Hacker-Angriff Sony vermutet Anonymous hinter Datendiebstahl
Die Hacker hätten bei dem Angriff auf Unternehmensrechner ein Bekennerschreiben hinterlassen, sagt der Konzern. Anonymous wirft Sony vor, nur einen Sündenbock zu suchen.

Das Markenzeichen der Anonymous-Gruppe: dem Comic "V wie Vendetta" nachempfundene Masken
So, wie Sony den Fall schildert, klingt es, als habe der Konzern kaum etwas gegen den Diebstahl der Daten von Millionen seiner Kunden tun können: "Sony has been the victim of a very carefully planned, very professional, highly sophisticated criminal cyber attack", schrieb Kommunikationschef Peter Seybold in einer Reaktion auf die Anhörung des amerikanischen Kongresses zu dem Datenverlust. Mit anderen Worten, der Angriff der Hacker sei so gut vorbereitet und professionell durchgeführt worden, dass der Konzern nahezu hilflos war.
Gleichzeitig präsentierte Seybold einen Schuldigen: Die Angreifer hätten auf einem der Sony Online Entertainment Server ein Dokument mit dem Titel "Anonymous" hinterlassen und in dem habe der Satz "Wir sind Legion" gestanden. Der ist so etwas wie der Schlachtruf der Bewegung, die sich selbst Anonymous nennt und die gegen all jene kämpft, von denen sie glaubt, dass sie die Freiheit des Netzes einschränken wollen. Normalerweise sind die namenlosen Aufrufe der Gruppe unterschrieben mit: "We are Anonymous. We are Legion. We do not Forgive. We do not Forget. Expect Us."
- Ohne Gesicht
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Der Name ist Programm – die Gruppe Anonymous agiert als Bewegung ohne sichtbare Hierarchie und Gesichter. Anhänger ihrer Aktionen (Anons) verkleiden sich gern mit einer Maske von Guy Fawkes. Der hatte 1605 ein Attentat auf den englischen König versucht. Das wiederum inspirierte die Autoren der Comicserie V – wie Vendetta in den achtziger Jahren, ihren Protagonisten hinter einer Fawkes-Maske versteckt zu zeigen. Er protestierte mit seinen Aktionen gegen einen unterdrückenden und überwachenden Staat, was wiederum einige Anons als Symbol für den eigenen Kampf aufgriffen.
Ursprung der Bewegung und des Namens ist das Imageboard 4chan. Auf der Seite kann jeder unzensiert und unmoderiert Bilder und Botschaften hinterlassen und dabei auch seinen Namen angeben. Allerdings tut das kaum jemand, weswegen die meisten Texte mit dem Namen "Anonymous" gekennzeichnet sind.
- Ohne Hierarchie
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Anonymous existiert nicht als Organisation. Es ist viel mehr eine Idee, eine Bewegung, der sich jeder anschließen und derer sich jeder bedienen kann. Auch Koordination gibt es nicht direkt. Wichtigstes Instrument dieser Nicht-Koordination ist der Internet Relay Chat (IRC). In diesem kostenlosen Dienst kann jeder Diskussionskanäle eröffnen und sich in ihnen mit beliebig vielen anderen Nachrichten schreiben.
In wechselnden Kanälen werden dort mögliche Ziele debattiert und Angriffe auf Websites koordiniert. Seit 2010 gibt es auch eine Website, auf der Botschaften verbreitet und neue Aktionen angekündigt werden. Derzeit ist sie erreichbar unter anonops.blogspot.net. Außerdem werden Informationen via Twitter und Facebook verbreitet.
Doch muss niemand in solchen Foren und Kanälen auftauchen, um ein Anon zu sein. Im Zweifel genügt es, Anonymous öffentlich zu unterstützen, wie es der amerikanische Bürgerrechtler John Perry Barlow tut, oder sich an den Attacken auf Server zu beteiligen. Die Software dazu, Low Orbit Ion Cannon genannt, gibt es kostenlos im Netz.
- Ohne Führer
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Es gibt keinen Chef, Leiter, Anführer oder ähnliches. Im Gegenteil: Jeder, der sich als solcher in Medien oder Internet präsentiert, kann davon ausgehen, in kürzester Zeit von den Anhängern von Anonymous beschimpft zu werden oder selbst Ziel von Angriffen zu sein. Das Selbstverständnis ist das eines Ameisenstaates. Damit ist Anonymous eine Umsetzung der Idee des Hive Minds, der Schwarmintelligenz. In der Masse, so die Idee, lässt sich enorme Wirkung entfalten, also sollte auch nur die Masse das Ergebnis für sich beanspruchen.
Trotzdem existiert so etwas wie eine Operationsebene innerhalb der Gruppe. Zumindest existieren einige Personen, die im IRC als Operator agieren, also auf die Einhaltung gewisser Regeln in den Chats achten und Verstöße dagegen ahnden. Sie haben aber nicht unbedingt etwas mit der Planung von Aktionen zu tun.
