? Nicht einmal 3 Tage...
Solange unfähige Trottel dieses Land regieren, liegt die größte Gefahr wohl eher im privaten Bereich; etwa kann jeder Abmahnanwalt diese Daten aufgrund einer Gesetzeslücke (die ich nicht ganz verstehe - läuft über Akteneinsicht bei Ermittlungen) diese Daten einsehen.

Andererseits: war der Staat nich ein mal dafür da, das Recht, Würde und die Freiheit der Menschen in diesem Lande zu schützen, statt eine Gefahr für sie darzustellen? Vielleicht wird´s mal wieder Zeit für einen Sturm auf die Bastille; immerhin zeigt man uns ja gerade im arabischen Raum, wie so was funktioniert.

@5: Schauen Sie doch einfach mal in § 100g der Strafprozess-

ordnung. Wenn der Telekommunikationsanbieter die Daten ohne richterlichen Beschluss an Polizei oder Staatsanwaltschaft weitergeben würde, dann begeht er sogar eine Straftat(!). Wegen ein paar Verbrechern riskiert ein deutscher Beamter doch nicht seine Pensionsansprüche. Und glauben Sie nicht, dass sich nicht jeder Verteidiger auf eine unzulässige Datenerhebnung stürzen würde, die er in den Akten findet. Wenn wir über die Vorratsdatenspeicherung diskutieren sollte man das sachlich tun. Nur weil gespeichert wird, stellt man den Bürger noch nicht unter Generalverdacht, weil die Polizei eben an die Daten gar nicht rankommt. Das ist reine (uninformierte oder desinformierende) Panikmache. Gefahren gehen aber von Hackern aus. Wenn sich der Datenbestand technisch nicht effektiv vor Dritten schützen lässt (davon habe ich keine Ahnung), dann muss man die Vorratsdatenspeicherung in der Tat hinterfragen.

Theoretisch.

Praktisch rief die örtliche Polizei immer wieder gerne bei den Telekomunikationsunternehmen an um Informationen "auf dem kleinen Dienstweg" zu bekommen, ohne einen Richter zu fragen. Es kursieren ein paar nette Stories im Netz...
Wegen unklarer Gesetzlage und evtl. Einschüchterung durch die Polizei waren die Telkos auch bereit schnell was rauszurücken.
Dazu kommt, daß das Ziel der Verhinderung von Straftaten nicht erreicht wurde, bzw. kaum erreicht werden kann. Wenn ein Verdacht besteht, ist Quick Freeze das richtige Verfahren, nicht jeden Bürger dieses Landes einer nachrichtendienstlichen Überwachung zu unterziehen, was einem Generalverdacht gleichkommt.

Glauben Sie ernsthaft

Sie werden in die Lage versetzt, dem Provider eine Straftat nachzuweisen? Dann, sollten Sie so denken, leben Sie nicht hier.
Ihnen wird es nicht möglich sein das Zusammenspiel zwischen Behörden und Provider aufzudecken - umso weniger eine Straftat gegenständlich werden zu lassen.
All gesetzlichen Vorgaben sind grundsätzlich an dem Mißbrauchspotential zu messen und der Mißbrauch zu unterstellen, so wie Sie grundsätzlich, z.B. VDS, als ein potentieller Täter beurteilt werden, verdachtslos im Moment der Speicherung, Gegenstand der Untersuchung und Analyse dann, wenn eine Behörde meint, der Auffassung ist nach pflichtgemäßem Ermessen, Sie zu einem Täterkreis, Kreis von Verdächtigen zuzuordnen.

Danach, wenn sich herausstellt das dieses pflichtgemäße Ermessen falsch war etc., fragt kein Mensch und schon gar nicht eine Behörde nach den beeinträchtigten Grundrechten, das steht nur so auf Papier, ist nicht die Realität des deutschen Lebens.

