Die "Geodaten-Affäre" um Apple weitet sich aus: Zwei Betroffene haben vor einem US-Gericht in Tampa (Florida) Sammelklage gegen den Hersteller von iPhone und iPad eingereicht. Die beiden Kläger verlangten von dem zuständigen Richter, Apple das Sammeln von Nutzerdaten und Bewegungsprofilen zu untersagen. Beim Kauf habe man ihnen nicht gesagt, dass die Geräte fortlaufend Ortsdaten speichern.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass Apple-Geräte dauerhaft und kontinuierlich Informationen über die jeweiligen Aufenthaltsorte der Nutzer speichern. Betroffen sind iPhones sowie iPads mit Mobilfunkverbindung, die mit Version 4 des Betriebssystems iOS laufen. Die Informationen werden weder an Apple noch an andere weitergeleitet. Die Lokalisierungen könnten bis auf 50 Meter genau sein. Nach einem Bericht des Wall Street Journal lässt sich der Ortungsdienst der Geräte nicht abstellen. Selbst wenn die Funktion in den Einstellungen des Telefons deaktiviert wird, sammelt das Gerät weiter Daten.

Seitdem der Ortungsspeicher von Apple bekannt ist, hat es weltweit Kritik gegeben. Auch die amerikanische Politik erhöht nun den Druck auf Apple und Google: Beide Unternehmen wurden zu einer Anhörung in einem Senatsausschuss geladen. Sie sei am 10. Mai angesetzt, sagte der Ausschussvorsitzende, Senator Al Franken.

Generalstaatsanwältin Lisa Madigan aus Illinois will Vertreter von Apple und Google treffen. "Ich will wissen, ob die Kunden darüber informiert worden sind, was von Apple und Google aufgezeichnet und gespeichert wird und ob diese Funktionen abgestellt werden können", sagte sie.

Apple hat noch nicht Stellung bezogen zu der massiven Kritik an der Praxis. Ein Bericht des Blogs MacRumors, wonach sich Firmenchef Steve Jobs in einer Mail an einen Kunden dazu geäußert haben soll, wurde von dem Unternehmen nicht bestätigt. Dem Blog zufolge soll Jobs geschrieben haben, dass Apple kein Tracking betreibe, also Nutzerbewegungen nachvollziehe: "Die kursierende Information ist falsch."



Das Verbraucherschutzministerium in Deutschland will nicht länger auf eine Antwort warten. "Es wird Zeit, dass sich das Unternehmen zu den Vorwürfen äußert", sagte Ministeriumssprecher Holger Eichele. "Wenn ein Nutzer die Ortungsfunktion seines Geräts deaktiviert, muss er sich darauf verlassen können, dass das Gerät keine Geodaten mehr aufzeichnet."