Medienkompetenz Allein gelassen im Internet
Fast alle Jugendlichen sind im Netz und dort auf sich gestellt. An Schulen gibt es keine Experten für Datenschutz und Internetfallen. Es sei denn, Lehrer laden einen ein.
Frank Spaeing hat eine Mission. Er kämpft gegen Datenkraken, Computer-Viren und gegen die Sorglosigkeit vieler Jugendlicher im Umgang mit persönlichen Informationen. So auch an diesem Morgen.
Es ist die dritte Stunde, die große Pause ist gerade vorbei und in einer Woche gibt es Zeugnisse. Da haben die meisten der 50 Zehntklässler anderes im Kopf als das angeblich so gefährliche Internet. Also bleibt in der Aula des Lilienthal-Gymnasiums in Berlin-Lichterfelde die erste Reihe frei und hinten wird getuschelt.
98 Prozent der zehn- bis 18-Jährigen sind regelmäßig online, gut ein Drittel gibt das Internet als liebste Freizeitbeschäftigung an, hat eine Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien zum Internetverhalten Jugendlicher beobachtet.
Als Spaeing gleich zu Beginn fragt, wer von den Schülern einen Account bei Facebook hat, melden sich fast alle. Genau das sei das Problem, wird der Datenschützer später sagen: Natürlich biete das Internet eine Menge Spaß, jeder wolle mitmachen. Nur um die Gefahren würden sich die wenigsten kümmern, dabei seien die gerade für Jugendliche groß.
- Privatsphäre
Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden, die irische Datenschutzbehörde will das noch genau überprüfen. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.
- Vernetzung
Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.
- Profil
Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.
Fast 30 Prozent der 16- bis 18 Jährigen sind digital schon einmal belästigt oder beleidigt worden, hatte die gleiche Studie ergeben. Es gibt ganze Websites, die bewusst Raum für Mobbing lassen. Jugendliche, sagt Spaeing, würden sich zwar oft besser als ihre Eltern mit Computern auskennen, seien oft aber auch sorgloser.
Diese Sorglosigkeit zu demonstrieren, fällt Spaeing leicht. Mit seinem Mobiltelefon ortet er kurzerhand einige Handys der Schüler. "Aha, das iPhone von Mark, bitte mal melden!", ruft er in den Saal. "Anna Sophie ist auch da, dann sehe ich noch Dane." Die Schüler schauen verwundert, holen schnell ihre Handys hervor, drücken ein paar Tasten.
Spaeings Botschaft ist klar: Viele von euch haben die Kontrolle über ihre Daten längst verloren. Zeit, dass euch jemand zeigt, wie ihr sie zurückgewinnen könnt.
- Datum 27.06.2011 - 06:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Was wir nicht alles noch unbedingt an Unterichtsfächern brauchen. Hinzu kommt, dass Ingenieur- und Naturwissenschaftsstudenten zu wenig Mathekenntnisse aus der Schule mitbringen. Einen guten Text schreiben können die sowieso nicht. Die Lücken im Fach Geschichte reichen von der Steinzeit bis Heute, wenn man 1933-1945 außen vor lässt. Englisch und bald auch Chinesisch muss sowieso fließend gesprochen werden sonst wird jegliche Bewerbung 100%ig abgelehnt. Achja, Schüler sind zu dick, weil zu wenig Sport(untericht) haben....
Folglich haben wir viel zu tun: Neue Fächer einführen, bei den alten Fächern die Stundenzahlen hochschrauben und dann in 11 Jahren zum Powerabi, damit man mit 23 auch mit seinem Medizinstudium durch ist. Der Arbeitsmarkt braucht schließlich junge Leute!!
...doch ist der darin enthaltene beißende Spott doch tatsächlich überflüssig.
Es ist meiner Meinung nach tatsächlich elementar wichtig, junge Menschen dafür zu sensibilisieren, was mit ihren Daten passiert, wenn sie im Internet surfen. Die Tatsache, dass Daten erhoben werden, ist im Prinzip nichts verwerfliches – so schnell, wie der Wissensdrang der Gesellschaft wächst, kommen wir bald auch nicht mehr daran vorbei, dass uns Dienste wie Amazon und Google anhand von Gewohnheiten neue Ergebnisse in gewisser Weise vor sortieren.
Doch wirklich kritisch wird es eben wirklich, wenn junge Menschen, die das Medium Internet wie keine Generation zu vor nutzt und nutzen wird, diesbezüglich völlig unaufgeklärt bleibt.