Sofern Sie Zweifel haben, probieren Sie es einfach aus - Sie werden sich wundern und Jahre damit verbringen, vergeblich unzutreffende Tatsachen zu beseitigen zu wollen.

Das sind doch alles Behauptungen ins Blaue hinein...

Aber dann schön jammern, wenn die Strafverfolgungsbehörden nichts tun können. Als die Daten noch wegen der Abrechung in vor-flatrate-Zeiten gespeichert wurden, fand das jeder völlig okay, die Einzelgesprächsauflistung sogar superpraktisch. Jetzt wird ein Riesendrama daraus gemacht. Wenn die Daten nur auf irgendeinem Server schlummern, sind wir vom gläsernden Bürger und dem Generalverdacht weit entfernt. Das bloße Speichern und die Frage eines Zugriffs sind zwei paar Schuhe. Alles andere ist Desinformation. Dass "die örtliche Polizei immer wieder gerne bei den Telekomunikationsunternehmen an(ruft) um Informationen auf dem kleinen Dienstweg zu bekommen" (Kommentar 13), hat der Autor wohl aus dem Tatort. Wenn so etwas passiert, würden sich alle Beteiligten strafbar machen! Wenn Sie von einem entsprechenden Fall Kenntnis erlangt haben, zeigen Sie die Beteiligten doch an! Auch Stasivergleiche (Kommentar 16) sind völlig daneben, weil die Stasi für den Zugriff überhaupt keine Verdachtsschwellen, keine richterliche Anordnung etc. brauchte und sogar Gesprächsinhalte abhören konnte. Auf Handys können Kriminelle jedenfalls nicht verzichten (zu Kommentar 11). Ich finde es deshalb sehr sinnvoll, wenn die Staatsanwaltschaft im Nachhinein, nachdem ein entsprechender richterlicher Beschluss ergangen ist, z.B. nachprüfen kann, woher ein Geiselnehmer seinen letzten Erpresseranruf getätigt hat, um ihn dingfest zu machen und das Entführungsopfer, falls es noch lebt, zu retten.

@19: Endlich mal ein etwas substantiierterer Beitrag...

Telekom-, Vodafone oder O2-Mitarbeiter sind natürlich keine Beamte, die Bereitschaft Straftaten zu begehen dürfte deshalb aber auch nicht besondern hoch liegen, zumal ja nur ganz wenige von Ihnen Zugriff auf die Daten bekommen werden. Der Polizeibeamte, der einfach mal anruft, wäre wegen Anstiftung dran; deshalb wird er anders als im Tatort die Finger davon lassen. Gefahren sehe ich eher von privater Seite (von Datenhändler etc.), die unbefugten Zugriff auf den Datenbestand nehmen.

Nichts ist in der virtuellen Welt sicher.

Genau diesen Schutz vor Missbrauch kann uns keiner geben. Schon Wikileaks verdrängt? Spätestens da sollten wir gelernt haben das selbst ein Staat der die Mittel und die Macht hat, es nicht verhindern kann (auch wenn er will). Die Telecom hat auch schon genug Datenlecks gehabt (Wir erinnern uns an die Telefonnummern CDs die zum Kauf angeboten wurden).

Zu dem geht es um die Daten von 8,1 Millionen Bundesbürgern die missbraucht werden können, aber nur ein Bruchteil ist für Polizei/Staatsanwaltschaft interessant.

Auch kann man heute schon SIM Karten tauschen ;)

Online-Durchsuchung

Wenn man sich zum Beispiel mit den schäublischen Dimensionen des Generalverdachts auseinandersetzt, dann kann man schon den Eindruck bekommen, dass es sich hier (teilweise) um Stasi-Methoden handelt.

Allein der Ausdruck Online-Durchsuchung ist zum Beispiel absolut irreführend, weil der Eindruck erweckt wird, es handle sich um einen richterlich angeordneten Durchsuchungsbefehl, wie man ihn für eine Hausdurchsuchung braucht. Das ist nicht der Fall.
Zur Terrorabwehr kann zum Beispiel jeder Computer ausgespäht werden - vielleicht sogar Ihrer.