Gleichzeitig legt Anonymous Wert darauf, Verantwortung für die Aktionen zu übernehmen, die durch das Netzwerk koordiniert wurden. Daher werden üblicherweise Bekennerschreiben verfasst. Jedoch hat die Bewegung keinen Einfluss auf "Einzeltäter", die ihren Namen benutzen und will den auch nicht haben.
- Ohne Ziel
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Anonymous versteht sich als Bewegung, die für Netzfreiheit und gegen Zensur kämpft. Darüber hinaus aber gibt es keine klar formulierten Ziele. Aktionen können sich gegen Sekten ebenso richten (die älteste bekannte ist eine gegen Scientology) wie gegen rechtsradikale Foren, Kreditkartenkonzerne oder Manager von Unterhaltungskonzernen.
Auch ist es im Kern eigentlich keine politische Bewegung. Ursprünglich ging es um Streiche – im Namen unliebsamer Personen beispielsweise Unmengen Pizza zu bestellen. Der Spaß stand im Vordergrund, oder im Jargon des Netzes: the lulz. Gemeint sind Lacher, vor allem im Sinne von Schadenfreude.
Erst nach und nach ist daraus in den vergangenen Jahren so etwas wie eine Graswurzelbewegung erwachsen, bei der der Spaß aber immer noch im Vordergrund steht. Wie ZEIT-ONLINE-Leser BadLuckin einem Kommentar schrieb: "I came for the Lulz, but now i fight for Freedom of speech and for the free interweb." ("Ich kam wegen des Spaßes, nun kämpfe ich für Redefreiheit und ein freies Netz.")
Für die Teilnehmer allerdings können die Aktionen im Zweifel durchaus riskant sein, da einige Länder wie die USA, Großbritannien und die Niederlande begonnen haben, Attacken von Anonymous strafrechtlich zu verfolgen.
Seybold verwies darauf, dass Anonymous schon vorher versucht habe, dem Konzern das Leben mit sogenannten DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service) schwer zu machen. Bei diesen Angriffen werden Server mit einer Masse von Anfragen überflutet, bis sie nicht mehr erreichbar sind.
Sony hatte sich den Ärger der Netzaktivisten zugezogen, weil der Konzern einen Hacker seiner Playstation 3 mit Vehemenz verfolgt hatte. Aufgrund der Anklage gegen "Geohot", so sein Kampfname, hatten sich Teile von Anonymous zu einem Angriff auf Sony entschlossen.
"Geohot" und Sony einigten sich letztlich in einem Vergleich. Aber der Hacker warf dem Konzern vor, arrogant zu sein, wenn es um Datenschutz gehe. Die Sicherheitsarchitektur Sonys sei für die Probleme primär verantwortlich. Allein die Tatsache, dass bei dem Hack so viele persönliche Daten gestohlen werden konnten, darunter Kreditkarteninformationen, sei bedenklich. Bei Hacks von vergleichbaren Netzwerken sei das nicht gelungen.
Schon Kazuo Hirai, der Vizechef von Sony, hatte indirekt Anonymous für den Einbruch verantwortlich gemacht. In einem Brief, in dem er die Fragen der amerikanischen Abgeordneten beantwortet, hatte er zumindest einen zeitlichen Zusammenhang beschrieben: Der Einbruch habe kurz nach den DDoS-Angriffen stattgefunden.
Anonymous jedoch hat eine Beteiligung an dem Datendiebstahl bereits vor Tagen grundsätzlich zurückgewiesen. In einer Erklärung hieß es: "We didn't do it", wir waren es nicht. Sie warf darin Sony vor, die von Anonymous verantworteten Serverblockaden zu nutzen, um von eigenen Mängeln abzulenken. Die Gruppe schloss aber nicht aus, dass einzelne Mitglieder der lose aufgebauten Vereinigung auf eigene Faust agiert haben könnten.
- Datum 05.05.2011 - 12:27 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 17
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macht es sich zu einfach.
Man darf sich Anonymous nicht als Gruppe mit exakt umrandeter Mitgliederliste vorstellen.
Quasi jeder der will kann sich Anonymous nennen und unter diesem Namen agieren.
Das ist ja einer der Hauptvorteile von Anonymous z.B. in deren Kampf gegen Scientology, die Gruppe als solches ist nicht greifbar, die Mitglieder jederziet austauschbar.
So gesehen eine perfekte Hydra.
Wo steht in dem Artikel darüber etwas das Sony die Hacker nach den DOS angriffen verspottet hatte?Sony Sprecher machten sich über die Hacker lustig und sagten sie wären zu mehr nich fähig.
