Der Navigationsgerätehersteller TomTom NV steht in der Kritik, nachdem bekannt wurde, dass die niederländische Polizei mit Hilfe von gekauften TomTom-Nutzerdaten Radarfallen platziert hat. Das Unternehmen hatte erst am Mittwoch schwache Quartalszahlen veröffentlicht und bekannt gegeben, unter anderem mit dem Verkauf von Verkehrsdaten an die Regierung seine Einnahmen steigern zu wollen.

Wie die niederländische Zeitung Algemeen Dagblad berichtete, kaufte die Polizei die Daten von der Regierung, um damit gezielte Radarfallen aufzustellen. TomTom-Nutzer zeigten sich verärgert über den Umgang mit ihren Daten.

Konzernchef Harold Goddijn entschuldigte sich am Mittwoch in einer Email und gab an, von einer anderen Nutzung der Daten ausgegangen zu sein: "Wir haben diese Art der Nutzung nicht vorausgesehen, und viele unserer Kunden sind unglücklich darüber." TomTom sei davon ausgegangen, dass die Informationen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit oder Infrastruktur benutzt würden. Zukünftig sollten Lizenzbeschränkungen ähnliche Vorfälle verhindern, sagte Goddijn.

TomTom hatte zuletzt nach schwachen Verkaufszahlen im ersten Quartal seine Ziele fürs Gesamtjahr gesenkt. Zu Jahresbeginn sanken die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Prozent auf 265 Millionen Euro, wie der europäische Marktführer mitteilte. Der Absatz der mobilen Navigationsgeräte brach sogar um 16 Prozent ein. Fürs Gesamtjahr rechnet TomTom jetzt mit einem Umsatz zwischen 1,425 und 1,475 Milliarden Euro. Bisher waren 1,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden. Der Gewinn lag zu Jahresbeginn bei elf Millionen Euro und damit über den durchschnittlichen Erwartungen von Analysten.

Der Konzern sieht sich zunehmend dem Wettbewerb durch Navigationsangebote auf Smartphones wie dem iPhone von Apple ausgesetzt. Auch Garmin, der direkte Rivale von TomTom, wirbt mit kostenlosen Navigationsangeboten etwa von Google oder Nokia.