Aber solange man damit einen pösen Kindesentführer fassen kann...

@Maebh: Online-Durchsuchung ist etwas ganz anderes...

Diese empfinde auch ich als viel stärkeren Eingriff in Grundrechte, als die bloße Speicherung der nackten Telekommunikationsdaten (und den Abruf bei Verdacht der Begehung einer schweren Straftat wie Mord, Raub oder Bandendiebstahl). Aber auch bei der Online-Durchsuchung ist es keinesfalls so, dass das BKA zur Terrorabwehr mal nach Lust und Laune schön alle Festplatten samt Urlaubsfotos und Erotiksammlung scannen könnte. Wieder etwas anderes ist die Geschichte mit den IP-Adressen. Die Hürden einer IP eine bestimmte Person zuordnen zu lassen, sind in der Tat nicht allzu hoch. Mit Vorratsdatenspeicherung hat dies aber widerum nichts zu tun.

Vorratsdatenspeicherung und Abruf von Rechungsdaten

"Ich finde es deshalb sehr sinnvoll, wenn die Staatsanwaltschaft im Nachhinein, nachdem ein entsprechender richterlicher Beschluss ergangen ist, z.B. nachprüfen kann, woher ein Geiselnehmer seinen letzten Erpresseranruf getätigt hat, um ihn dingfest zu machen und das Entführungsopfer, falls es noch lebt, zu retten."

Und gerade dafür braucht's keine Vorratsdatenspeicherung, sondern maximal einen Quickfreeze für Verbindungsdaten, die zu Abrechnungszwecken noch für mehrere Tage vorhanden sind. Nach 5 Monaten sind diese Daten nutzlos für schnelle Aufklärung. Gespeichert werden sollen sie von mehreren 100 Millionen Internet und Mobilfunkgeräten trotzdem.

Mal davon abgesehen haben die Statistiken von 2009 gezeigt, dass auch mit VDS die Aufklärungsrate nicht besser wurde. Das ganze ist ein ziemlich teures aber nutzloses Unterfangen.

Datenzugriff

Es ist schon so gesetzlich geregelt, wie es Mike M. geschildert hat.
Nur bei schweren Straftaten ist es zulässig, das Ermittlungsbehörden Zugriff auf diese Daten nehmen.
An unbefugte Dritte dürfen die Provider diese Daten in keinem Fall herausgeben.
Schön, dann kann man doch beruhigt sein, oder?
Nur wenn man die letzten Monate ohne Internetzugang auf einer einsamen Insel zugebracht hat.
Denn ansonsten dürfte man mitbekommen haben, dass umfangreiche, teils als geheim eingestufte Datensätze des amerikanischen Außenministeriums für jeden abrufbar bei Wikileaks zu erhalten sind. Nichts gegen die deutschen Provider und ihre Mitarbeiter, aber weshalb sollte ich zu ihnen mehr Vertrauen haben, als das State Department zu seinen Leuten? Ich befürchte zwar nicht, dass Wikileaks meine vollständigen Bewegungsdaten veröffentlicht, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass solche Datensätze auch für Wirtschaftsspionage recht praktisch sind. Ob Boenig wohl an vollständige Profilen von einigen Leuten bei Airbus Interesse hätte?

... Die böse böse Welt

Meine Güte. Jedes Mal wenn hier ein wenig Vernunft aufkeimt, gibt es nur noch eine Antwort in der Kommentarsektion: Die da Oben sind bis ins Mark böse und Teil einer Verschwörung aus Mafia, Bin-Laden, Zionisten, Groß-Kapital und US-Imperialisten. Neuerdings auch gerne Google. Und natürlich kriegen solch kluge Kommentare auch noch haufenweise Leser-Empfehlungen. Es scheint hier viele zu geben, die sich direkt in der Opferrolle sehen.

