Dass Smartphones Ortungswanzen sind, wie der Chaos Computer Club sie nennt, dürfte vielen Nutzern längst klar sein. Immerhin ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein Gerät, das ständig seinen Aufenthaltsort kennt, sich diesen auch merkt. Trotzdem erzeugt es ein ungutes Gefühl, wenn Entdeckungen wie die folgenden bekannt werden: iPhone und iPad speichern sämtliche aufgezeichneten Ortungsdaten und übertragen sie an den Rechner des Nutzers, sobald der sein Smartphone oder seinen Tabletcomputer mithilfe der Software iTunes aktualisiert und abgleicht. Das berichteten die beiden Programmierer Alasdair Allan und Pete Warden gerade auf der Konferenz Where 2.0 im kalifornischen Santa Clara .

Die beiden haben ein Programm namens iPhone-Tracker geschrieben , mit dem jeder Apple-Nutzer die über ihn gespeicherten Positionsdaten auslesen und auf einer Karte darstellen kann.

Die Daten ähneln denen, die in Deutschland im Zusammenhang mit der Vorratsdatenspeicherung für heftige politische Diskussionen sorgen. Denn Mobilfunk-Provider speichern, von wo und wann welches Handy auf das Funknetz zugriff. Sie tun das unter anderem für die Abrechnung der Kosten beim Kunden, meist bis zu 90 Tage. Die EU verlangt sogar mindestens ein halbes Jahr Speicherfrist, damit die Polizei in bestimmten Fällen die Daten für Ermittlungen verwenden kann. Datenschützer halten das für eine anlasslose Totalüberwachung. Um das Problem darzustellen, visualisierte ZEIT ONLINE in einer interaktiven Grafik die Kommunikationsdaten des Grünen-Politikers Malte Spitz.

Klicken Sie auf das Bild, um zur interaktiven Karte zu gelangen © ZEIT ONLINE

Was iPhone und iPad aufzeichnen, ist diesen sogenannten Vorratsdaten recht ähnlich. Die Geräte speichern Längen- und Breitengrad basierend auf der Position von Handyfunkzellen. "Das ist weniger Präzise als mit GPS, aber verbraucht wahrscheinlich weniger Strom", schreibt Allan auf seiner Website. Außerdem enthält die Datei zu jeder Position einen Zeitstempel in Sekunden, gerechnet vom 1. Januar 2001 an.

Wie häufig das Gerät diese Daten ablegt, ist unterschiedlich, wahrscheinlich jedoch geschieht es bei jedem Einloggen in eine neue Funkzelle. Laut Allan und Warden ist diese Funktion erst in dem neuen Betriebssystem iOS 4 enthalten, frühere Versionen speicherten die Daten nicht. Im Zweifel also wird seit etwa einem Jahr aufgezeichnet, wo sich jemand aufhielt.

Die Daten sind nicht verschlüsselt, sondern liegen offen in einem XML-Format vor, berichteten die beiden Programmierer. Was auch bedeutet, dass jeder, der Zugriff auf das Gerät selbst oder den Computer hat, mit dem es synchronisiert wurde, sie einsehen kann. Beispielsweise Lebensgefährten oder Freunde. Apple dagegen scheint die Daten nicht abzurufen, zumindest sagen Allan und Warden, dass sie keine Belege gefunden hätten, dass die Datei an Apple geschickt wird.

Warum aber werden diese Informationen überhaupt gespeichert? Eine Erklärung von Apple gibt es dazu bislang nicht. Allan und Warden spekulieren , dass Apple künftig irgendwelche Anwendungen plant, die darauf aufbauen. Sicher jedoch sind sie sich, dass die Speicherung kein Zufall ist – immerhin würde die Datei gezielt bei jeder Synchronisation aktualisiert und auch auf neue Geräte übertragen.