Datenklau Sonys Kommunikationspolitik erbost Playstation-Kunden

Der gigantische Datenklau bei Sony entwickelt sich für den Elektronikkonzern zu einem PR-Desaster: Die betroffenen Kunden werfen dem Unternehmen Intransparenz vor.

Es ist einer der größten Hacks der Geschichte: Angreifer haben die Daten von mehr als 70 Millionen Online-Kunden des japanischen Elektronikriesen Sony gestohlen. Die Attacken hätten sich zwischen dem 17. und 19. April ereignet und auf die Plattformen Playstation Network sowie den Video- und Musikdienst Qriocity abgezielt, teilte das Unternehmen in seinem US-Firmenblog mit. Der oder die Angreifer hätten wohl Namen, Adressen, E-Mail-Adressen, Geburtstage, Passwörter und Logins erbeutet. Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch Kreditkartendaten abgeschöpft wurden.

Die Betroffenen reagieren empört – und sparen nicht mit scharfer Kritik an der Informationspolitik des Konzerns. "Ihr habt eine WOCHE gewartet, um uns mitzuteilen, dass unsere Daten gefährdet sind? Das hätte bereits letzten Donnerstag gesagt werden sollen", macht ein Nutzer seinem Ärger im Firmenblog Luft. "Es ist einfach unglaublich, dass dies die erste gehaltvolle Information ist, die Ihr uns gebt", schreibt ein anderer.

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Sony ist nicht der erste japanische Konzern, der sich wegen einer schlechten Kommunikationspolitik schwere Vorwürfe gefallen lassen muss. Der Reaktorbetreiber Tepco steht seit der Atomkatastrophe in Fukushima stark in der Kritik. Im vergangenen Jahr hatte sich Toyota während des Rückrufs von Millionen Autos nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Ein Firmensprecher verteidigte das Vorgehen von Sony. Es habe "einige Tage forensischer Untersuchungen" gebraucht, um Klarheit zu haben. Mittlerweile sei auch eine externe Sicherheitsfirma angeheuert worden. Zudem habe Sony die betroffenen Systeme am 19. April sofort heruntergefahren, nachdem man die Angriffe bemerkt habe.

Gleichwohl ist der Hacker-Angriff für den Elektronikkonzern eine Schmach. Zwar ist Sony immer noch eine der Branchengrößen, befindet sich aber gegenüber der Konkurrenz von Apple, Samsung und Google immer stärker im Hintertreffen. Und die Playstation ist, obwohl der Hardware- und Software-Umsatz mit Videospielen zuletzt weltweit rückläufig war, noch immer ein wichtiger Gewinnbringer und eines der prestigeträchtigsten Produkte der Japaner.

Die Videospiele sollen auch genutzt werden, um Kunden für den ersten Tablet-Computer des Konzerns zu begeistern. Mit dem Verkauf des neuen Produkts soll noch im Jahresverlauf begonnen werden. Pikanterweise stellte Sony seinen Tablet nur wenige Stunden vor der Bekanntgabe des Hacks in Japan vor.

Die Details zu dem Angriff sind noch unklar. Experten vermuten, dass die Hacker in das Netzwerk gelangen konnten, indem sie den PC des Administrators übernahmen, der wiederum Zugang zu den Kundendaten hatte. Dies dürfte, so die Mutmaßungen, über eine E-Mail an den Administrator geschehen sein, die eine tückische Software enthielt und auf den PC des Empfängers geladen wurde. Aktivisten des Kollektivs Anonymous, die wegen der Anklage zweier Hacker durch Sony Vergeltungsaktionen gegen den Konzern gestartet hatten, wiesen die Verantwortung bereits von sich.

Versicherer warnen seit geraumer Zeit davor, dass solche Hacker-Angriffe zu einer zunehmenden Bedrohung für Firmen werden. Besonders hohe Schäden sind bei IT-Ausfällen an der Börse, bei Telekom- und Mobilfunkunternehmen, im Flug- und Bahnverkehr, bei Banken und auch bei Autoherstellern denkbar. Der Versicherungsmarkt hierfür ist aber noch klein, einzig in den USA werden verstärkt Policen nachgefragt. Das liegt an den dort hohen Schadenersatzklagen. Pro gestohlenem Datensatz werden oft 200 Dollar angesetzt. So gehen die Summen schnell in die Millionen.

Sony teilte mit, sein Playstation Network könne innerhalb einer Woche wiederhergestellt werden. Das Online-Netzwerk wurde im Herbst 2006 eingeführt und bietet Konsolen-Besitzern neben Spielen auch Musik oder Filme. Zudem können die Nutzer dort auch gegeneinander antreten und miteinander chatten. Mitte März wurden 77 Millionen registrierte Kunden gezählt, 90 Prozent davon in den USA und Europa. Mindestens einen von ihnen dürften die Japaner nun verloren haben: "Zeit, zu einem anderen Netzwerk zu gehen, keine Rücksicht auf die Kunden hier. Tschüss Sony", schreibt ein Nutzer im Firmenblog.