Wen interessieren denn bitte die Vorrats-Daten von Idioten? Menschen ohne Lebenserfahrung finden im Netz ein Forum ihre unfundierte Weltsicht kundzutun (mal mehr oder weniger Welt-verschwört), verbringen somit noch mehr Zeit fern ab der Welt die sie eh nicht verstehen. Gefahren-Potential gleich null.

"Um 15:30 Uhr war jemand der sein Haus bei Google verpixeln lässt beim Bäcker Brötchen kaufen." Dann viel irgendwo in China ein Sack Reis um.

Bitte achten Sie auf einen sachlichen Argumentationsstil. Danke. Die Redaktion/er

Sie finden es korrekt ?

Dann sind Sie in einem Land zuhause, was nicht Deutschland ist; die nachträgliche Feststellung einer "falsch erlassenen Anordnung" durch das Gericht ist nur ein Beispiel für ein gewolltes, getürkt eingeleitetes Verfahren; und Anzeigen an die Staatsanwaltschaft richten, also die Staatsanwaltschaft mit der Untersuchung eigener fehlerhaften Amtshandlungen zu beauftragen dürfte auch Ihnen sicher als ungeeignet erscheinen Recht zu erlangen.
Der formale Rechtsanspruch und das tatsächliche Recht in dem Zusammenspielen von Interessen bei Behörden sind zwei Dinge, die nicht unmittelbar in rechtlichem Zusammenhang stehen.
Nein, der gleiche Maßstab eines möglichen Mißbrauchs ist anzuwenden und die Unterstellung des nur ehrbaren, pflichtgemäß handelnden Beamten aus der Argumentation zu entfernen - es gibt ausreichend (bekannte) Beispiele für entgegenstehendes Handeln und die Dunkelziffer, siehe vorstehende Erklärung, dürfte sehr hoch sein, da der Betroffene in der Regel von der Rechtswidrigkeit nichts erfährt; also auch dann nicht, wenn die gerichtliche Anordnung falsch war und das Ergebnis der Überwachung negativ.

Der Beschuldigte wird davon, von dem Eingriff in seine Grundrechte nichts vernehmen.

Etwas anderes zu unterstellen ist einfach nur Ausdruck des Glaubens einer (ungerechtfertigten) Gutmensch Mentalität bei Staatsorganen und Bediensteten derselben.

@ MikeM

"Einsehen kann der Staat diese Daten aber nur, wenn der Verdacht besteht, ..."
Das ist eine typische Antwort, die von einem Politiker kommen könnte, der das entsprechende Gesetz verteidigt. Diese Daten sind nicht sicher vor Missbrauch, ich würde weitergehen und behauten, die anderweitige Verwendung ist der Grund dafür, dass es ein solches Gesetz überhaupt gibt. Das Gesetz zur Voratsdatenspeicherung wurde doch nicht gemacht, um schwere Kriminalität aufzuklären, das ist bestenfalls ein netter Nebeneffekt (damit das Volk dem zustimmt). Wie auch die andere Formen der Überwachung, man denke nur an das Maut-System, hat das andere Gründe. Man ist eben der Meinung, das Volk flächendeckend überwachen zu müssen. Aber warum sammelt der Staat solche Daten? Aus Angst vor des Volkes Zorn? Die DDR ist (trotz perfekter Überwachung) innerhalb weniger Monate zusammengefallen, die nordafrikanischen Staaten sind es ebenfalls.
Ich kann Zw.ischen.durch und joG nur zustimmen.

Stimmt

Sie haben recht, das sind zwei unterschiedliche Sachen und das hätte ich auch noch mal betonen sollen.

Gefordert werden sie aber aus den gleichen Gründen.
Und ich finde, das ist der springende Punkt dabei.