Das kommt mir ungefähr so vor, als würden diese Jugendlichen dann später immer noch in einem Fahrzeug ohne Sicherheitsgurte ihre Fahrstunden absolvieren. Sowas ist unzeitgemäß; und Auftrag des Staates sollte es sein, seine zukünftigen, wählenden Bürger die Kompetenz hierzu zu vermitteln...Denn eine Orientierung und gewisse Grundsicherheit im WWW ist bald genauso wichtig wie die Beherrschung des Lesens, des Schreibens und des Rechnens.
...doch ist der darin enthaltene beißende Spott doch tatsächlich überflüssig.
Es ist meiner Meinung nach tatsächlich elementar wichtig, junge Menschen dafür zu sensibilisieren, was mit ihren Daten passiert, wenn sie im Internet surfen. Die Tatsache, dass Daten erhoben werden, ist im Prinzip nichts verwerfliches – so schnell, wie der Wissensdrang der Gesellschaft wächst, kommen wir bald auch nicht mehr daran vorbei, dass uns Dienste wie Amazon und Google anhand von Gewohnheiten neue Ergebnisse in gewisser Weise vor sortieren.
Doch wirklich kritisch wird es eben wirklich, wenn junge Menschen, die das Medium Internet wie keine Generation zu vor nutzt und nutzen wird, diesbezüglich völlig unaufgeklärt bleibt.
Das kommt mir ungefähr so vor, als würden diese Jugendlichen dann später immer noch in einem Fahrzeug ohne Sicherheitsgurte ihre Fahrstunden absolvieren. Sowas ist unzeitgemäß; und Auftrag des Staates sollte es sein, seine zukünftigen, wählenden Bürger die Kompetenz hierzu zu vermitteln...Denn eine Orientierung und gewisse Grundsicherheit im WWW ist bald genauso wichtig wie die Beherrschung des Lesens, des Schreibens und des Rechnens.
...doch ist der darin enthaltene beißende Spott doch tatsächlich überflüssig.
Es ist meiner Meinung nach tatsächlich elementar wichtig, junge Menschen dafür zu sensibilisieren, was mit ihren Daten passiert, wenn sie im Internet surfen. Die Tatsache, dass Daten erhoben werden, ist im Prinzip nichts verwerfliches – so schnell, wie der Wissensdrang der Gesellschaft wächst, kommen wir bald auch nicht mehr daran vorbei, dass uns Dienste wie Amazon und Google anhand von Gewohnheiten neue Ergebnisse in gewisser Weise vor sortieren.
Doch wirklich kritisch wird es eben wirklich, wenn junge Menschen, die das Medium Internet wie keine Generation zu vor nutzt und nutzen wird, diesbezüglich völlig unaufgeklärt bleibt.
Das kommt mir ungefähr so vor, als würden diese Jugendlichen dann später immer noch in einem Fahrzeug ohne Sicherheitsgurte ihre Fahrstunden absolvieren. Sowas ist unzeitgemäß; und Auftrag des Staates sollte es sein, seine zukünftigen, wählenden Bürger die Kompetenz hierzu zu vermitteln...Denn eine Orientierung und gewisse Grundsicherheit im WWW ist bald genauso wichtig wie die Beherrschung des Lesens, des Schreibens und des Rechnens.
Es stimmt nicht, dass das Thema Datenschutz nicht in den Lehrplänen auftaucht. In Berlin z.B. ist das Thema explizit als Bestandteil sowohl des Informatik-Unterrichts als auch für die Informationstechnische Grundbildung (ITG) genannt. Das Problem ist vielmehr, dass Informatik anders als in einigen anderen Bundeländern nur ein freiwilliger Zusatzkurs ist. Der Unterricht in ITG ist in Berlin für alle Schüler im Umfang von *einer* Unterrichtsstunde für *ein* Schuljahr verpflichtend, wird aber an vielen Schulen nicht als eigenes Fach sondern in den Unterricht in verschiedenen Fächern integriert unterrichtet - die Stunde wird irgendwelchem Profilunterricht zugeschlagen und wie viel der in ITG zu fördernden Kompetenzen dann übrig bleibt kann man sich vorstellen!
Der Hauptaussage des Artikels, dass Jugendliche für Belange des Datenschutzes sensibilisiert werden müssen, stimme ich voll zu. Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass die "digital natives" aufgrund ihrer intensiven Nutzung des Internets auch kompetent mit dem Medium umgehen können. So ist z. B. das Recherchieren eines Themas aus zuverlässigen Quellen etwas ganz anderes als sich mit Freunden über den gestrigen Abend auszutauschen - diese beiden Tätigkeiten würde im "realen" Leben niemand zusammenbringen. Auch im Arbeiten und Präsentieren mit dem Internet sollten alle Schülerinnen und Schülern kompetent gefördert werden - vielleicht haben dann zukünftige Doktortitel auch wieder länger Bestand!
