Datensicherheit Hacker attackieren den Währungsfonds

Hacker haben den Internationalen Währungsfonds angegriffen und offenbar Daten gestohlen. Der IWF geht von Spionage aus und macht eine "bestimmte Regierung" verantwortlich.

Der Internationale Währungsfond in Washington D.C.

Der Internationale Währungsfond in Washington D.C.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist Opfer einer Attacke auf seine Computer geworden. Nach einem Bericht von Bloomberg Newswurden bei dem Angriff E-Mails und weitere Dokumente gestohlen. Der Fonds habe Ermittlungen eingeleitet, wie es zu dem Hacker-Angriff kommen konnte, erklärte ein IWF-Sprecher. Die Arbeit der Organisation sei durch den Angriff aber nicht beeinträchtigt. Über das Ausmaß des Schadens machte der Sprecher keine Angaben.

Ein Sprecher der Weltbank sagte, man habe alle Netzwerk-Verbindungen zur Schwester-Organisation gekappt. Es handle sich dabei aber um eine reine Vorsichtsmaßnahme, bis man die Attacke und ihre Auswirkungen genauer verstanden habe. Das Netzwerk ermöglicht den Austausch von Informationen zwischen beiden Organisationen, wird aber nicht für die Kommunikation geheimer Informationen oder sensibler Finanzdaten genutzt.

Anzeige

Auch FBI leitete inzwischen eine Untersuchung ein. Die Bundespolizei arbeite eng mit dem IWF zusammen, erklärte eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums. Das FBI selbst lehnte eine Stellungnahme ab.

Nach Angaben des Internet-Sicherheitsexperten Tom Kellermann, der in dieser Funktion auch für den IWF und die Weltbank gearbeitet hat, zielte der Hackerangriff darauf, heimlich eine Software zu installieren, um einer bestimmten Regierung Zugang zu Insider-Informationen des IWF über andere Länder zu verschaffen. Um welche Regierung es sich handle sei noch unklar. 

Der Angriff habe sich über mehrere Monate ereignet, zitierte die New York Times einen namentlich nicht genannten IWF-Mitarbeiter. "Das war ein sehr großer Einbruch." Die Organisation wollte offiziell jedoch nichts dazu sagen, wie umfangreich der Angriff war und welches Ziel er hatte.

Die Zeitung spekuliert über die Art des Eindringens, es habe sich dabei um spear phishing gehandelt. Beim Phishing werden unbedarfte Nutzer meist in einer Mail aufgefordert, Passworte und Zugangscodes auf Seiten einzugeben, die aussehen wie echte – beispielsweise für das Online-Banking –, jedoch echten nur nachempfunden sind, um diese Codes abzufangen. Spear phishing ist eine gezieltere Form dieses Verfahrens. Die Mail kommt dabei von jemandem, den der Nutzer kennt und dem er vertraut, der IT-Abteilung des Hauses beispielsweise.

Kellermann wird vom Wall Street Journal mit den Worten zitiert, der Angriff habe zuvor einiges an Aufklärungsarbeit erfordert und der Code sei speziell dazu geschrieben worden, den IWF anzugreifen. "Das ist kein Schadprogramm, das wir schon einmal gesehen haben", sagte Kellermann demnach. Eine Tatsache, die auch das Auffinden erschwert habe. Offensichtlich hätten die Hacker dadurch umfassenden Zugang zu den Systemen des Währungsfonds gehabt und Planungen der Organisation sehen können.

Leser-Kommentare
  1. Wahrscheinlich haben die Hacker als erstes das "S" erbeutet; denn der IWF wird im ganzen Beitrag durchgängig falsch als "Internationaler Währungsfond" geschrieben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Herzlichen Glückwunsch, liebe "Zeit"-Redakteure. Nach einem halben Tag haben Sie das geraubte "S" endlich wiedergefunden!

    Herzlichen Glückwunsch, liebe "Zeit"-Redakteure. Nach einem halben Tag haben Sie das geraubte "S" endlich wiedergefunden!

  2. Es ist interessant, dass die Medien einen Aspekt der Netzwelt noch nicht beleuchtet habe - die anstehende Symbiose von Bloggern, einzelnen Journalisten, der Hackergemeinschaft um Anonymous und Usern der Social Networks wie Facebook oder Twitter - in Nordafrika am besten zu sehen gewesen. Denn klar ist, dass jeder dieser Akteure seine mediale Aufmerksamkeit stets ausbauen möchte, sodass der Zusammenarbeitsfaktor immer mehr eine größere Rolle spielen wird. Dementsprechend versucht Anonymous, immer mehr Blogger und Internetuser auf sich aufmerksam zu machen. Ein Beispiel hierfür ergibt sich bei der deutsch-südafrikanischen Bloggergemeinschaft "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste", wo die Anhänger der Anonymous-Bewegung eifrig am Kommentieren der Artikel sind und darüberhinaus die Blogger und User mit Infos versorgen: http://2010sdafrika.wordp....

