Soziale NetzeFacebook verteidigt Gesichtserkennung

Facebook vergleicht nun Gesichter in hochgeladenen Fotos. Der Konzern findet das praktisch. Datenschützer sind entsetzt. von dpa und Reuters

Facebook hat die Einführung seiner neuen Gesichtserkennung verteidigt. Solche Verfahren sind umstritten, da die Betroffenen keine Kontrolle mehr darüber haben, wer sie wobei identifiziert. Trotzdem hat das soziale Netzwerk ein auf Gesichtserkennung basierendes Werkzeug gerade in den meisten Ländern freigeschaltet, auch in Deutschland.

Viele Nutzer hätten sich beim Unternehmen beschwert, schrieb Sprecher Justin Mitchell im Facebook-Blog. Die Funktion vereinfache aber vor allem das Markieren von Freunden. Niemand müsse den Service nutzen, schließlich habe jeder die Möglichkeit, sie in den Privatsphäre-Einstellungen zu deaktivieren.

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Wie immer, wenn Facebook neue Dinge präsentiert, ist voreingestellt, dass die Funktion aktiv ist. Das wird von Datenschützern regelmäßig kritisiert, da so alle, die das nicht mitbekommen, zu mehr Offenheit gezwungen werden. Wer die Gesichtssuche abschalten will, muss unter "Konto", "Privatsphäre-Einstellungen", "Inhalte auf Facebook teilen" den Punkt "Benutzerdefiniert" suchen. Dort gibt es im Feld "Dinge, die andere Personen teilen" den Abschnitt "Freunden Fotos von mir vorschlagen". Wird auf diesen geklickt, kann die Funktion deaktiviert werden.

Facebook spricht von Kommunikationsfehler

Dieser lange Klickweg illustriert gut einen zweiten Kritikpunkt: Auch die Umständlichkeit der Einstellungen ist immer wieder Thema. Facebook beteuert, alle Bereiche zumindest so einfach und eindeutig wie möglich zu benennen. Allerdings sei auch das Leben komplex und es daher nicht möglich, diese Komplexität zu ignorieren.

Privatsphäre

Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Vernetzung

Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil

Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.

Allerdings räumte der Konzern im Fall der Gesichtserkennung nun Kommunikationsfehler ein. Man hätte es "den Menschen deutlicher machen sollen, dass ihnen die Funktion jetzt zur Verfügung steht", schrieb die deutsche Unternehmenssprecherin Tina Kulow.

Facebook hatte die Gesichtserkennung im Dezember in den USA eingeführt. Der Konzern gab nun bekannt, den Service auf die "meisten Länder" ausgeweitet zu haben. Weltweit sind mehr als 500 Millionen Nutzer in dem Sozialen Netzwerk registriert.

Schon jetzt können Nutzer ihre registrierten Freunde auf Fotos ohne deren Kenntnis markieren. Der Betroffene hat nur die Möglichkeit, die Markierung nachträglich zu entfernen. Die Gesichtserkennung knüpft an diese Funktion an, indem sie einem Nutzer, der einen Freund markiert hat, mittels Gesichtserkennung weitere Fotos von ihm vorschlägt.

Leserkommentare
  1. Wieso eigentlich sollte das rechtlich nicht zu kippen sein? Verstehe ich nicht... :-(
    http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_am_eigenen_Bild

    So oder so würde ich jedem nur raten, seine Bilder bei Facebook zu löschen oder gar nicht erst welche hochzuladen. Datenkraken.

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    • pzet
    • 08. Juni 2011 18:04 Uhr

    In dem Moment, in dem ich das Bild hochlade, übergebe ich doch das Bild an Facebook.
    Wenn die Funktion dann noch aktiviert ist, stimme ich dem Ganzen selbst zu.
    Wenn jemand anderes Bilder von mir hochlädt und die Funktion aktiviert hat, dann begeht dieser ja eigentlich den Schritt, der nicht in Ordnung ist. Facebook kann ja sagen, sie machen nur das was sie dürfen und gesagt bekommen. Also sollte man (gerade wenn man die Funktion der Gesichtserkennung nutzt) wieder ernsthafter damit anfangen, Leute um Einverständnis zu fragen, ob man Bilder von ihnen verwenden kann.

