FacebookDatenschützer mögen den Like-Button nicht

Für Facebook ist der Like-Knopf auf anderen Seiten ein Gewinn, er späht Nutzer aus. Datenschützer halten ihn für riskant und wüssten gern genauer, wie er funktioniert. von Christiane Schulzki-Haddouti

Ein als Facebook-Profil Verkleideter beim Karneval in Rio zeigt den "I like"-Daumen

Ein als Facebook-Profil Verkleideter beim Karneval in Rio zeigt den "I like"-Daumen  |  © ANTONIO SCORZA/AFP/Getty Images

Auf vielen Websites ist er inzwischen eingebaut: Der kleine "Gefällt mir"-Knopf von Facebook . Bild.de hat ihn schon lange, Stern.de hat ihn vor einigen Monaten eingebaut, Spiegel Online hat sich vergangene Woche dafür entschieden. Auch viele Blogger und Online-Shops setzen inzwischen auf die Möglichkeit, sich mit dem großen Netzwerk zu verbinden.

Praktisch für sie: Klickt ein Facebook-Mitglied auf den Button, wird zugleich ein Beitrag mit Titel, Unterzeile und Bild auf der Profilseite veröffentlicht .

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Branchengerüchten zufolge können die Besucherzahlen dank des Knopfes um bis zu das Sechsfache steigen. Und selbst große Seiten profitieren davon nicht unerheblich.

Vor allem aber gewinnt Facebook. Dem Unternehmen gehe es darum, seinen Knopf so breit wie möglich im Internet zu streuen, sagt der niederländische Sozialwissenschaftler Arnold Roosendaal . Ob er tatsächlich angeklickt werde, sei dabei weniger wichtig.

Privatsphäre

Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Vernetzung

Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil

Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.

Viel wichtiger ist, dass er einen Zugang zu den Daten der Seite ermöglicht. Facebook kann dank seiner die Benutzerströme auf der Seite messen und noch dazu jeden Nutzer mit einem Facebook-Account, so er gerade eingeloggt ist, identifizieren. Ein Besuch auf einer Website, die den "Gefällt mir"-Knopf nutzt, genügt dafür bereits. So erfährt das Netzwerk, was Nutzer außerhalb der eigenen Server so tun und bekommt ein umfangreiches Profil seiner Mitglieder.

Für die Seitenbetreiber kann das hinderlich sein, lädt der Knopf doch im Hintergrund diverse Scripte nach – das bedeutet, er verbindet sich ständig mit Facebook-Servern und überträgt Daten, was die Seite im Zweifel langsamer macht.

Problematischer aber ist es wohl für die Nutzer von Facebook. "Facebooks Fangarme reichen weit über die eigenen Plattform und die eigenen Mitglieder hinaus ", sagt Roosendaal. Sobald die Webaktivitäten einem einzelnen Facebook-Konto zugeordnet werden können, ist ein Internetnutzer mit seinen Aktivitäten und Interessen für Facebook namentlich identifizierbar.

Ob Facebook damit auch gegen deutsches Datenschutzrecht verstößt, wird derzeit geprüft. Ein Onlinehändler wurde bereits abgemahnt , weil er in seiner Datenschutzerklärung nicht über die Verwendung des Buttons informiert hatte.

Das Verfahren läuft noch, aber es könnte nur der Anfang sein. Zahlreiche Websites informieren in ihren Datenschutzerklärungen noch nicht über den Einbau des Plugins – und was es für die Nutzer bedeutet.

Leserkommentare
    • dschun
    • 18. März 2011 13:06 Uhr

    Äh. Wenn ich diesen Beitrag jetzt liken würde, wäre das dann wohl paradox, nicht.

    Für mein Dafürhalten hat der Like-Button einen großen Vorteil: es tut nicht weh, kostet kaum Zeit und man ruft sich beim anderen in Erinnerung. Es gibt ja viele, die sich nicht getrauen, einen Kommentar zu verfassen. Aber klar, Big Zuckerberg ist überall.

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    Sehe ich ähnlich. Wobei ich auch gerne den "Dislike"-Button hätte, denn um z.B. auf der Guttenberg-Fan-Seite einen Kommentar verfassen zu dürfen, müsste ich diesen "Liken" und das tue ich ja nicht. Also spare ich mir in dem Fall das "Liken" und somit auch meinen Kommentar.