Außerschulische Kompetenz zu diesem Thema in den Unterricht zu holen ist grundsätzlich positiv. Nicht weil es keine Lehrer gäbe, die entsprechende Kompetenzen hätten –blanker Unsinn so etwas zu behaupten-, sondern weil ein spezialisierter Außenstehender den Stoff im Regelfall besser aufbereitet und auch bei den Schülern eine höhere Aufmerksamkeit erreichen kann. Natürlich ist das Thema Datenschutz in den Lehrplänen vorhanden, also auch die Behauptung dies wäre nicht er Fall ist Unsinn. Hier als Beispiel der Informatik-Lehrplan für NRW: http://www.ritterbach.de/...
Das Problem liegt auch weniger in mangelhaften Kompetenz oder Wissen der Jugendlichen, sondern in deren Sorglosigkeit und einer in weiten Teilen dieser Generation vorhandenen Haltung, die man unter dem Motto „mehr scheinen als sein“ zusammenfassen könnte. Um diesen schönen oder auch weniger schönen Schein in den Medien zu präsentieren wird auch noch das Privateste öffentlich gemacht. Hier ist weniger Wissensvermittlung als Erziehung gefragt.
Kann mich den Vorrednern im Wesentlichen anschließen, Schulen und Lehrer sind in dem Feld viel weiter als im Artikel dargestellt. Schade, dass hier alte Klamotten und Vorurteile im Hinblick auf eine vermeintliche Rückständigkeit von Schule und Lehrern bedient werden. Der Einfachheit halber verweise ich beispielhaft auf die entsprechenden Programme in Rheinland-Pfalz. So sind z.B. tausende von Lehrern zu Jugendmedienschutzberatern ausgebildet worden. Ziel ist, dass jede Schule im Land mindestens zwei entsprechende Ansprechpartner hat.
Siehe auch hier http://ow.ly/5qTNE
Die Übersicht über die eigenen Daten zu verlieren, das kann auch aufgeklärten und älteren Netzteilnehmern passieren. Jüngst wunderte sich eine Bekannte von mir, daß sie eine sicher geglaubte Praktikumsstelle nicht bekam.
Durch einen Zufall erfuhr sie später, daß sie vom Arbeitgeber gegoogelt worden war. Der war wiederum über ein sehr unvorteilhaftes Bild in einem Portal für ehemalige Schüler gestolpert (den Akkount hatte sie aufgrund langer Nichtverwendung völlig vergessen) und hatte sie daraufhin wieder ausgeladen.
Willkommen in der Wirklichkeit.
gehören auf die Lehrpläne, denn die Kinder und Jugendlichen werden nicht nur heute über das Internet ausspioniert und angreifbar, sondern gleichzeitig - bis in die Zukunft hinein - leichte Beute für hoch spezialisierte Werbekampagnen der Industrie.
Wie sollen sich Eltern und Kinder diesen milliardenschweren Werbekampagnen widersetzen? Vor diesem Hintergrund erscheint das Thema Datenschutz schon fast marginal, obwohl weder die eine noch die andere Gefahr zu unterschätzen ist.
Es ist wirklich so: Jugendliche werden als Erwachsene von morgen in eine immer komplexer werdende Realität geschubst. Meine Generation (Jahrgang 1965) musste sich mit 18 noch nicht unbedingt mit dem Kleingedruckten von Vertragstexten auskennen, nicht mit AGBs, nicht mit Datensicherheit, und auch der Umgang mit Geld war damals noch übersichtlicher, Portemonnaie und Sparbuch halt.
Wer soll die Jugendlichen heute fit machen in all diesen Angelegenheiten? Sind das Themen, die im Elternhaus in ausreichendem Maß besprochen werden? Oder sollte unsere Gesellschaft auf Nummer Sicher gehen, ein wenig Zeit für Bildung opfern zugunsten von Weltwissen? Einen Literaturklassiker, eine Revolution, eine Sonatenform eintauschen gegen das Wissen um die Maschinerie hinter "klick hier!" und "nimm teil am XY-Gewinnspiel"?
Ganz ehrlich, ich bin froh, dass ich das nicht entscheiden muss!
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