 
Leser-Kommentare
    • fanta4
    • 27.04.2011 um 12:45 Uhr

    "Zeit, zu einem anderen Netzwerk zu gehen, keine Rücksicht auf die Kunden hier. Tschüss Sony".

    Und auch da sind die Daten nicht sicher. Immer wenn ich Daten in ein Netzwerk gebe, können diese geklaut werden.

    Ob bei Globus an der Kasse mit EC-Karte bezahlt, beim Online-Banking, oder die Daten-Sammel-Wut von Apple, oder Google - all diese Daten sind nicht sicher!

    Das muss den Anbietern, wie Nutzern doch endlich mal klar werden.

    Deshalb: Weniger (Online), ist manchmal eben mehr.

  1. Vorab: wer sich mit dem Angriff ein wenig auseinander gesetzt hat, der weiss das es den Angreifern nicht um den Missbrauch der gehackten Daten ging, sondern um mehr Transparenz seitens Sony. Sony betreibt mit ihrem starren Abgrenzen, was auf ihre Hardware gespielt werden darf, und was nicht, ein schwieriges Spiel, bei einer solchen Masse von Spieler. Da war es dann nur natürlich, dass sich das nicht alle gefallen lassen. Man bezahlt sich dumm und dämmlich und hat eigentlich wenig Freiheiten, obwohl man mit dem Internet verbunden ist, bleibt doch alles geschlossen in einem System. Ich bin froh einerseits, dass Sony durch den Angriff gewanrt ist, und hoffe andereseits, dass diese Aktion auch für den Kunden was bewirkt.
    Die Hacker stehen nun mal für freie Kommunikation und weiterentwicklung im Netz!

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    1. Es ist noch nicht bekannt, wer die Hacker sind. Somit sind ihre Motive für den Datendiebstahö auuschließlich Spekulation.
    2. Auch wenn sie versuchen diese Tat zu ideologisieren. Unabhängig davon, warum die Daten gestohlen wurde. Es handelt sich bei den Hackern um stinknormale Kriminelle. Und Kriminelle gehören von staatlichen Behörden gejagt und anschließend weggesperrt.

    Ich bin auch gegen starke Kontrolle der Inhalte durch Konzerne (Apple), Vorschriften was Nutzungsverhalten angeht (Apple, Sony, etc) und die heimliche Erhebung/Speicherung/Übertragung von Geodaten (Google, Apple).

    Aber was bitte ist das für eine verquere Rechtfertigung?

    Weil Sie Geld ausgeben, um das Produkt einer Firma FREIWILLIG zu kaufen (Besitz einer Playstation ist entgegen landläufiger Ansichten nicht verpflichtend), hätten Sie das Recht, alles damit zu machen?

    Wenn die Konsole etwas nicht kann, dann kaufen Sie sie einfach nicht. Aber wenn Sie sie kaufen, müssen Sie wohl mit den Rahmenbedingungen, die Sony vorgibt, einverstanden sein. Sonst hätten Sie die ja nicht gekauft. Sondern vielleicht ne Xbox. Oder einen Nintendo DS. Jedenfalls kein Sony-Produkt!

    Aber im Nachhinein über einen bereits vorher ersichtlichen Mangel zu klagen und daraus dann die Rechtfertigung für Straftaten abzuleiten ist dummdreist und schützt nicht vor Strafen. - Absolut lächerlich!

    1. Es ist noch nicht bekannt, wer die Hacker sind. Somit sind ihre Motive für den Datendiebstahö auuschließlich Spekulation.
    2. Auch wenn sie versuchen diese Tat zu ideologisieren. Unabhängig davon, warum die Daten gestohlen wurde. Es handelt sich bei den Hackern um stinknormale Kriminelle. Und Kriminelle gehören von staatlichen Behörden gejagt und anschließend weggesperrt.

    Ich bin auch gegen starke Kontrolle der Inhalte durch Konzerne (Apple), Vorschriften was Nutzungsverhalten angeht (Apple, Sony, etc) und die heimliche Erhebung/Speicherung/Übertragung von Geodaten (Google, Apple).

    Aber was bitte ist das für eine verquere Rechtfertigung?

    Weil Sie Geld ausgeben, um das Produkt einer Firma FREIWILLIG zu kaufen (Besitz einer Playstation ist entgegen landläufiger Ansichten nicht verpflichtend), hätten Sie das Recht, alles damit zu machen?

    Wenn die Konsole etwas nicht kann, dann kaufen Sie sie einfach nicht. Aber wenn Sie sie kaufen, müssen Sie wohl mit den Rahmenbedingungen, die Sony vorgibt, einverstanden sein. Sonst hätten Sie die ja nicht gekauft. Sondern vielleicht ne Xbox. Oder einen Nintendo DS. Jedenfalls kein Sony-Produkt!

