Facebook hat die Einführung seiner neuen Gesichtserkennung verteidigt. Solche Verfahren sind umstritten, da die Betroffenen keine Kontrolle mehr darüber haben, wer sie wobei identifiziert. Trotzdem hat das soziale Netzwerk ein auf Gesichtserkennung basierendes Werkzeug gerade in den meisten Ländern freigeschaltet, auch in Deutschland.

Viele Nutzer hätten sich beim Unternehmen beschwert, schrieb Sprecher Justin Mitchell im Facebook-Blog. Die Funktion vereinfache aber vor allem das Markieren von Freunden. Niemand müsse den Service nutzen, schließlich habe jeder die Möglichkeit, sie in den Privatsphäre-Einstellungen zu deaktivieren.

Wie immer, wenn Facebook neue Dinge präsentiert, ist voreingestellt, dass die Funktion aktiv ist. Das wird von Datenschützern regelmäßig kritisiert, da so alle, die das nicht mitbekommen, zu mehr Offenheit gezwungen werden. Wer die Gesichtssuche abschalten will, muss unter "Konto", "Privatsphäre-Einstellungen", "Inhalte auf Facebook teilen" den Punkt "Benutzerdefiniert" suchen. Dort gibt es im Feld "Dinge, die andere Personen teilen" den Abschnitt "Freunden Fotos von mir vorschlagen". Wird auf diesen geklickt, kann die Funktion deaktiviert werden.

Facebook spricht von Kommunikationsfehler

Dieser lange Klickweg illustriert gut einen zweiten Kritikpunkt: Auch die Umständlichkeit der Einstellungen ist immer wieder Thema. Facebook beteuert, alle Bereiche zumindest so einfach und eindeutig wie möglich zu benennen. Allerdings sei auch das Leben komplex und es daher nicht möglich, diese Komplexität zu ignorieren.

Allerdings räumte der Konzern im Fall der Gesichtserkennung nun Kommunikationsfehler ein. Man hätte es "den Menschen deutlicher machen sollen, dass ihnen die Funktion jetzt zur Verfügung steht", schrieb die deutsche Unternehmenssprecherin Tina Kulow.

Facebook hatte die Gesichtserkennung im Dezember in den USA eingeführt. Der Konzern gab nun bekannt, den Service auf die "meisten Länder" ausgeweitet zu haben. Weltweit sind mehr als 500 Millionen Nutzer in dem Sozialen Netzwerk registriert.

Schon jetzt können Nutzer ihre registrierten Freunde auf Fotos ohne deren Kenntnis markieren. Der Betroffene hat nur die Möglichkeit, die Markierung nachträglich zu entfernen. Die Gesichtserkennung knüpft an diese Funktion an, indem sie einem Nutzer, der einen Freund markiert hat, mittels Gesichtserkennung weitere Fotos von ihm vorschlägt.