Auch interessant ist es,dass unser Aussenminister (wer hat ihn eigentlich zum Datenschützer berufen??) gerade mit dem völlig harmlosen GoogleStreetview ein Problem hat und das öffentlichkeitswirksam zur Schau stellt.

Vorratsdatenspeicherung und andere Überwachungsmethoden werden jedoch von der Mehrheit der Parlamentarier gut geheißen.

Nebelkerzen?

Was glauben sie denn was ein richterlicher Beschluss bedeutet?

Denken sie, dass sich ein Richter dafür in Ruhe hinsetzt und sich eine halbe Stunde Zeit nimmt um sorgfältig abzuwiegen, ob die Verdachtsmomente und die schwere der Straftat hinreichend sind um den Ermittlern Zugriff auf die persönlichen Daten zu gestatten? Dann leben sie in einer Traumwelt.

In der Realität haben die zuständigen Richter für so etwas gar keine Zeit, das wird einfach im Akkord unterschrieben. Wenn sich aus dem Zugriff dann etwas ergibt, kann sich niemand beschweren, weil er offenbar gerechtfertigt war - wenn nicht, dann erfährt der Verdächtige einfach nie, dass der Eingriff in die Privatsphäre stattgefunden hat. Bei dieser Sachlage ist eine sorgfältige Prüfung aus Sicht des Richters und der Staatsanwaltschaft einfach eine Verschwendung von ohnehin zu knapper Zeit.

@96. Das war vielleicht einmal so....

Ein Beschluss zum Abruf von Telekommunikationsdaten kommt nicht allzu häufig vor, dafür kann sich ein Richter schon einmal etwas Zeit nehmen. Das läuft nicht so wie im Krimi. Nach § 101 der Strafprozessordnung sind die Beteiligten nach Durchführung der Maßnahme auch zu benachrichtigen und können die Rechtmäßigkeit der Maßnahme angreifen (die Benachrichtigung erfolgt, sobald dies ohne Gefährdung des Untersuchungszwecks möglich ist). So zu tun als könnte die Polizei einfach mal schauen, wo der völlig unverdächtige Malte Spitz gerade herumläuft ist absoluter Unsinn. Solche Panikmache ist reiner Populismus, ernstgenommen wird man damit aber nicht. Die entscheidende Frage ist m.E., ob Vorratsdaten bei den Anbietern sicher genug vor unbefugtem nichtstaatlichen Zugriff sind.

Der Schutz vor Missbrauch ist nicht gegeben

wie allein in den letzten 2 Jahren durch mehrfachen Datenklau in Millionenhoehe bewiesen wurde. Zudem stieg der genehmigte Zugang zu privaten Daten in erheblichem Umfage. Es erfolgt darueberhinaus keine Information an einen Ueberwachten der gegebenenfalls zu Unrecht in ein Ermittlungsverfahren, verwickelt wurde. Ihr Todschlagargument eroeffnet der Uerberwachung der Privatsphere Tuer und Tor, dies muss unbedingt unterlassen werden. Die Ermittlung und Abwehr von Kriminalitaet, darf keinen hoeheren Stellenwert haben, als die Privatsphere und die Menschenwuerde. Zudem werden private Daten bereits heute millionenfach verkauft, ohne jegliche Zustimmung der Betroffnen. Ein von der Politik gedeckter Skandal. Es gibt bis heute keinerlei Garantien fuer den Buerger, dass seine persoenlichen Daten nicht missbraucht werden.

