Vorratsdaten Frankreich sammelt Passwörter im Netz
Paris setzt die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung um – und weit mehr: Anbieter von Internetdiensten müssen auch inhaltliche Daten ihrer Kunden speichern.
Wie viel allein die Verbindungsdaten eines Mobiltelefons über einen Menschen verraten können, hat vor Kurzem der Grünenpolitiker Malte Spitz gezeigt, indem er seine veröffentlichte. Ein halbes Jahr aus Spitz' Leben lässt sich mit ihrer Hilfe nachzeichnen. Der französischen Regierung aber genügen solche Bewegungs- und Kontaktprofile nicht. Ihre Pläne im Zusammenhang mit der Vorratsdatenspeicherung gehen sehr viel weiter. Am 1. März dieses Jahres trat eine neue Verordnung zur Vorratsdatenspeicherung in Kraft. Sie sieht vor, standardmäßig und von jedem auch Passwörter zu belauschen und zu speichern.
Und so könnte ein Auszug aus einem Vorratsdatenprofil eines französischen Internetnutzers aussehen: Die Studentin Veronika Bellier erstellt am 15. März 2011 um 14:07 Uhr einen eBay-Account unter dem Pseudonym Vero_Saint. Laut Accountstatistik hat sie anschließend eine Skimaske ersteigert. Über einen Webmailanbieter, bei dem sie eine anonyme Mailadresse mit dem Passwort "comi33xy" nutzt, verabredet sie sich mit Freunden, einige davon sind anscheinend Muslime. Außerdem hat sie bei Amazon mittels des gleichen Passwortes Bücher über anorganische Chemie bestellt.
Dieses fiktive Beispiel könnte man noch lange fortspinnen. Denn die Liste dessen, was Anbieter von Internetdiensten, die in Frankreich tätig sind, nun speichern müssen, ist lang. Die Daten sollen dazu dienen, möglichst viele Informationen zur Nutzer-Identifizierung zu erhalten.
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So müssen nun Name, Vorname, Pseudonym, eventuelle Titel und Firmennamen registriert und gespeichert werden. Genau wie E-Mail-Konten, Telefonnummern, Postanschrift und natürlich die IP-Adresse des Rechners, von dem aus auf den Dienst zugegriffen wurde, ebenso der Zeitpunkt der Verbindung. Diese Punkte sind noch nachvollziehbar, geht es bei Ermittlungen doch im Zweifel darum, schnell zu erfahren, wer der Nutzer ist und wo er wohnt.
Doch wollen die französischen Ermittler im Zweifel auch erfahren können, welche Verträge – beispielsweise via eBay – jemand geschlossen hat und wie er dabei bezahlt hat. Vor allem aber wollen sie alle Passworte wissen, mit denen er sich irgendwo eingeloggt hat. Dabei ist völlig unklar, wie diese dabei helfen können sollen, einen Nutzer zu identifizieren.
In einigen französischen Blogs heißt die Verordnung bereits "Le décret Big Brother", das Big-Brother-Gesetz. Selbst der Datenschützer von Google, Peter Fleischer, wundert sich über die Speicherlust der französischen Regierung. Fleischer fragt in seinem Blog: "Warum sollte die Polizei ein Passwort wissen wollen und was würde sie damit tun?" Seine Antwort lautet: "Ein Passwort würde ihr Zugang zu all den Dingen geben, die laut Datenschutzrichtlinie von der Vorratsdatenspeicherung ausgeschlossen sind – zum Schutz der Privatsphäre." Zu den Inhalten eben.
Die Europäische Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung sieht eigentlich keine Speicherung von Inhaltsdaten vor. Frankreichs Regierung hat diese offensichtlich im Alleingang sehr viel weiter ausgelegt. Zudem wurde die Verordnung ohne die französische Datenschutzbehörde CNIL (Commission nationale de l' informatique et des libertés) erlassen. Die meldete sich nun in einer Stellungnahme und kritisierte, dass die in der Verordnung verwendeten Begrifflichkeiten ungenau definiert seien und rechtlich unsicher. So sei unter anderem unklar, wer alles in die Kategorie Internetdienstanbieter falle.