    Ich verstehe, wenn man Facebook misstraut. Ich tue das selbst. Aber man kann doch nicht einem Unternehmen Daten zuspielen und dann motzen. Einfach nicht nutzen.

    • Cando
    • 08. Juni 2011 18:21 Uhr

    Ich schätze, dass es sich hier um eine Einwilligung in die Verwendung des Bildes handelt. Das ist wiederum ein disponibles Rechtsgut (d.h. es darf eingewilligt werden) und daher würde ich auch vermuten, dass das Recht am eigenen Bild hier gar nicht verletzt wird.

    "Satz 1 des deutschen Kunsturheberrechtsgesetzes"

    Da Facebookein mehrheitlich amerikanischer kontzer ist sind seine Programme eher nach amerikanischen rEcht ausgelegt und sie müssen schon dagegen einen Protzess führen mit einen Urteil was nicht mehr in Revision gehen kann um ein deutsches Recht in den .de Domänen duchrzusetzen.

    Grad das Recht am eigenen Bild wurde in der Letzten Zeit immer wieder eingeschränkt, da es ja kein Panoramarecht gibt sind Aufnahmen aus vorbeifahrenden autos die Privat gemacht werden ebend ein öffentliher Raum, wenn sie dann darauf zu sehen sind und per Gesichertserkennung erkannt werden dürfte es selbst hier laut Rechtssprechung schwer werden dagegen anzugehen, da die Person die das Bild gemacht und online gestellt hat ja kein Unternehmen ist und nicht mit Gewinnanspruch handelt.

    Das datenschützer schon öfter geschriehen haben das sich die entwiklung momentahn eher zu falschen Seite hin neigt ist ja bekannt, aber man wird wohl warten müssen bis unsere "deutschen" Extremen dann ihre opfer gleich im internett für alle Makiren können.

  2. Das Argument die Privatsphäre-Einstellungen seien zu kompliziert halte ich für fadenscheinig.
    Tatsächlich kann ich bei so ziemlich jeder Funktion sehr genau einstellen wer was kann und was nicht. Klar, dass es dadurch sehr umfangreich wird.
    Mir ist das so jedenfalls wesentlich lieber, als ein einfacheres System dass mir weniger Kontrolle lässt.

    [...]

    Gekürzt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

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    • Cando
    • 08. Juni 2011 18:19 Uhr

    Viel bedenklicher finde ich, dass die umstrittenen Funktionen standardmäßig aktiviert sind. Seien wir mal ehrlich: Wer liest denn all die Änderungen in den AGBs immer durch, obwohl jeder weiß, dass man das eigentlich tun sollte?

    nutzer mir von Facebook immer erst meine Privatssphäre durch mühsames herumklicken in verschiedenen Untermenüs neu erkämpfen?

    Es müßte anders herum sein, aber die Privatsphäre wird hier der Gewinnsucht eines Unternehmens untergeordnet und unsere Industrieministerin Ilse Aigner ist so damit beschäftigt den Landwirten Subventionen zu sichern, dass sie für derartige Feinheiten überhaupt keine Zeit zu haben scheint.

  3. Was Facebook macht ist mir egal. Niemand ist gezwungen dabei mitzumachen.

    Datenschützer sollten sich lieber um die wirklich wichtigen Datenskandale kümmern wie ELENA, Swift, Vorratsdatenspeicherung, etc.
    Dabei ist die Teilnahme nämlich nicht freiwillig!

    Wenn jeder Furz gleich zu ein Datenschutzskandal aufgeblasen wird, führt das dazu, dass berechtigte Kritik nicht mehr ernst genommen wird.