Schwachsinn

So ein Blödsinn. Jeder Entführer wird sein Telefon eingeschaltet zuhaus liegen lassen und,wenn nötig, ein prepaied oder ein ausländisches Telefon benutzen.
Das sind so die typischen Gründe, auf die kein rechtschaffender Bürger mit nein antworten kann. Das ist der Sumpf, auf dem Diktaturen wachsen können.
Und welche der genannten Straftaten ließen sich verhindern, wenn es die Datenspeicherung nicht gäbe ?
Vielleicht schnappt man damit ein paar Blöde, aber wenn die Polizei die Rechte von Millionen Bürger einschränken müsste, um die paar zu packen, die vielleicht vergessen habe, ihr Telefon auszuschalten, dann müsste man die Polizei weiterbilden.

bedenklich wird es aber,

wenn ich klagen muss, um Einsicht in Daten zu erhalten, die mir eigentlich schon von rechtswegen zustehen. Zweites Problem ist, dass selbst wenn ein Richter über die Einsicht entscheiden muss, so wird er es diese Entscheidung wahrscheinlich in Zukunft häufiger und schneller treffen. Im übrigen wissen wir alle, wie Behörden und Polizei mit Gesetzen umgehen und gerne mal mit unseren Daten jonglieren.

Sind die Daten nützlich?

Ja sicher. Besonderes für die Wirtschaft sind solche Konsumentenprofile von unschätzbarem Wert. Ob die Rechnung bei der Verbrechensbekämpfung wirklich aufgeht, sei dahingestellt. Wäre ich Terrorist, würde ich die Technik nutzen, um gezielt falsche Fährten zu legen. Grundsätzlich ist es mir relativ egal, ob die Polizei meine Telefonate mithört oder meine E-Mail liest. Wenn man die Telekommunikationsbranche aber geradezu dazu zwingt, Daten auf Vorrat zu speichern, die normalerweise relativ kurzfristig gelöscht werden müssten, öffnet man dem Missbrauch doch Tür und Tor. Für mich ist die Gefahr, dass irgendjemand mit meinen Daten Schindluder betreibt und ich beispielsweise keinen Kredit mehr bekomme, weil das Profil nicht passt, doch wesentlich konkreter als die Aussicht, bei einem Selbstmordattentat mit in die Luft gesprengt zu werden. Dass ich selbst dann auch noch die letzte bin, der man diese Daten geben will und dazu erst noch einen Prozess anstrengen muss, ist der Gipfel.

Keine Sicherheit

Es gibt, wie man weiß, keine 100% Sicherheit. Es wird also möglich sein auf die illegal (weil man pauschalisiert verdächtigt wird -> ähnlich der Stasi, gegen Verfassung und Grundgesetze verstößt) angesammelten Daten zuzugreifen und diese andersweitig zu nutzen.

Seit 9/11 konnten die Staaten unsere Grundrechte stark einschränken - die Begründung Terrorismus. Der wahre Terrorismus geht jedoch vom Staat aus. (bspw. wurden mal verkleidete britische Agenten aufgedeckt, die bewusst verschiedene Gruppen gegen einander aufgehetzt haben)

Ja ich habe was zu verbergen - und das geht keinen etwas an.

Solche Daten und viele mehr....

.....werden zunehmend zugänglich und im Nachhinein überprüfbar. Ob das schlecht ist, kommt darauf an, wem sie zugänglich sind, wie man sie einsehen kann, wie ihre Verwendung kontrolliert wird oder wie illegal oder auch nur illegitim erworbene Daten verwendet werden dürfen. Solche Parameter bestimmen das Niveau der von ihnen ausgehenden Gefahr für die Bürger. Wenn bspw illegitim erworbene Daten in Prozessen nicht verwendet werden dürften, wäre die Begehrlichkeit des Staates gestohlene Daten zu erwerben geringer. Darf man sie verwenden, so wird der Staat hohe Kosten für den Erwerb akzeptieren.

Wer sagt mir den

dass die Illegal erlangten Daten ausgerechnet für Gerichtsverfahren verwendet werden ?

Gibt es nicht auch genügend Kriminelle für welche solche Daten wie ein Lottogewinn wären ?

Man denke hier nur ein mal daran, dass es in Deutschland nicht möglich ist, den Internetbetrug einzugrenzen. Die Betrüger brauchen ja nur mal einen Umweg über einen ausländischen Server verwenden und schon sind sie "Verschwunden".