    Eine Leser-Empfehlung
  3. etwas Gestohlenes wechselt (unrechtmäßig) den Besitzer.
    Bei kopierten Daten, trifft der Begriff "stehlen' nicht zu, da die Informationen an ihrem Ursprung nicht fehlen, sondern von dort (unrechtmäßig) kopiert wurden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ich auch. So ein typisch unpassendes Offliner-Synonym.

    Auch würde mich mal lebhaft interessieren, was der IWF an Informationen über welche Länder hat und warum die geheim sind. Wenn unser ach so demokratischer Westen schon Folter-Instrumente wie den IWF in der Hinterhand hat, um *unpopuläre [und idR unsinnige und menschenverachtende] Wirtschaftsreformen* für reiche Gläubiger durchzuprügeln, dann sollten doch wenigstens die grundlegenden Informationen dazu offenliegen. Wie kann Demokratie funktionieren, wenn immer nur in Hinterzimmern gekungelt wird? Na gut, der IWF wurde offenbar bewusst außerhalb demokratischer Kontrolle angesiedelt.

    Das ist der eigentliche Skandal. Dass die Chinesen (oder wer auch immer) versucht da ran zu kommen: geschenkt. Nur die Werkzeuge haben sich geändert.

    ...ich auch. So ein typisch unpassendes Offliner-Synonym.

    Auch würde mich mal lebhaft interessieren, was der IWF an Informationen über welche Länder hat und warum die geheim sind. Wenn unser ach so demokratischer Westen schon Folter-Instrumente wie den IWF in der Hinterhand hat, um *unpopuläre [und idR unsinnige und menschenverachtende] Wirtschaftsreformen* für reiche Gläubiger durchzuprügeln, dann sollten doch wenigstens die grundlegenden Informationen dazu offenliegen. Wie kann Demokratie funktionieren, wenn immer nur in Hinterzimmern gekungelt wird? Na gut, der IWF wurde offenbar bewusst außerhalb demokratischer Kontrolle angesiedelt.

    Das ist der eigentliche Skandal. Dass die Chinesen (oder wer auch immer) versucht da ran zu kommen: geschenkt. Nur die Werkzeuge haben sich geändert.

  4. Habe ich das gerade richtig verstanden, dass der IWF zusammen mit entsprechenden Nationen die Märkte durch die zurückhaltung von Informationen manipuliert und für überbewertete Kurse sorgt?

    Würden die Demokratien, vor denen die ein Recht darauf haben, zu wissen, was mit ihrem Land passiert, dem Volk, nicht soviele Geheimnisse haben. Würden die Lügengebilde, die Karrieren von Politkern, Währungskurse, Staatsanleihen, nicht jedes mal einbrechen wenn sie mit der Realität konfrontiert werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...das Informationen zurückgehalten werden.

    Dass die Kurse durch einige Informationen mehr *marktgerechter* und stabiler wären, halte ich allerdings für Unfug. Märkte sind nicht intelligent, sondern dumm wie Brot und reflexhaft wie ein lauerndes Krokodil.

    Griechenland z.B. ist nur deshalb in der Krise, weil die Märkte die Zinsen so hochgejubelt haben, weil sie durch undurchdachte politische Äußerungen Zweifel am gr. Wachstumskurs bekamen. Eine typische Self-Fullfilling Prophecy, hat ein Land erstmal 15+% Zinsen, gibts nämlich keine Rettung mehr, die Zinsen steigen immer weiter und sämtliche Kredite sind plötzlich ausfallgefährdet. Könnte D genauso passieren, nur sind wir allein durch die Masse besser geschützt als so ein kleines Land.

    Mit 3% Zinsen hätte Gr. auf absehbare Zeit keine Probleme gehabt und könnte evtl. aus dem Trouble rauswachsen, aber wie gesagt Märkte sind saudumm.

    ...das Informationen zurückgehalten werden.

    Dass die Kurse durch einige Informationen mehr *marktgerechter* und stabiler wären, halte ich allerdings für Unfug. Märkte sind nicht intelligent, sondern dumm wie Brot und reflexhaft wie ein lauerndes Krokodil.