  1. Fuer die meisten Webbrowser gibt es Plugins, die dieses sogenannte Tracking abschalten. Bei Googles Browser Chrome heisst es "Facebook Disconnect", fuer Firefox und Co. duerfte es Aehnliches geben.

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    Erweiterung fuer Chrome:

    https://chrome.google.com...

    Erweiterung fuer Firefox:

    http://www.camp-firefox.d...

    Für Firefox gibt es außerdem das überaus hilfreiche NoScript.

  2. Erweiterung fuer Chrome:

    https://chrome.google.com...

    Erweiterung fuer Firefox:

    http://www.camp-firefox.d...

    • gag
    • 18. März 2011 14:04 Uhr

    Gibt es hier jemanden der die technischen Konsequenzen der von Komentator 3 genannten Liste genauer erfasst? Ich habe soeben die AdBlockPlus Liste für Firefox abonniert, aber werden die Facebook Inhalte jetzt nur nicht mehr angezeigt oder erfolgt auch das Tracking nicht mehr?
    Und funktioniert das auch wenn ich gelichzeitig in einem weiteren Tab bei Facebook anegmeldet bin?

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    • Quay
    • 18. März 2011 14:56 Uhr

    Adblock arbeitet so, dass Inhalte von bestimmten Quellen nicht mehr geladen werden. Dies schlieszt auch Tracking-Scripte grundsaetzlich mit ein.

    Allerdings fuehrt das auch dazu, dass wenn beispielsweise alle Facebook-Inhalte geblockt werden, auch die normale Facebook-Seite nicht mehr aufrufbar (oder mindestens nicht mehr darstellbar) sein sollte. Das bedeutet, dass wenn Sie sich bei Facebook anmelden koennen, die Adblock-Liste Facebook nicht enthalten kann.

    Grundsaetzlich ist ein gleichzeitiges Benutzen und Blockieren von Facebook schwierig, denn dazu muesste man unterscheiden, welche Facebook-Inhalte gewuenscht sind und welche nicht.

    Eine Moeglichkeit besteht darin, externe Skripte zu verbieten. Das bedeutet, wenn ich auf Facebook bin, ist Facebook erlaubt, wenn ich woanders bin, dann nicht. Dabei gibt es aber zwei Probleme:
    1.) "Externe Skripte verbieten" ist sehr allgemein. Eventuell gibt es eine Seite, auf der ich mir externe Skripte wuensche. Diese Seite waere dann nur eingeschraenkt funktkionstuechtig (passiert aber eher selten)
    2.) Soweit ich weis, gibt es keine entsprechende Einstellung in Firefox (bei anderen Browsern weis ich es nicht). Fuer Cookies gibt es genau diese Regel (Cookies von Drittanbietern zulassen), bei Skripten habe ich das nicht gefunden.

    Eine Alternative bietet NoScript. Dieses Firefox-Plugin ermoeglicht es, Skripte erstmal zu verbieten und nur bei Bedarf anzuschalten. Dies erfordert jedoch gerade am Anfang ein wenig Gewoehnung.

  3. Sehe ich ähnlich. Wobei ich auch gerne den "Dislike"-Button hätte, denn um z.B. auf der Guttenberg-Fan-Seite einen Kommentar verfassen zu dürfen, müsste ich diesen "Liken" und das tue ich ja nicht. Also spare ich mir in dem Fall das "Liken" und somit auch meinen Kommentar.

    • Quay
    • 18. März 2011 14:56 Uhr

    Adblock arbeitet so, dass Inhalte von bestimmten Quellen nicht mehr geladen werden. Dies schlieszt auch Tracking-Scripte grundsaetzlich mit ein.

    Allerdings fuehrt das auch dazu, dass wenn beispielsweise alle Facebook-Inhalte geblockt werden, auch die normale Facebook-Seite nicht mehr aufrufbar (oder mindestens nicht mehr darstellbar) sein sollte. Das bedeutet, dass wenn Sie sich bei Facebook anmelden koennen, die Adblock-Liste Facebook nicht enthalten kann.