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    Ich finde nicht, dass es ein Furz ist, wenn ich zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu bestimmten Nutzungsbedingungen / mit bestimmten Nutzungsmöglichkeiten Bilder auf eine Seite hochlade, um festzustellen, dass später Funktionen hinzugefügt werden, bei deren früherem Vorhandensein ich die Bilder NICHT hochgeladen hätte. Da möchte ich bitte wenigstens explizit informiert werden. Stattdessen muss ich diese Funktion selbst deaktivieren - falls ich zufälligerweise mitbekomme, dass sie neuerdings existiert. Und ich deaktiviere sie ja nur auf der Oberfläche bzw. vor dem Zugriff der anderen Nutzer. Was macht Facebook damit? Fleißig bündeln und irgendwann verkaufen? Sowas muss doch rechtlich verhindert werden können.

    • Cando
    • 08. Juni 2011 18:26 Uhr

    Sie mögen Recht haben: ELENA beispielsweise ist ein sehr viel schwerwiegenderer Eingriff in die Privatsphäre, als das was Facebook treibt. Jedoch ist die Gefahr, dass Daten an andere gelangen, bei Facebook um ein vielfaches größer, als beim Finanzamt.

    Facebook gibt offen zu, dass es Daten an seine "ausgewählten Partner" weitergibt: Mit anderen Worten an diejenigen, die bereit sind, dafür zu zahlen.

    Beim Finanzamt kann es durch eine Datenpanne natürlich auch passieren, aber die Gefahr ist hier nicht so groß. Außerdem ist ELENA, Swift und co wiederum eine Problematik der Verfassungsgerichtsbarkeit. Das BVerfG befasst sich schon seit längerer Zeit damit.

    Bei Facebook dagegen liegt kein Grundrechtseingriff vor, da es hier an staatlicher Gewalt mangelt. Rechtsschutzinteresse gibt es hier natürlich trotzdem - es spielt sich nur auf einer anderen Ebene ab. Das heißt aber nicht, dass dieses Thema weniger brisant ist.

    ELENA ist wohl das einzige gute Programm gewesen, ein paar weniger Informationen vielleicht.
    Facebook kann jeder halten wie er will, das ist ja Privat. Aber, es sind ja kaum Leute tatsächlich auf Facebook aktiv. Ein Bekannter hat 300 "Freunde" und hat mal gepräft, wer etwas von diesen in den letzten 4 Wochen von sich gegeben hat: 35. Gut, wir sind etwas älter, haben alle mal vorbei gesehen und alte Schulkammeraden wiedergefunden, aber dann sind da nur noch ein paar von übrig. Ich habe es nur auf 60 Freunde gebracht, hatte aber nach einigen Tagen keinen nerv mehr für diesen Schwachsinn.
    Also, mein Profilbild zeigt mich von der Seite gegen das Licht ;-) , aber eh egal bin abgemeldet.

    • pzet
    • 08. Juni 2011 18:04 Uhr

    In dem Moment, in dem ich das Bild hochlade, übergebe ich doch das Bild an Facebook.
    Wenn die Funktion dann noch aktiviert ist, stimme ich dem Ganzen selbst zu.
    Wenn jemand anderes Bilder von mir hochlädt und die Funktion aktiviert hat, dann begeht dieser ja eigentlich den Schritt, der nicht in Ordnung ist. Facebook kann ja sagen, sie machen nur das was sie dürfen und gesagt bekommen. Also sollte man (gerade wenn man die Funktion der Gesichtserkennung nutzt) wieder ernsthafter damit anfangen, Leute um Einverständnis zu fragen, ob man Bilder von ihnen verwenden kann.

    Ich verstehe, wenn man Facebook misstraut. Ich tue das selbst. Aber man kann doch nicht einem Unternehmen Daten zuspielen und dann motzen. Einfach nicht nutzen.

    Antwort auf "Rechtslage?"
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    Genau darauf beziehe ich mich doch: Dass es nicht rechtens sein kann, dass andere Leute ohne mein Einverständnis Bilder von mir hochladen und die auch noch taggen - und nun eben noch Facebook selbst das Taggen vorschlägt, wenn man dem keinen Riegel vorschiebt.

  4. Genau darauf beziehe ich mich doch: Dass es nicht rechtens sein kann, dass andere Leute ohne mein Einverständnis Bilder von mir hochladen und die auch noch taggen - und nun eben noch Facebook selbst das Taggen vorschlägt, wenn man dem keinen Riegel vorschiebt.

