Auf vielen Websites ist er inzwischen eingebaut: Der kleine "Gefällt mir"-Knopf von Facebook . Bild.de hat ihn schon lange, Stern.de hat ihn vor einigen Monaten eingebaut, Spiegel Online hat sich vergangene Woche dafür entschieden. Auch viele Blogger und Online-Shops setzen inzwischen auf die Möglichkeit, sich mit dem großen Netzwerk zu verbinden.

Praktisch für sie: Klickt ein Facebook-Mitglied auf den Button, wird zugleich ein Beitrag mit Titel, Unterzeile und Bild auf der Profilseite veröffentlicht .

Branchengerüchten zufolge können die Besucherzahlen dank des Knopfes um bis zu das Sechsfache steigen. Und selbst große Seiten profitieren davon nicht unerheblich.

Vor allem aber gewinnt Facebook. Dem Unternehmen gehe es darum, seinen Knopf so breit wie möglich im Internet zu streuen, sagt der niederländische Sozialwissenschaftler Arnold Roosendaal . Ob er tatsächlich angeklickt werde, sei dabei weniger wichtig.

Viel wichtiger ist, dass er einen Zugang zu den Daten der Seite ermöglicht. Facebook kann dank seiner die Benutzerströme auf der Seite messen und noch dazu jeden Nutzer mit einem Facebook-Account, so er gerade eingeloggt ist, identifizieren. Ein Besuch auf einer Website, die den "Gefällt mir"-Knopf nutzt, genügt dafür bereits. So erfährt das Netzwerk, was Nutzer außerhalb der eigenen Server so tun und bekommt ein umfangreiches Profil seiner Mitglieder.

Für die Seitenbetreiber kann das hinderlich sein, lädt der Knopf doch im Hintergrund diverse Scripte nach – das bedeutet, er verbindet sich ständig mit Facebook-Servern und überträgt Daten, was die Seite im Zweifel langsamer macht.

Problematischer aber ist es wohl für die Nutzer von Facebook. "Facebooks Fangarme reichen weit über die eigenen Plattform und die eigenen Mitglieder hinaus ", sagt Roosendaal. Sobald die Webaktivitäten einem einzelnen Facebook-Konto zugeordnet werden können, ist ein Internetnutzer mit seinen Aktivitäten und Interessen für Facebook namentlich identifizierbar.

Ob Facebook damit auch gegen deutsches Datenschutzrecht verstößt, wird derzeit geprüft. Ein Onlinehändler wurde bereits abgemahnt , weil er in seiner Datenschutzerklärung nicht über die Verwendung des Buttons informiert hatte.

Das Verfahren läuft noch, aber es könnte nur der Anfang sein. Zahlreiche Websites informieren in ihren Datenschutzerklärungen noch nicht über den Einbau des Plugins – und was es für die Nutzer bedeutet.

Datenschützer trauen Facebook nicht

Und Datenschützern ist noch immer unklar, was der "Gefällt mir"-Knopf überhaupt alles an Daten überträgt. Den Angaben Facebooks dazu zumindest trauen sie nicht. Facebook habe behauptet, dass es IP-Adressen von Nutzern, die nicht Mitglied bei Facebook sind, nicht speichere, sagt Bernhard Freund, Referent beim Hamburgischen Landesdatenschutzbeauftragten.

Jedoch habe seine Behörde festgestellt, dass bereits ein Klick auf den Button genüge, um ein Cookie mit einer eindeutigen Identifikationskennung auf dem Rechner zwei Jahre lang zu platzieren. Eine Anmeldung bei Facebook sei dafür nicht nötig. Selbst wenn ein Nutzer nicht auf den Button klicke, werde bei ihm ein Cookie gesetzt. Der setze zwar keine eindeutige Kennung, könne in der Regel aber für die Dauer der Internetnutzung verfolgen, welche weiteren Webseiten besucht werden.

Moritz Karg vom Unabhängigen Landesdatenschutzzentrum in Schleswig-Holstein (ULD) ist mit der technischen Analyse des Like-Buttons befasst. Er sagt: "Bereits die Tatsache, dass nicht eindeutig klar ist, welche Verarbeitungsprozesse bei der Einbindung des Plugins in ein Webseitenangebot angestoßen werden, ist ein starkes Indiz für eine datenschutzrechtliche Unzulässigkeit." Facebook sei aufgefordert worden, die Vorgänge zu klären.

Noch haben die Datenschützer kein Verfahren gegen Facebook eingeleitet, da sie noch keine abschließende Bewertung treffen können. Damit der Button dem Datenschutzrecht entspricht, dürfte er aber Daten wie die IP-Adresse nur anonymisiert weitergeben. Auch müssten Betroffene ihr Recht auf Widerspruch, Auskunft und Löschung "ungehindert und effektiv" wahrnehmen können.

Diejenigen, die den Button einbauen, müssten eine Einwilligungslösung anbieten, finden Datenschützer. Oder Facebook müsste zwischen den Daten der Reichweitenanalyse und den Informationen aus den Netzwerkprofilen "strikt trennen".

Karg vom ULD glaubt jedenfalls, dass es "absolut unwahrscheinlich" ist, dass Facebook freiwillig eine datenschutzfreundliche Version seines Buttons anbieten wird: "Das Agieren von Facebook in der Vergangenheit lässt den Schluss zu, dass dem Unternehmen nicht an Datensparsamkeit und -vermeidung gelegen ist."

Eine andere Sorge ist eher grundsätzlicher Art: Facebook schafft mit dem Button eine neue Grundlage für die Bewertung von Websites . Bislang funktionierten Suchmaschinen wie Google, weil sie die Relevanz von Links bewerten können, indem sie die Verlinkung analysieren. Wenn aber Links aus einem geschlossenen Netzwerk wie Facebook ins Netz hineinreichen, können Suchmaschinen diese nicht mehr bewerten, weil sie keinen Zugriff auf sie haben.

Langfristig verschiebt sich dadurch die Gewichtung der Suchergebnisse, die Qualität der Suchergebnisse könnte sinken. Eine Orientierung im Netz würde schwerer.