Wo steht etwas darüber das Sony im Nachhinein Features (Linux Support) der ps3 gestrichen hat und dadurch erst Hacker das System knacken wollten, um wieder Linux o.ä. Nutzen zu können (es ging nie um kopierte Spiele)
Wäre Sony nie so dumm gewesen, das alles wäre nie passiert.
via ZEIT ONLINE plus App
Die Leute, welche im Netz mit "Anonymous" unterschreiben stehen in den meisten Fällen in keinerlei Verbindung zu einander. Ist beispielsweise ein DDoS geplant so gibt es in einschlägigen Foren und IRC channels kurz vorher einen Aufruf mit Daten zum Angriffsziel und einem groben Zeitfenster. Dann darf/kann jeder der diesen Aufruf gelesen hat mitmachen. Andererseits ist "Anonymous" als Bezeichnung ganz einfach eine Modeerscheinung. In Jeder deutschen Stadt kleben 14 Jährige Schulkinder, die nicht einmal eine grobe Vorstellung davon haben wie ihr Computer mit der Aussenwelt kommuniziert und diese manipulieren kann, selbstgemachte oder gekaufte "Anonymous - All of us are as cruel as none of us" Sticker ... weils cool ist. Ähnliches gilt auch für selbsternannte Hacker. es ist nicht mehr als eine Modebewegung die, in 90% der Fälle, für nichts als den persönlichen Profit/Rache einsteht. Darüber hinaus wird die Bezeichnung auch oft gewählt um den Angegriffenen zu verwirren oder ihn etwas glauben zu machen was nicht Realität ist. Alles in Allem ist Anonymous nicht ernst zu nehmen. Es handelt sich lediglich um eine undefinierte Idee.
"Sony has been the victim of a very carefully planned, very professional, highly sophisticated criminal cyber attack"
aus der PR-Sprache in die Menschensprache steht da:
"Selbst grundlegende IT-Sicherheitstechnologien waren uns zu teuer, weswegen ein paar Script-Kiddies uns die Daten klauen konnten. Und weil wir auch noch die letzte IT-Spezialisten zwecks Renditesteigerung weg rationalisiert haben, merkten wir das erst, als die Nutzer sich beschwerten."
...kann man es kaum auf den Punkt bringen.
Und der PR-Abteilung fällt nichts plumperes ein, als es auf irgeneinen abstrakten 'Anonymous' zu schieben.
Ist ja einfach....
...kann man es kaum auf den Punkt bringen.
Und der PR-Abteilung fällt nichts plumperes ein, als es auf irgeneinen abstrakten 'Anonymous' zu schieben.
Ist ja einfach....
Anonymous - eine Organisation, welche bisher jedes einzelne Mal, wenn sie etwas angestellt haben, sich dazu auch bekannt haben - welche schon ziemlich große Hacks (siehe HBGary) durchgeführt haben und entsprechend auch keine Angst vor Konsequenzen haben - diese Anonymous haben klar und deutlich gesagt, dass sie's nicht waren. Welchen Grund hätten sie, darüber zu lügen? Bisher waren sie immer stolz auf ihre gelungenen Attacken. Warum sollten sie es bei diesem Hackerangriff der Superlative nicht tun? Und warum sollten sie auf den Servern eine solche Datei als Bekennerschreiben hinterlassen, aber trotzdem sagen "Wir waren es nicht"? Wer so klug ist, alle Sicherheitsvorkehrungen`eines so riesigen Konzerns zu durchbrechen, der kann offensichtlich intelligent nachdenken. Das ist kein dummer Mensch, ganz offensichtlich.
Fazit: Nichts deutet daraufhin, dass es Anonymous war.
Sony auf der anderen Seite hat einen ziemlich guten Grund, zu lügen. Anonymous kämpft gegen die Konzernpolitik, welche Nutzern zuvor gewährte Funktionen (Linux-Support) plötzlich verschließt. Sony möchte natürlich, dass die eigenen Kunden Anonymous nicht mögen. Genau deswegen stellen sie es jetzt so dar, als wenn Anonymous das alles zu verantworten habe. Und können dann schön auf Anonymous verweisen, wenn die Kreditkartendaten verkauft und ausgenutzt wurden.
Warum sollte man Sony glauben?
Zuzugeben, dass ein Paar Skript-Kiddies den Laden der Lächerlichkeit preisgegeben haben, ist einfach zu Peinlich ^^.
Zuzugeben, dass ein Paar Skript-Kiddies den Laden der Lächerlichkeit preisgegeben haben, ist einfach zu Peinlich ^^.
...kann man es kaum auf den Punkt bringen.
Und der PR-Abteilung fällt nichts plumperes ein, als es auf irgeneinen abstrakten 'Anonymous' zu schieben.
Ist ja einfach....
Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich sachlich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/se
als playstation3 geschädigter wird meine abscheu auf sony immer grösser die jetzt die schuld auf andere schieben wollen.
ekelhaft!
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