Ermittler würden noch sehr viel mehr erfahren, als aus unserer Karte zu erkennen ist – denn einen Teil des Datensatzes veröffentlichen wir nicht: Wen Malte Spitz angerufen hat und wer ihn anrief, die Nummern seiner Kontakte also, sind nicht darin enthalten. Diese Informationen würde nicht nur die Privatsphäre sehr vieler Menschen verletzen, sie würden auch – selbst wenn wir die Nummern verschlüsselt hätten – viel zu viel über Malte Spitz verraten.

Denn nicht nur ein Bewegungsprofil lässt sich aus Vorratsdaten erstellen, sondern auch eines der menschlichen Beziehungen. Vorratsdaten zeigen, wer Freund ist und wer Familie, sie bringen geheime Liebschaften ebenso ans Licht wie verborgene Netzwerke.

Malte Spitz ist Politiker und als Mitglied des Bundesvorstandes der Grünen viel unterwegs. In diesem Punkt ist er sicher kein Durchschnittsbürger. Die Tatsache aber, dass er sein Mobiltelefon häufig nutzt, dass er damit nicht nur telefoniert, sondern SMS verschickt und im Internet surft, ist heute für viele selbstverständlich.

Alle zehn Minuten hat sich sein Gerät bei einer Funkzelle gemeldet – das ist der von Malte Spitz eingestellte Zeitraum, in dem es nach neuen E-Mails sucht. Eine Funktion, die viele Besitzer von Smartphones aktiviert haben. Es ist das Intervall, in dem das Gerät ein halbes Jahr lang Daten gesendet und abgerufen hat. Ausgeschaltet war es selten. Die Bewegungen von Malte Spitz sind insgesamt zu 78 Prozent erfasst worden.

Sechs Monate – so lange sollen nach dem Willen deutscher Politiker Vorratsdaten gespeichert werden. Sechs Monate – das ist auch der Zeitraum, den uns Spitz zur Verfügung gestellt hat. Er genügt völlig, um zu erkennen, dass keine Geheimnisse mehr bleiben. Solange das Telefon angeschaltet ist, enthüllt es das Verhalten seines Besitzers. Und selbst wenn es auch immer wieder mal nicht an ist, können die Informationen ausreichen, um ein klares Profil zu erzeugen. "Flensburg und das BKA"? Heute müsste es wohl heißen: Telekom und BKA, haben unsere Daten da.