Besonders durchdacht wurde die Passwortspeicherung von der Regierung wohl nicht. Laut einem Blogeintrag von Netzpolitik.org soll die Forderung mit den Passworten erst in letzter Minute hinzugefügt worden sein. Auch eine der CNIL vorgelegte Version der Verordnung enthielt angeblich noch keine solche Speicherung.
- Datum 16.03.2011 - 08:28 Uhr
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Hier muss ich fragen - dürfen Nutzer die französische Regierung verklagen falls sich jemand unerlaubt Zugang zu einem Account beschafft?
Des weiteren - würde Frankreich damit nicht gegen Gesetze anderer Länder verstoßen? Denn die Webseiten werden ja oft nicht in Frankreich betrieben...
....Macht über sich an die Regierenden verlagern sollten wollen ist letztlich eine Frage ihrer Einschätzung der Robustheit und Allgemeinheit von Kontrollen gegenüber dem Staat. Wenn diese Kontrollen genügend transparent, gesichert und glaubhaft hart also zufriedenstellend sind, so gibt es keinen Grund die Daten vor dem Staat anonym zu halten.
Von Außen sieht das in Frankreich kaum so aus.
Meinen Sie nicht auch, dass Sie das Ganze etwas zu blauäugig sehen?
Selbst WENN Staat, Polizei, Geheimdienste wirklich transparent und verantwortungsbewusst umgehen sollten - und die Erfahrung zeigt, dass man davin eben NICHT ausgehen kann - bleibt die Gefahr des Missbrauchs durch Kriminelle.
Und die zu erhebenden Daten sind Gold Wert für jeden Internetganoven. Haben Sie ein Paypal - Account? Wird per Nichk und Passwort gesichert, genau wie das zugeordnete Emailkonto. Und das ist alles, was man für eine "nette kleine Einkaufstour" auf Ihre Kosten benötigt.
Und bitte: Mir soll niemand erzählen, dass das wegen Sicherungsmassnahmen ausgeschlossen sei. Die Vergangenheit hat doch mehr als deutlich gezeigt, dass es nicht die Frage ist, OB solche Daten missbraucht werden, sondern nur WANN und DURCH WEN sie missbaucht werdebn...
Meinen Sie nicht auch, dass Sie das Ganze etwas zu blauäugig sehen?
Selbst WENN Staat, Polizei, Geheimdienste wirklich transparent und verantwortungsbewusst umgehen sollten - und die Erfahrung zeigt, dass man davin eben NICHT ausgehen kann - bleibt die Gefahr des Missbrauchs durch Kriminelle.
Und die zu erhebenden Daten sind Gold Wert für jeden Internetganoven. Haben Sie ein Paypal - Account? Wird per Nichk und Passwort gesichert, genau wie das zugeordnete Emailkonto. Und das ist alles, was man für eine "nette kleine Einkaufstour" auf Ihre Kosten benötigt.
Und bitte: Mir soll niemand erzählen, dass das wegen Sicherungsmassnahmen ausgeschlossen sei. Die Vergangenheit hat doch mehr als deutlich gezeigt, dass es nicht die Frage ist, OB solche Daten missbraucht werden, sondern nur WANN und DURCH WEN sie missbaucht werdebn...
Die ganze Welt schaut nach Japan und Lybien. Die ganze Welt? Nein, ein kleiner Mann in Gallien schiebt seinem Volk klammheimlich den "Le décret Big Brother" unter...
Da kann man den Franzosen nur zurufen: SSL, TOR, PGP und Viva la revolucion!
Nun könnte man auf die französische Piratenpartei setzen, doch nimmt das Thema Datenschutz keinen breiten Raum im Bewustsein der Franzosen ein. Zu den Kommunalwahlen wurden die Piraten in Frankreich gar nicht ert zugelassen - wegen Verletzung des Paritätsgebotes!