    Griechenland z.B. ist nur deshalb in der Krise, weil die Märkte die Zinsen so hochgejubelt haben, weil sie durch undurchdachte politische Äußerungen Zweifel am gr. Wachstumskurs bekamen. Eine typische Self-Fullfilling Prophecy, hat ein Land erstmal 15+% Zinsen, gibts nämlich keine Rettung mehr, die Zinsen steigen immer weiter und sämtliche Kredite sind plötzlich ausfallgefährdet. Könnte D genauso passieren, nur sind wir allein durch die Masse besser geschützt als so ein kleines Land.

    Mit 3% Zinsen hätte Gr. auf absehbare Zeit keine Probleme gehabt und könnte evtl. aus dem Trouble rauswachsen, aber wie gesagt Märkte sind saudumm.

  5. > Kellermann wird vom Wall Street Journal mit den Worten zitiert, der Angriff habe zuvor einiges an Aufklärungsarbeit erfordert und der Code sei speziell dazu geschrieben worden, den IWF anzugreifen. "Das ist kein Schadprogramm, das wir schon einmal gesehen haben", sagte Kellermann demnach. Eine Tatsache, die auch das Auffinden erschwert habe. <

    Kein Wunder, dass es professionelle Hacker so einfach haben. (Ironie?) Man hat ein Schadprogramm noch nicht gesehen und deshalb ist das Auffinden so schwierig? (Ironie!).

    Internet-Sicherheitsexperte Tom Kellermann (Tatsache!) - Gut dass es Experten gibt (Sarkasmus!)

  6. [Die Zeitung spekuliert über die Art des Eindringens, es habe sich dabei um "spear phishing" gehandelt.]

    Wenn es dem so wäre, müsste man die entsprechende Person feuern. Sorry, aber es wird jedem Kind dazu geraten Links von Dritten niemals zu öffnen und schon lange nicht dort (auf der verlinkten Seite) irgendwelche sicherheitsrelevanten Daten einzugeben.

    Eine Leser-Empfehlung
    • iDog
    • 12.06.2011 um 11:59 Uhr

    erkennt man die Positionen der modernen Antagonismen. Es wird seine Gründe haben, dass gerade die hier genannten Organisationen angegriffen werden. Vermutlich provoziert deren Ermächtigung an sich schon die Angriffe.

    Wird die Aktivität einer dieser der Wall Street Mafia, bzw Finanzelite unterstellten Organisationen als Angriff auf die eigne Souveränität empfunden, dann sind Konterattacken nicht weiter erstaunlich. Das kapitalistische Paradigma der Ausschaltung und konsequenten Kontrolle anderer durch Konkurrenz ist hier in ihrem wahren Gesicht zu erkennen. Wenn nämlich die Fronten der Kontrollermächtigung durch Faktenschaffung der Verschuldungspolitik klar definiert wurden, wird den Unterlegenen und Kontrollierten nur noch der klandestine Weg der Erwiderung zur Verfügung stehen, der dann nur all zu gerne direkt kriminalisiert wird. So erzeugt der neoliberale TINA (there is no alternative) Ansatz nicht nur eine inhumane Wirklichkeit, sondern mit gleicher Alternativlosigkeit auch den Terrorismus gegen die eigene Ermächtigung. Ein Kommunikationsmodell auf Augenhöhe und unter gleichberechtigten Partnern wird bei dieser Art der ökonomischen Ermächtigung von vorne herein ausgeschlossen

  7. Wenn ich diesen Beitrag nicht mit “Es war einmal” beginne, so hat dies nur einen einzigen Grund; ich will nicht als vollkommener Idiot dastehen, denn nur Märchen beginnen so und von Märchen sind wir bei diesem Thema mehr als weit entfernt.

    75% der weltweit tätigen Hacker sind schlicht und einfach Kriminelle, denen es zum einen um Profit und zum anderen um Zerstörung geht. Wirkliche Meinungen, Standpunkte und Ideologien sind bei denen außen vor.

    Aber die Idealisten gibt es auch und ihre Zahl nimmt stetig zu, denn sie haben nun mal bestimmte Fähigkeiten, die sie von den normalen Technikfreaks unterscheidet und sie haben auch einen Glauben an eine andere, auch besser organisierte Welt, in der es einfach gerechter zugeht. Das Wichtigste steht hier: http://freies-in-wort-und...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich würde eher darauf tippen, das ein Großteil der Angriffe eher von Nationen kommt. Stuxnet wurde von einer Regierung entwickelt und das China seit Jahren systematisch Unternehmen hackt ist auch alles andere als Geheim. In Amerika arbeitet auch ene absurd hhe Anzahl von Hackern für den Staat. Die größte Bedrohung geht wie immer von den Staaten aus.