    Aber im Nachhinein über einen bereits vorher ersichtlichen Mangel zu klagen und daraus dann die Rechtfertigung für Straftaten abzuleiten ist dummdreist und schützt nicht vor Strafen. - Absolut lächerlich!

  2. Hey,

    wäre nett, wenn man die Nutzung von irgendwelchen Random-Kommentaren einschränken könnte. Hier ist es ja noch einigermaßen passend, weil tatsächlich die Nutzer betroffen sind. Allerdings lese ich auch immer wieder Blogkommentare oder Twittereinträge, die einfach keine Aussagekraft haben und vom Autor nur gewählt werden, um eine einseitige Meinung einzuholen. Wenn man jemanden befragt, dann doch bitte Betroffene (wie gesagt, hier der Fall) oder Experten. Aber keine anonymen Dummschwätzer. Und das sind sicherlich 99% der Leute, die man so zitieren kann.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Es ist dennoch erstaunlich, dass Hacker eine gewissen Kultstatus genießen, dass sie sich auflehnen können gegen die Monopole dieser Welt und sie durchbrechen können...
    Das sind nichts weiter als asoziale Wesen, die in ihrem Keller verwehsen und hochgradig Kriminell sind, denn "Cyberkriminalität" erreicht von Tag zu Tag immer größere und bedrohliche Dimensionen...
    Aber Schuld ist der Konzern

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    "Das sind nichts weiter als asoziale Wesen, die in ihrem Keller verwehsen"
    Das ist ein ziemliches Klischee das sie da aufgreifen, meinen sie nicht?
    Und natürlich genießen diese einen Kultstatus, war mit John Herbert Dillinger und Robin Hood ja nicht anders.
    Dazu zählen aber doch nicht alle Hacker, sondern nur die, die sich und ihre 'heroischen' Angriffe präsentieren.

    Nicht jeder Hacker ist "hochgradig kriminell" wie wahrscheinlich in diesem Fall. Es gibt auch solche die man als Aktivisten für Datenschutz und Sicherheit im Netz bezeichnen könnte. Dass die dann ein gewisses Ansehen genießen ist doch verständlich.

    ich vertraue Hackern eher, als Konzernchefs. Bei den Ersten werden ein paar ehrliche dabei sein, bei den Zweiten bezweifle ich das mal. Das ist wie bei Politikern, bis man in gewissen Positionen kommt, muss man alles ablegen, was einem lieb und ehrbar erscheint.

    "Das sind nichts weiter als asoziale Wesen, die in ihrem Keller verwehsen"
    Das ist ein ziemliches Klischee das sie da aufgreifen, meinen sie nicht?
    Und natürlich genießen diese einen Kultstatus, war mit John Herbert Dillinger und Robin Hood ja nicht anders.
    Dazu zählen aber doch nicht alle Hacker, sondern nur die, die sich und ihre 'heroischen' Angriffe präsentieren.

    Nicht jeder Hacker ist "hochgradig kriminell" wie wahrscheinlich in diesem Fall. Es gibt auch solche die man als Aktivisten für Datenschutz und Sicherheit im Netz bezeichnen könnte. Dass die dann ein gewisses Ansehen genießen ist doch verständlich.

    ich vertraue Hackern eher, als Konzernchefs. Bei den Ersten werden ein paar ehrliche dabei sein, bei den Zweiten bezweifle ich das mal. Das ist wie bei Politikern, bis man in gewissen Positionen kommt, muss man alles ablegen, was einem lieb und ehrbar erscheint.

  4. Ein wenig befremdlich finde ich die Tatsache, dass man als Kunde nicht informiert wird, was passiert ist und wie man sich schützen sollte. SONY wäre hier, meiner Meinung nach, in der Bringschuld gewesen, und hätte seine Kunden informieren sollen, stattdessen muss man sich die Informationen über News-Seiten und Blogs besorgen. Eine offensivere Informationspolitik wäre da sicherlich wünchenswert gewesen.

  5. es ist kein Trick es ist SONY

  6. "Das sind nichts weiter als asoziale Wesen, die in ihrem Keller verwehsen"
    Das ist ein ziemliches Klischee das sie da aufgreifen, meinen sie nicht?
    Und natürlich genießen diese einen Kultstatus, war mit John Herbert Dillinger und Robin Hood ja nicht anders.
    Dazu zählen aber doch nicht alle Hacker, sondern nur die, die sich und ihre 'heroischen' Angriffe präsentieren.

    Antwort auf "Hackerkult"
  7. Nicht jeder Hacker ist "hochgradig kriminell" wie wahrscheinlich in diesem Fall. Es gibt auch solche die man als Aktivisten für Datenschutz und Sicherheit im Netz bezeichnen könnte. Dass die dann ein gewisses Ansehen genießen ist doch verständlich.

    Antwort auf "Hackerkult"

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