Aber auch in Deutschland versuchen Behörden und andere Offizielle schon den Anflug von Piratenpräsenz im Keim zu ersticken! In wahlkämpfenden Singen wurden Landtagskandidaten von Podiumsdiskussionen ausgeschlossen (für das Ländle sprach das Kultusministerium gar einen Schulbann gegen die Piraten aus). In Sachsen geht man einen Schritt weiter: ein Infostand wurde nur unter Auflagen genehmigt: die Themen ELENA (elektronischer Entgeltnachweis), INDECT (ein Überwachungssystem), SWIFT (eine Genossenschaft der Geldinstitute für ein Lelekommunikationsnetz)
und ACTA (Allensbacher Computer und Technikanalyse) waren tabu!
Frankreich macht nur etwas deutlicher, was überall droht oder längst etabliert ist. Ich stehe immer noch da und flüstere ein "Wehret den Anfängen". Gelegentlich bringe ich auch noch Fakten ein. Oder ein paar Anwendungen der Logik. Nützt alles nichts. Die Masse der Nutzer, der Menschen sind desinteressiert oder denken gar, es würde ja nur die "bösen Buben" treffen. Es ist ja nicht so, dass das Medium, das dereinst mehr Freiheit und Demokratie versprach, immer mehr unter Kontrolle nationaler Dienste gerät, denn das web ist auch zu einem Alltagswerkzeug für allerlei Handlungen des normalen Lebens geworden: Schwatz, Briefe schreiben, Einkaufen, Überweisungen tätigen, Kommentieren... Dadurch ist der Verlust der Freiheit viel weitreichender. Es funktioniert, weil zu viele es nicht verstehen. Man könnte dem nur noch durch einen rigorosen Gegenkurs entgegen treten. Schluss mit den Wünschen paranoider Kontrollfreaks, ELENA und Ähnliches überdenken und alle US-Überwachungsdienste rausschmeißen.
»denn das web ist auch zu einem Alltagswerkzeug für allerlei Handlungen des normalen Lebens geworden [...] Dadurch ist der Verlust der Freiheit viel weitreichender. Es funktioniert, weil zu viele es nicht verstehen.«
...und sich mit denen, die den entscheidenden Aspekt "Werkzeug des Alltags" zwar anerkennen, jedoch ignorieren, in den Armen liegen. So ergibt sich wohl die inhaltlich erschreckend unbeteiligte Masse Mensch, der eine jederzeit mögliche lückenlose Filmdokumentation über ihren letzten Abstecher nach London ebenso egal zu sein scheint wie die lückenlose Offenlegung ihrer Online-Aktivitäten. Die Offenlegung ihres Alltages, die Beseitigung ihrer Privatsphäre. Erschreckend ist die Ignoranz dieser Masse, weil es in Sachen Überwachung eben nicht mehr um das Leben der Anderen geht, nicht mehr um die sowieso schon immer albern gewesene Unterscheidung zwischen "realem" und "virtuellem" Leben. Jeder ist in irgendeiner Form, in irgendeinem Zusammenhang betroffen, in Frankreich nun auch final bis in die Unterhosenschublade.
"Wehret den Anfängen" haben wir zu lange nur geflüstert. Vielleicht, und das ist die Hoffnung, waren aber auch die schlechten Beispiele bisher zu weit entfernt. Kulturell, politisch, historisch, religiös, geographisch. Sarkozys Frankreich dagegen ist ein gutes schlechtes Beispiel, um die Sache mit den Anfängen anschaulich zu erklären.
»denn das web ist auch zu einem Alltagswerkzeug für allerlei Handlungen des normalen Lebens geworden [...] Dadurch ist der Verlust der Freiheit viel weitreichender. Es funktioniert, weil zu viele es nicht verstehen.«
...und sich mit denen, die den entscheidenden Aspekt "Werkzeug des Alltags" zwar anerkennen, jedoch ignorieren, in den Armen liegen. So ergibt sich wohl die inhaltlich erschreckend unbeteiligte Masse Mensch, der eine jederzeit mögliche lückenlose Filmdokumentation über ihren letzten Abstecher nach London ebenso egal zu sein scheint wie die lückenlose Offenlegung ihrer Online-Aktivitäten. Die Offenlegung ihres Alltages, die Beseitigung ihrer Privatsphäre. Erschreckend ist die Ignoranz dieser Masse, weil es in Sachen Überwachung eben nicht mehr um das Leben der Anderen geht, nicht mehr um die sowieso schon immer albern gewesene Unterscheidung zwischen "realem" und "virtuellem" Leben. Jeder ist in irgendeiner Form, in irgendeinem Zusammenhang betroffen, in Frankreich nun auch final bis in die Unterhosenschublade.