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    • GDH
    • 10. Juni 2011 12:06 Uhr

    Schlimm finde ich, dass die meisten Opfer wahrscheinlich garnicht so einfach davon erfahren, dass Bilder von ihnen bei Facebook stehen, obwohl sie was dagegen haben.

    Vermutlich sind nämlich die meisten Leute, die nicht wollen, dass Bilder von Ihnen auf diesem Portal stehen, da garnicht angemeldet. An dieser Stelle finde ich die Geschäftspolitik von Facebook auch besonders perfide: Man kann zwar einstellen, dass alle Facebook-Nutzer etwas sehen können (dürte im rechtlichen Sinne eine Veröffentlichung sein) aber damit ist immernoch jeder, der gucken will, gezwungen sich anzumelden (und Facebook hat auch noch die Frechheit, in seinen AGB zu fordern, dass korrekte personenbezogene Angeben gemacht werden.).

    Schön wäre es, es fände sich eine Kanzlei, die sich von möglichst vielen Leuten bevollmächtigen lässt, die Verwendung ihrer Bilder abzumahnen. Das würde das Geschäftsmodell von Facebook sicher schwer treffen. Zumindest würden die deutschen Nutzer wohl lernen, nicht ungefragt Bidler von anderen Leuten (im rechtlichen Sinne - natürlich meine ich keine Panorama-Aufnahmen und so) ins Netz zu stellen.

  5. @limdaepl: "Wer zu dumm ist das System zu bedienen hat im Internet eh nichts verloren."

    Dumm ist es nur, sich für allzu schlau zu halten. Eine Gesichtserkennung gab es lange Zeit nicht. Darum wäre auch prinzipiell nichts gegen ein Hochladen von Fotos einzuwenden gewesen. Dann wird die Funktion irgendwann neu eingeführt, aber die bereits hochgeladenen Fotos sind in der Welt.

    Außerdem, wie im Artikel beschrieben, werten Facebook & Co auch Daten von Menschen aus, die sich NICHT selbst dort verewigt haben, sondern von anderen "getagged" oder in ihr Adressbuch aufgenommen werden - die haben somit überhaupt keinen Einfluss auf ihre Daten. Das wäre noch in Ordnung, wenn diese Daten nicht zentral erfasst und ausgewertet würden, sondern nur von jedem Nutzer für sich. Aber gerade das ist ja nicht der Fall.

    Wenn Staaten derlei Daten erheben, wird immer geaschrien. Ich sehe das anders. Staaten halten sich noch am ehesten an Gesetze. Wenn Firmen in Privathand eine derartige Macht entfalten, wird mir schlecht.

  6. Ich finde nicht, dass es ein Furz ist, wenn ich zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu bestimmten Nutzungsbedingungen / mit bestimmten Nutzungsmöglichkeiten Bilder auf eine Seite hochlade, um festzustellen, dass später Funktionen hinzugefügt werden, bei deren früherem Vorhandensein ich die Bilder NICHT hochgeladen hätte. Da möchte ich bitte wenigstens explizit informiert werden. Stattdessen muss ich diese Funktion selbst deaktivieren - falls ich zufälligerweise mitbekomme, dass sie neuerdings existiert. Und ich deaktiviere sie ja nur auf der Oberfläche bzw. vor dem Zugriff der anderen Nutzer. Was macht Facebook damit? Fleißig bündeln und irgendwann verkaufen? Sowas muss doch rechtlich verhindert werden können.

    Antwort auf "Datenschutz"
    • Cando
    • 08. Juni 2011 18:19 Uhr

    Viel bedenklicher finde ich, dass die umstrittenen Funktionen standardmäßig aktiviert sind. Seien wir mal ehrlich: Wer liest denn all die Änderungen in den AGBs immer durch, obwohl jeder weiß, dass man das eigentlich tun sollte?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Google | Facebook | Apple | Datenschutz | Einstellung | Gesichtserkennung
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