    Bankster sind Bankster. Und würde man mit Bankstern genauso umspringen wie mit Hackern oder einem einfachen Urheberrechts-Verletzer, wäre mit dem Gezocke sofort Schluss gewesen. Die wahren Schädlinge kommen nicht durchs Hintergürchen, guter Mann. Die kommen in Nadelstreifen und drücken der Kanzlerin die Hand...

    Ihrem Beitrag könnte man vollumfänglich zustimmen, bis auf einen einzigen Punkte: die Zahl, die Sie nennen.

    Die 75% ist von Ihnen geschätzt. Ich für meinen Teil schätze die Zahl auf 5%.

    Wenn ich gedanklich die 5% einsetze, dann kann ich Ihrem Beitrag vorbehaltslos zustimmen. Meine Empfehlung Ist Ihnen sicher.

    Die Kriminellen müssen dingfest gemacht werden. Schade ist, dass diese Minderheit stats großartig in den Zeitungen ausgewälzt wird und somit das öffentliche Bild prägt. Laut Meinungsumfragen sieht die Mehrheit der Bevölkerung Hacker bereits grundsätzlich als Kriminelle an, obwohl das laut meiner Schätzung auf 95% nicht zutrifft.

    • iDog
    • 12.06.2011 um 14:46 Uhr

    arbeitet heutzutage für Regierungen , Sicherheitsfirmen oder ist in der IT Branche unabkömmlich, weil es sonst so viele Sicherheitslücken im internet gäbe , dass die die sie eigentlich meinen leichtes spiel hätten ihr onlinekonto abzuräumen. Sie haben sich schlicht in der Bezeichnung vertan . Online kriminalitaet gibt es , aber ei wird nicht von Hackern veranstaltetr , sondern weitgehend verhindert. schauen sie einfach mal beim CCC rein.

    Hoffentlich ist dieser Vorfall nich nur Vorwand für noch strengere und härtere Maßnahmen gegen die Freiheit im Internet! ...bereits Kriege wurden so angezettelt.

    Ich würde eher darauf tippen, das ein Großteil der Angriffe eher von Nationen kommt. Stuxnet wurde von einer Regierung entwickelt und das China seit Jahren systematisch Unternehmen hackt ist auch alles andere als Geheim. In Amerika arbeitet auch ene absurd hhe Anzahl von Hackern für den Staat. Die größte Bedrohung geht wie immer von den Staaten aus.

    Bankster sind Bankster. Und würde man mit Bankstern genauso umspringen wie mit Hackern oder einem einfachen Urheberrechts-Verletzer, wäre mit dem Gezocke sofort Schluss gewesen. Die wahren Schädlinge kommen nicht durchs Hintergürchen, guter Mann. Die kommen in Nadelstreifen und drücken der Kanzlerin die Hand...

    Ihrem Beitrag könnte man vollumfänglich zustimmen, bis auf einen einzigen Punkte: die Zahl, die Sie nennen.

    Die 75% ist von Ihnen geschätzt. Ich für meinen Teil schätze die Zahl auf 5%.

    Wenn ich gedanklich die 5% einsetze, dann kann ich Ihrem Beitrag vorbehaltslos zustimmen. Meine Empfehlung Ist Ihnen sicher.

    Die Kriminellen müssen dingfest gemacht werden. Schade ist, dass diese Minderheit stats großartig in den Zeitungen ausgewälzt wird und somit das öffentliche Bild prägt. Laut Meinungsumfragen sieht die Mehrheit der Bevölkerung Hacker bereits grundsätzlich als Kriminelle an, obwohl das laut meiner Schätzung auf 95% nicht zutrifft.

    • iDog
    • 12.06.2011 um 14:46 Uhr

    arbeitet heutzutage für Regierungen , Sicherheitsfirmen oder ist in der IT Branche unabkömmlich, weil es sonst so viele Sicherheitslücken im internet gäbe , dass die die sie eigentlich meinen leichtes spiel hätten ihr onlinekonto abzuräumen. Sie haben sich schlicht in der Bezeichnung vertan . Online kriminalitaet gibt es , aber ei wird nicht von Hackern veranstaltetr , sondern weitgehend verhindert. schauen sie einfach mal beim CCC rein.

    Hoffentlich ist dieser Vorfall nich nur Vorwand für noch strengere und härtere Maßnahmen gegen die Freiheit im Internet! ...bereits Kriege wurden so angezettelt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service