"Wehret den Anfängen" haben wir zu lange nur geflüstert. Vielleicht, und das ist die Hoffnung, waren aber auch die schlechten Beispiele bisher zu weit entfernt. Kulturell, politisch, historisch, religiös, geographisch. Sarkozys Frankreich dagegen ist ein gutes schlechtes Beispiel, um die Sache mit den Anfängen anschaulich zu erklären.
Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg
Meinen Sie nicht auch, dass Sie das Ganze etwas zu blauäugig sehen?
Selbst WENN Staat, Polizei, Geheimdienste wirklich transparent und verantwortungsbewusst umgehen sollten - und die Erfahrung zeigt, dass man davin eben NICHT ausgehen kann - bleibt die Gefahr des Missbrauchs durch Kriminelle.
Und die zu erhebenden Daten sind Gold Wert für jeden Internetganoven. Haben Sie ein Paypal - Account? Wird per Nichk und Passwort gesichert, genau wie das zugeordnete Emailkonto. Und das ist alles, was man für eine "nette kleine Einkaufstour" auf Ihre Kosten benötigt.
Und bitte: Mir soll niemand erzählen, dass das wegen Sicherungsmassnahmen ausgeschlossen sei. Die Vergangenheit hat doch mehr als deutlich gezeigt, dass es nicht die Frage ist, OB solche Daten missbraucht werden, sondern nur WANN und DURCH WEN sie missbaucht werdebn...
Das wird bei uns doch genau so gemacht, nur halt hinter verschlossenen Türen. Davon bin ich überzeugt. Was technisch möglich ist, wird auch eingesetzt. Und die Regierungen haben sich ja in der letzten Zeit nicht mit Ruhm bekleckert, wenn es um Ehrlichkeit und Moral ging.
Der Punkt ist doch vielmehr, dass "es" durch Ermittlungen auf rechtsstaatlicher Basis möglich ist. Selbstverständlich können Ermittlungsbehörden in Deutschland auch Zugangsdaten und Inhalte in Erfahrung bringen. Allerdings nur im Bedarfsfall und auf besagter Basis, den ebenso möglichen Missbrauch mal ausgeklammert. Das ginge auch in Frankreich, ganz ohne den entscheidenden Zusatz, der die Vorratsdatenspeicherung letztendlich als Überwachungs- und damit Einschüchterungsinstrument gegenüber der Bevölkerung demaskiert. Jeder ist verdächtig.
Frankreich privatisiert nun den rechtsstaatlichen Vorgang und lässt alle Betreiber alles auf Vorrat sammeln. Frankreich entledigt sich im Endeffekt der Ermittlungsarbeit, indem umfassende Daten jederzeit zum Abruf bereitstehen. Die Definition eines modernen Überwachungsstaates?
Der Punkt ist doch vielmehr, dass "es" durch Ermittlungen auf rechtsstaatlicher Basis möglich ist. Selbstverständlich können Ermittlungsbehörden in Deutschland auch Zugangsdaten und Inhalte in Erfahrung bringen. Allerdings nur im Bedarfsfall und auf besagter Basis, den ebenso möglichen Missbrauch mal ausgeklammert. Das ginge auch in Frankreich, ganz ohne den entscheidenden Zusatz, der die Vorratsdatenspeicherung letztendlich als Überwachungs- und damit Einschüchterungsinstrument gegenüber der Bevölkerung demaskiert. Jeder ist verdächtig.
Frankreich privatisiert nun den rechtsstaatlichen Vorgang und lässt alle Betreiber alles auf Vorrat sammeln. Frankreich entledigt sich im Endeffekt der Ermittlungsarbeit, indem umfassende Daten jederzeit zum Abruf bereitstehen. Die Definition eines modernen Überwachungsstaates?
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