    Grundsaetzlich ist ein gleichzeitiges Benutzen und Blockieren von Facebook schwierig, denn dazu muesste man unterscheiden, welche Facebook-Inhalte gewuenscht sind und welche nicht.

    Eine Moeglichkeit besteht darin, externe Skripte zu verbieten. Das bedeutet, wenn ich auf Facebook bin, ist Facebook erlaubt, wenn ich woanders bin, dann nicht. Dabei gibt es aber zwei Probleme:
    1.) "Externe Skripte verbieten" ist sehr allgemein. Eventuell gibt es eine Seite, auf der ich mir externe Skripte wuensche. Diese Seite waere dann nur eingeschraenkt funktkionstuechtig (passiert aber eher selten)
    2.) Soweit ich weis, gibt es keine entsprechende Einstellung in Firefox (bei anderen Browsern weis ich es nicht). Fuer Cookies gibt es genau diese Regel (Cookies von Drittanbietern zulassen), bei Skripten habe ich das nicht gefunden.

    Eine Alternative bietet NoScript. Dieses Firefox-Plugin ermoeglicht es, Skripte erstmal zu verbieten und nur bei Bedarf anzuschalten. Dies erfordert jedoch gerade am Anfang ein wenig Gewoehnung.

    Antwort auf "@3 Frage"
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    Einfach selbst folgende zwei Filter bei Adblock Plus eingeben:

    ||fbcdn.net^

    ||facebook.com/plugins/*

    Dann auf http://www.facebook.com gehen und Adblock-Plus für facebook.com desaktivieren. Danach kann man Facebook und andere Seiten gleichzeitig in verschiedenen Tabs offen halten, ohne dass Facebook die anderen Seiten ausspionieren kann. Und der Like-Botton geht auch noch.

    ... finde ich sehr zutreffend.
    Nach dem Hinweis habe ich es mal zusätzlich zu anderen Add-Ons hinzugefügt undmuss sagen, es ist recht interessant, was da alles für Scripte auf diversen Seiten laden wollen ...

    Ich persönlich mag FB nicht, und will nicht, dass meine Daten irgendwo aufgenommen werden, was ich selbst nicht verannlasst habe.
    Doch mitlerweile bin ich Prinzipiell der Meinung, wer FB nutzt muss sich im klaren sein, dass praktisch alles was er in Verbindung damit macht in der ganzen Welt bekannt ist.

    Wer das nicht will soll es lassen ...
    Ich persönlich muss nicht auf hunderten Seiten präsent sein (mit einem FB-Acc) und ich habe auch nicht den unbedingten Drang, alles was ich sehe gleich 100 anderen ins Gesicht zu werfen (mal Umgangssprachlich gesprochen). Ansehen würden es sich ja eh nur 5 ...

    Auf diversen Seiten auf denen ich tätig bin habe ich unterschiedliche Nick's. Wer meine Wahre Identität nicht kennen soll, der kennt sie nicht. (OK ich bin auch nicht so naiv, zu glauben das es nicht doch herauszufinden wäre, aber würde das schon wieder Aufwand bedeuten)

  4. Ein Firefox Add-On names Ghostery blockt Tracker - Facebook, aber auch Kandidaten wie disqus.

    Vielleicht sollte man die Unternehmen endlich einmal als das ansehen was sie sind...

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    Nur zum Thema Verfolgung....

    Ghostery zeigt freundlicherweise an was denn so geblockt wird.

    Interessanterweise scheint Google Adsense in Links zu Google Suchen zu stecken... oder der Browser versucht das im voraus zu laden... -> ich habe allerdings kein Add-in in diese Richtung installiert.

    Auch interessant ist, dass Flickr (Yahoo) keinerlei Tracker nutzt.

  5. Nur zum Thema Verfolgung....

    Ghostery zeigt freundlicherweise an was denn so geblockt wird.

    Interessanterweise scheint Google Adsense in Links zu Google Suchen zu stecken... oder der Browser versucht das im voraus zu laden... -> ich habe allerdings kein Add-in in diese Richtung installiert.

    Auch interessant ist, dass Flickr (Yahoo) keinerlei Tracker nutzt.

    Antwort auf "Ghostery"

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